Staatsfinanzen 2025
Luxemburger Zentralstaat erwirtschaftet Defizit von mehr als einer Milliarde Euro
Wie von der Regierung vorgesehen, hat sich die Situation der Staatsfinanzen im vergangenen Jahr deutlich verschlechtert. Während die Einnahmen um magere 2,5 Prozent gestiegen sind, sind die Ausgaben um 7,4 Prozent in die Höhe geschnellt. Das Resultat: Der Zentralstaat (die Ministerien) erwirtschaftet ein Minus von mehr als einer Milliarde Euro. Finanzminister Gilles Roth gibt sich optimistisch, doch weitere Verschlechterungen sind bereits in Sicht.
Investitionen, Gehälter, Transfers und steigende Zinsen treiben die Ausgaben des Staates an Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Die Zahlen, die das Finanzministerium diese Woche veröffentlicht hat, zeichnen ein klares Bild: Die Haushaltslage Luxemburgs hat sich deutlich verschlechtert. Ersten Schätzungen zufolge wird der Zentralstaat (die Ministerien) das Jahr 2025 mit einem Defizit von 1.044 Millionen Euro abschließen. Dies steht im krassen Gegensatz zum Überschuss von 317 Millionen Euro, der noch 2024 verzeichnet wurde, einem der besten Jahre der jüngsten Vergangenheit. Dies entspricht einer Verschlechterung um 1.362 Millionen Euro.
Die Gesamteinnahmen erreichten 29,1 Milliarden Euro und lagen damit um 2,5 Prozent oder 705 Millionen Euro über dem Vorjahreswert. Im Vorjahr war noch ein deutlich stattlicheres Plus von 11,5 Prozent bei den Einnahmen verbucht worden. Hintergrund war damals, dass die Einnahmen einerseits wegen der Wiedereinführung von einem Prozent bei der Mehrwertsteuer (der 2023 ausgesetzt worden war) und andererseits wegen Steuernachzahlungen von Unternehmen aus den Jahren zuvor außergewöhnlich schnell zugelegt hatten.
7,4
Letztes Jahr haben die Ausgaben beim Luxemburger Zentralstaat um 7,4 Prozent zugelegt. Bei den Einnahmen belief sich das Plus jedoch nur auf 2,5 Prozent.
Die „Administration des contributions directes“ verzeichnete 2025 Einnahmen in Höhe von 14,4 Milliarden Euro, was einem leichten Rückgang von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Zwischen den einzelnen Unter-Kategorien zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede: Die deutlichsten Rückgänge trafen beispielsweise die Kapitalertragsteuer (minus 252,7 Millionen), die Vermögenssteuer (minus 117,1 Millionen) und die Einkommensteuer natürlicher Personen nach Bemessungsgrundlage (minus 83,9 Millionen). Weiter gestiegen sind derweil die Steuereinnahmen auf Löhnen und Gehältern (plus 108,8 Millionen) und die Steuern von Unternehmen (plus 260,4 Millionen). Bei Letzteren ist das Mehr an Steuern vor allem dem Finanzsektor zu verdanken.
Finanzplatz und Tabak treiben die Einnahmen
Einen leichten Anstieg von einem Prozent auf 7,9 Milliarden Euro verbuchte auch die „Administration de l’enregistrement“. Diese positive Entwicklung wurde durch die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer (TVA) (plus 57,9 Millionen) und der „taxe d’abonnement“ auf Investmentfonds (plus 73,9 Millionen) getragen. Die „droits d’enregistrement“ verzeichneten hingegen einen weiteren Rückgang von 30,5 Millionen Euro (oder 16,3 Prozent).
Auf Ebene der „Administration des douanes et accises“ beliefen sich die Einnahmen auf 2,6 Milliarden Euro, was einem stattlichen Plus von 294,1 Millionen Euro entspricht. Getragen wurde dieser Anstieg hauptsächlich durch die Abgaben auf Tabak-Produkte, die letztes Jahr somit mehr als 1,5 Milliarden Euro in die Staatskasse gespült haben. Um fast 50 Millionen Euro geschrumpft – auf nur noch 522 Millionen – sind die Einnahmen vom Verkauf von Diesel.
620 Millionen mehr für Gehaltszahlungen
Die Ausgaben des Staates sind 2025 um mehr als zwei Milliarden Euro auf 30,2 Milliarden in die Höhe geschnellt – eine stattliche Zuwachsrate von 7,4 Prozent in einem Jahr. Erklären tut die Regierung diese Entwicklung unter anderem mit einem Plus von 230 Millionen Euro in bezahlbaren Wohnraum, 251 Millionen mehr für Militärausrüstung, 213 Millionen mehr für die Gemeinden und 87 Millionen mehr für die „sécurité sociale“. Hinzu kommt ein stolzer Anstieg von 620 Millionen Euro, auf nunmehr insgesamt 7,5 Milliarden, zum Zahlen von Gehältern.
Positiv für den Haushalt wirkte sich das Auslaufen der meisten Maßnahmen aus den „Solidaritéitspak“-Programmen aus. Diese kosteten 2025 nur noch 318 Millionen Euro, verglichen mit 1,3 Milliarden im Jahr 2024.
Unsere öffentlichen Finanzen bleiben solide. (…) Für die kommenden Jahre bleibe ich daher vorsichtig optimistisch.
Gilles Roth
Finanzminister
Immer mehr ins Gewicht fallen dabei die Zinsen, die Luxemburg auf seiner seit Jahren stetig wachsenden Staatsschuld zu zahlen hat. Letztes Jahr wurden 245 Millionen Euro allein für die Zinsen benötigt – ein bemerkenswertes Plus von 43 Prozent verglichen mit dem Vorjahr.
In der Pressemeldung zur Entwicklung der Staatsfinanzen erklärte Finanzminister Gilles Roth derweil: „Unsere öffentlichen Finanzen bleiben solide. (…) Wir investieren weiterhin in die Zukunft des Landes, den sozialen Zusammenhalt, das Wirtschaftswachstum und unsere gemeinsame Sicherheit. (…) Für die kommenden Jahre bleibe ich daher vorsichtig optimistisch.“
Dabei scheint er seine eigenen Pläne für die kommenden Jahre vergessen zu haben: Diese sehen vor, dass der Zentralstaat bis 2029 jedes Jahr ein Defizit von rund 1,5 Milliarden Euro erwirtschaften soll. Die Staatsschuld soll auf fast 30 Milliarden steigen. Allein zum Zahlen der Zinsen sind im Jahr 2029 dann 733 Millionen Euro eingeplant. Die höheren Ausgaben für Verteidigung und die geplante Steuerreform sind in diesen Prognosen nicht mit einberechnet.
Bleibt noch zu erwähnen, dass es sich bei den nun vom Finanzministerium vorgestellten Zahlen nicht um den endgültigen Abschluss des Jahres 2025 handelt. In den kommenden Wochen hat die Regierung weiter die Möglichkeit, buchhalterische Veränderungen vorzunehmen.