Gesetzentwurf
Luxemburgs Regierung will schärfer gegen Cybergewalt vorgehen
Justizministerin Elisabeth Margue (CSV) will Deepfake-Pornografie, Cyberflashing und Online-Belästigung wirksamer bekämpfen.
Justizministerin Elisabeth Margue will das Verbreiten von Deepfakes mit sexuellem Inhalt in den Strafbestand aufnehmen Foto: AFP/Pablo Vera; Editpress/Julien Garroy
Der Chatbot Grok ist dieses Jahr in die Kritik geraten, weil User mit seiner Hilfe massenhaft KI-Bikinifotos realer Personen ohne deren Einverständnis erzeugten. Besonders hohe Wellen schlug der Fall Collien Fernandes: Ende März wurde bekannt, dass die deutsche Schauspielerin gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen Anzeige erstattet hat. Jahrelang hatte jemand Fake-Pornografie von ihr verschickt. In Luxemburg will die Regierung nun handeln. Im Regierungsrat am Mittwoch hat sie einen Gesetzentwurf von Justizministerin Elisabeth Margue (CSV) zur Änderung des „Code pénal“ genehmigt, um verstärkt gegen Cybergewalt vorzugehen.
Was ist Cybergewalt?
Cybergewalt gegen Frauen und Mädchen ist zu einem globalen Problem geworden, schreibt das Europäische Parlament auf seiner Website. Dazu zählt unter anderem Cyber-Belästigung: Das Versenden unerwünschter oder anstößiger Nachrichten mit sexuell explizitem Inhalt per E-Mail, Text oder Video. Besonders alarmierend sind laut dem Parlament Deepfakes, durch die Gesichter, Stimme oder Bewegungen einer Person realistisch imitiert werden können. Besonders oft werden von Frauen so täuschend echte Nacktbilder erstellt.
Der Fall Collien Fernandes hatte im März weltweit die Aufmerksamkeit auf Cybergewalt gelenkt. Die deutsche Schauspielerin hatte in ihrer Anzeige schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben. Nach ihren Schilderungen geht es um gefälschte Profile in sozialen Netzwerken, die unter ihrem Namen erstellt worden sein sollen, sowie um die Verbreitung von pornografischen Deepfake-Inhalten und damit verbundene Formen digitaler Gewalt.
Der Gesetzentwurf ziele darauf ab, den „Code pénal“ zu verschärfen, heißt es in der Pressemitteilung zum Regierungsrat. Cybergewalt soll durch neue Straftatbestände wirksamer bekämpft werden können. Die Justiz soll neuen Formen von Gewalt wie Cyberflashing (das ungefragte Zusenden sexueller Inhalte), das Verbreiten von Deepfakes mit sexuellem Inhalt oder verschiedene Formen der Online-Belästigung bestrafen können.
Vor allem Frauen werden Opfer von Cybergewalt
Internationale Studien belegen, dass vor allem Frauen von Cybergewalt betroffen sind, teilt das Justizministerium in einer Stellungnahme mit. Zwischen 16 und 58 Prozent geben laut einer UN-Studie an, bereits Opfer geworden zu sein. Die geltenden Bestimmungen des „Code pénal“ in Luxemburg seien „zwar technologieneutral, tragen aber der spezifischen Art und Schwere dieser Gewaltformen nicht immer angemessen Rechnung und gewährleisten den Opfern keinen ausreichenden Schutz“, schreibt das Ministerium. Der Gesetzentwurf ziele darauf ab, diese Mängel zu beheben.
Damit der „Code pénal“ nicht wieder von der Realität überholt wird, werde versucht, den Text allgemeiner zu halten, sagt Justizministerin Margue am Donnerstag im Interview mit 100,7. „Es spielt keine Rolle, ob die Bilder mit künstlicher Intelligenz verändert wurden oder nicht.“ Wichtig ist laut Margue, dass das Phänomen an sich strafbar ist.