Corona in den Schulen
Lüften oder Luftfilter? Regierung setzt weiter auf bisherige Maßnahmen
Maskenpflicht oder doch Luftfilteranlagen in den Schulräumen – das ist ein Streit, der fast seit Beginn der Pandemie und somit schon zwei Jahre lang andauert. In einer parlamentarischen Anfrage an Gesundheitsministerin Paulette Lenert und Bildungsminister Claude Meisch hat die CSV-Abgeordnete Martine Hansen den Streitpunkt erneut auf die politische Tagesordnung gebracht.
Sind Luftfilteranlagen bald auch in Luxemburgs Klassenräumen anzutreffen? Symbolbild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bildungsminister Claude Meisch (DP) hat Anfang Januar wieder die Maskenpflicht in den Schulen angeordnet – das, um der Omikron-Infektionswelle bei Kindern und Jugendlichen und den täglich rasant ansteigenden Neuinfektionen mit dem Coronavirus entgegenzuwirken. Die CSV-Fraktionschefin Martine Hansen hat sich in einer parlamentarischen Frage an Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) und Bildungsminister Claude Meisch erkundigt, warum Luftfilteranlagen weiterhin keine Option sind. In einer Ausschusssitzung der Bildungskommission hatte der DP-Minister seine Entscheidung, keine Luftfilteranlagen zu installieren, auf geltende Empfehlungen der „Santé“ gestützt, geht aus der parlamentarischen Anfrage hervor.
Was also sind die neuesten Empfehlungen der „Santé“ im Hinblick auf Luftfilteranlagen in Schulräumen? In ihrer gemeinsamen Antwort auf die parlamentarische Frage antworten die Minister, dass das Gesundheitsministerium sich erstmals im Herbst 2020 mit der möglichen Installation von Luftfilteranlagen auseinandergesetzt hatte. „Aufgrund vieler offener Fragen wurde entschieden, die Luftfilter nicht als mögliche Lösung für die Schulräume zu empfehlen“, schreiben die beiden Minister in ihrer Antwort. „Diese Schlussfolgerung wurde anschließend an das Bildungsministerium weitergeleitet.“
Die beiden Minister stützen sich in ihrer Antwort auf Erkenntnisse der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des European Center for Disease Prevention and Control (ECDC) sowie eine neue vom Umweltbundesamt publizierte wissenschaftliche Studie vom 5. November 2021. Die Erkenntnisse der WHO und der ECDC stammen vom April 2021 beziehungsweise November 2020.
Keine einheitliche Richtlinie
Die beiden Minister schreiben in ihrer Antwort, dass es trotz der Empfehlungen keine einheitliche Richtlinie gebe, auf Basis derer eine Empfehlung für Luftfilteranlagen möglich sei. Die Studie des Umweltbundesamtes kommt jedoch zu folgender Schlussfolgerung: „Im Sinne einer dauerhaften Verbesserung der Innenraumluft und der Prävention gegen künftige luftübertragene Infektionskrankheiten erscheint die zunehmende Ausstattung von Schulen mit fest installierten Lüftungsanlagen bzw. raumlufttechnischen Anlagen – mit Option auf Wärme- und Feuchterückgewinnung – als nachhaltige gesellschaftliche Investition.“ Diese Einschätzung stützt das ECDC zumindest in seiner Publikation: „Wenn sie gut gewartet und an die Covid-19-Pandemie angepasst werden, können Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen eine ergänzende Rolle bei der Verringerung der potenziellen Übertragung von SARS-CoV-2 durch die Luft spielen.“
Die Ansage der Minister lautet: lüften statt filtern Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Die beiden Minister bewerben in ihrer Antwort auf die Anfrage der CSV-Politikerin hingegen das regelmäßige Lüften der Innenräume als eine der wichtigsten Maßnahmen, um das Risiko einer Coronavirus-Infektion zu mindern. „Luftfilteranlagen können unterstützend wirken, ersetzen aber sicherlich nicht das regelmäßige Lüften“, sagen die beiden Minister Meisch und Lenert. Besonders in neuen Gebäuden würde die automatische Belüftung für konstante Frischluft sorgen. Die modernen Belüftungsanlagen würden die Luft derart schnell erneuern, dass Luftreiniger wenig bis gar keine Wirkung entfalten würden.
„Effizienteres“ Lüften
Die natürliche Belüftung hingegen sei Aussagen des Umweltbundesamtes zufolge weiterhin eines der effizientesten Mittel, um die Luft in geschlossenen Räumen zu erneuern. „Das Umweltbundesamt empfiehlt das sogenannte Stoßlüften in einem Abstand von 20 Minuten“, sagen die beiden Politiker. „Eine durchgehende Belüftung wird hingegen nicht empfohlen.“ Deshalb seien in den Klassenräumen Kohlendioxiddetektoren installiert worden, um an das regelmäßige Lüften zu erinnern.
„Luftfilteranlagen ergeben nur dann einen Sinn, wenn eine natürliche Belüftung nur bedingt möglich ist“, steht in der Antwort auf die parlamentarische Frage. „Dann können Luftfilteranlagen die Konzentration der viralen Partikel teilweise vermindern.“ Luftfilteranlagen würden nur als zusätzliches Hilfsmittel zu anderen Belüftungsmethoden einen Sinn ergeben. Effiziente Luftfilteranlagen mit der nötigen Lufterneuerungsquote und den entsprechenden Filtern seien „relativ teuer, verursachen viel Lärm und müssen regelmäßig von geschultem Personal gewartet werden“. In Schulgebäuden, in denen kein modernes Belüftungssystem installiert sei, würden dezentrale Belüftungssysteme mehr Vorteile bringen als Luftfilteranlagen. „Dezentrale Belüftungssysteme mit Heizrückgewinnungsanlagen verbessern die Luftqualität im Hinblick auf die CO₂-Konzentration, Präsenz allgemeiner chemischer Substanzen und anderer ansteckender Viruspartikel nachhaltig“, schreiben die Minister. Derzeit würden jedoch langfristige Konzepte ausgearbeitet werden, um schnell auf zukünftige Gesundheitsrisiken reagieren zu können.