Drogen auf Durchreise
Luxemburg wird zusehends zur Drehscheibe im Rauschgifthandel
Erster Fentanyl-Fund, Khat im Transit, Rekordmengen Kokain: Den Behörden gehen immer mehr Drogen ins Netz. Nur: Der Stoff ist laut nationalem Drogenbericht gar nicht für den hiesigen Markt bestimmt.
Kokain gehört zu den Drogen, die im Verkauf die höchsten Margen erreichen Symbolfoto: Rolf Vennenbernd/dpa
Fentanyl ist in Luxemburg angekommen. 16,6 Gramm einer pastenartigen Substanz, in der das „Laboratoire national de santé“ (LNS) sowohl Fentanyl als auch Fluorfentanyl nachwies – zum ersten Mal überhaupt im Großherzogtum. Das verkündete das Gesundheitsministerium am Dienstag im jährlichen Drogenbericht. Fentanyl und andere Opioide haben in den USA binnen zwei Jahrzehnten mehr als 800.000 Menschen das Leben gekostet.
Die vorerst gute Nachricht: Die Lieferung war nicht für einen Empfänger in Luxemburg bestimmt. Laut Zoll befand sich die Probe nur im Transit. Weitere Funde des hochpotenten synthetischen Opioids oder seiner Abkömmlinge gab es bislang nicht.
Reise, Reise
Der Fall ist sinnbildlich. Immer wieder geht den Behörden Stoff ins Netz, der das Land still und heimlich passieren sollte. 2024 etwa 19,2 Kilogramm Khat, eine ostafrikanische Pflanze mit aufputschender, amphetaminähnlicher Wirkung, abgefangen vom Zoll im Transit. Luxemburg ist weniger Zielmarkt als Verteilerknoten: Lage im Herzen Europas, Autobahnanbindungen, ein internationaler Luftfracht-Hafen. Der von der Regierung vorangetriebene Ausbau als Logistik-Hub hat mit dem Drogenhandel einen unerwarteten Trittbrettfahrer gewonnen.
Die Beschlagnahmungen der vergangenen Monate stützen das Bild. Die Zahl der Kokainfunde schoss 2024 auf 293 – ein Plus von 22,6 Prozent gegenüber 2023 und mehr als die Hälfte über dem langjährigen Mittel. Bei Cannabis schwanken die Mengen von Jahr zu Jahr enorm: Nach einem Rekord von 525 Kilogramm 2023 waren es 2024 nur noch 97,5 Kilogramm. Wie sehr einzelne Großfunde die Statistik verzerren, lässt sich kaum besser zeigen. Und genau solche Großfunde, bei Kokain wie bei Cannabis, deuten laut Bericht auf anhaltenden Handel in großem Stil hin.
Rein, aber nicht sauber
Selbst die Reinheit erzählt dieselbe Geschichte. Der für 2025 gemeldete Durchschnittswert beim Kokain erreichte einen Rekord, 9,7 Prozentpunkte über 2024. Doch wer sich jetzt in Sicherheit wiegt und beim Dealer seines Vertrauens einkaufen will, den warnt der Bericht: In den Zahlen stecken viele hochreine, ungestreckte Proben aus Großbeschlagnahmungen, die nie für den hiesigen Markt bestimmt waren. Was auf der Straße landet, fällt deutlich schwächer aus – die Spitzenwerte gehören zur Durchreise, nicht zum Konsum vor Ort.
Die spektakulärsten Fälle fehlen in den Zahlen sogar noch: Die 2025 von Polizei und Parquet gemeldeten Rekord-Kokainmengen, die viel Aufmerksamkeit erregten, fließen erst in die Statistik ein, wenn die Daten geprüft sind. Das Bild einer Drehscheibe dürfte sich also eher noch schärfen.