Médecins du monde
„Menschen ohne Krankenversicherung sind in einem reichen Land inakzeptabel“
Vor fast zwei Jahren hat Michel Genet die Leitung von „Médecins du monde Luxembourg“ übernommen. Im Interview erklärt er, wie sich die Hilfsorganisation seit ihrer Krise von 2024 entwickelt hat, wieso die Zahl der Patienten zunimmt und weshalb Luxemburg ein Gesetz zur universellen Gesundheitsversorgung braucht.
Im Herbst 2024 wechselte Michel Genet (r.) von der belgischen Filiale von „Médecins du monde“ zur luxemburgischen. Davor leitete der 60-jährige Ökonom unter anderem Greenpeace Belgien, war politischer Direktor der grünen Partei Ecolo und politischer Berater des französischen Europaabgeordneten Pierre Larrouturou (S&D). Foto: Editpress/Didier Sylvestre
Tageblatt: Als Sie vor fast zwei Jahren die Generaldirektion übernommen haben, befand sich „Médecins du monde Luxembourg“ (MdM) in einer Krise. Wie ist die Situation heute?
Michel Genet: Es gab unvereinbare Divergenzen zwischen der früheren Generaldirektorin (Sylvie Martin; Anm. d. Red.) und der Nummer zwei, dem Direktor der Pflegeprogramme (David Pereira). Beide haben MdM verlassen, die Direktion war zeitweise nicht besetzt, wir hatten viele Abgänge zu verzeichnen. Das hatte Auswirkungen auf unsere kleine Organisation. In der Folge mussten wir sie wiederaufbauen. Im September 2024 bin ich eingesprungen, offiziell zum Generaldirektor ernannt wurde ich im Februar 2025. Wir haben unsere Dienste zu keinem Moment eingestellt, es lief nur zeitweise etwas langsamer. Inzwischen geht es wieder besser, wir arbeiten harmonischer zusammen.