Gesundheitsprofil
Luxemburgs Gesundheitssystem ist stark, doch steht auch vor Herausforderungen
Das neue Länder-Gesundheitsprofil 2025 bescheinigt Luxemburg Spitzenwerte bei Lebenserwartung und Patientenzufriedenheit – doch die Alterung der Bevölkerung und strukturelle Defizite stellen das System vor Herausforderungen.
Luxemburgs Gesundheitssystem punktet bei Versorgung und Patientenzufriedenheit, doch steht vor strukturellen Herausforderungen Symbolbild: Freepik
Hohe Lebenserwartung, sehr guter Zugang zur medizinischen Versorgung und eine hohe Patientenzufriedenheit: Luxemburg verfügt weiterhin über eines der leistungsfähigsten Gesundheitssysteme Europas. So lautet das Fazit des Länder-Gesundheitsprofils 2025 der EU-Initiative „State of Health in the EU“, das vom nationalen Gesundheitsobservatorium veröffentlicht wurde. Gleichzeitig macht der Bericht deutlich, dass der demografische Wandel, Effizienzprobleme und Defizite in der Prävention künftig stärker ins Gewicht fallen werden.
Mit einer Lebenserwartung von 83,5 Jahren lag Luxemburg 2024 fast zwei Jahre über dem EU-Durchschnitt. Doch viele dieser zusätzlichen Lebensjahre werden ab dem 65. mit gesundheitlichen Einschränkungen verbracht. Zwar ist der Anteil der über 65-Jährigen mit 15 Prozent der niedrigste in der EU, er dürfte sich bis 2050 jedoch nahezu verdoppeln. Hinzu kommt, dass 2021 jeder vierte Todesfall auf vermeidbare Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholkonsum, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel zurückzuführen war. Während Rauchen und Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen zwar rückläufig sind, nehmen Übergewicht, Bewegungsmangel und der Konsum von E-Zigaretten zu. Deutlich bleiben zudem soziale Unterschiede in Bezug auf Risikofaktoren: Menschen mit niedrigerem Bildungsniveau sind stärker von gesundheitlichen Risiken betroffen.
Guter Zugang, hohe Ausgaben
Bei der medizinischen Versorgung schneidet Luxemburg gut ab. Die vermeidbare Sterblichkeit liegt deutlich unter dem EU-Durchschnitt, was auf eine wirksame Prävention und Behandlung hinweist. Nur 1,9 Prozent der Bevölkerung berichten von ungedecktem medizinischem Bedarf aufgrund von Kosten, Wartezeiten oder Entfernungen – einer der niedrigsten Werte in der Europäischen Union. Entsprechend hoch ist die Patientenzufriedenheit: Bei einer OECD-Umfrage haben 93 Prozent der Befragten angegeben, insbesondere mit der hausärztlichen Versorgung und der Einbindung in medizinische Entscheidungen zufrieden zu sein.
Das System ist allerdings kostenintensiv. 2023 wurden 85 Prozent der Gesundheitsausgaben aus öffentlichen Mitteln finanziert, was über dem EU-Durchschnitt liegt. Die Eigenbeteiligung der Haushalte zählt währenddessen zu den niedrigsten in Europa. Auffällig ist jedoch die Ausgabenstruktur: Während ein großer Teil in die ambulante Versorgung fließt (ein Drittel), liegt der Anteil für Prävention mit drei Prozent unter dem EU-Durchschnitt – und ist überdies seit der Covid-19-Pandemie rückläufig.
Effizienz, Personal und Digitalisierung als Schlüsselthemen
Trotz der insgesamt positiven Bilanz bleiben strukturelle Herausforderungen bestehen. Vermeidbare Krankenhausaufenthalte bei chronischen Erkrankungen liegen über dem EU-Durchschnitt, was auf Defizite in der Koordination und in integrierten Versorgungseinrichtungen hinweist. Im Arzneimittelbereich geben zudem die geringe Nutzung von Generika und ein teilweise unangemessener Medikamentengebrauch, insbesondere bei älteren Menschen, laut Bericht „Anlass zur Sorge“.
Ein weiteres Risiko ist die starke Abhängigkeit von im Ausland ausgebildetem Gesundheitspersonal. Während die Zahl der Pflegekräfte mit 14,2 pro 1.000 Einwohner hoch ist (EU-Durchschnitt: 8,5 pro 1.000 Einwohner), liegt die Ärztedichte mit 4 pro 1.000 Einwohner leicht unter dem EU-Durchschnitt (4,3). Um die Zukunftsfähigkeit des Gesundheitssystems zu sichern, setzt Luxemburg zunehmend auf Digitalisierung, etwa durch den Ausbau des elektronischen Patientendossiers, sowie auf neue Strukturen zur Krisenvorsorge und zur Bewertung der Gesundheitspolitik.
3.800 neue Pflegekräfte in den nächsten zehn Jahren benötigt
Dass Luxemburgs Gesundheitssystem vor weitaus mehreren Herausforderungen steht, zeigt sich in der aktuellen Diskussion rund um die Ärzte- und Zahnärztevereinigung AMMD. Erst zu Beginn der Woche hat Premierminister Luc Frieden (CSV) ein Gespräch mit der Vereinigung abgelehnt und an Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) verwiesen. Ein Termin für ein Gespräch mit Deprez steht bislang noch nicht fest. Die Auseinandersetzung geht auf die Kündigung der Konvention mit der Gesundheitskasse CNS zurück. Diese hatte die AMMD Ende Oktober 2025 ausgesprochen. Die Ärztevereinigung fordert einen neuen gesetzlichen Rahmen für die liberale Medizin mit selektiver Konventionierung, Tarifautonomie sowie mehr Freiheit bei Praxisausstattung und Gesellschaftsgründungen.
Auch im Pflegesektor ist nicht alles eitel Sonnenschein. Denn der Personalmangel ist auch nach der Covid-19-Pandemie geblieben. Dies sei laut Deprez bekannt und dem akuten Mangel – insbesondere auf den Stationen – müsse dringend begegnet werden. Auf die Frage nach dem künftigen Personalbedarf antwortete die Ministerin im April 2025, dass Luxemburg in den kommenden zehn Jahren rund 3.800 neue Pflegekräfte – also etwa 380 Ausgebildete pro Jahr – benötige. Eine neu gegründete Taskforce werde sich den Herausforderungen des Sektors widmen und die Attraktivität der Pflegeberufe stärken.
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