Messerangriffe in Luxemburg
Innenminister Gloden setzt auf „ausreichend Personal, modernes Material und geeignete Infrastrukturen“
Messerangriffe stellen in Luxemburg zunehmend eine Bedrohung dar. Innenminister Léon Gloden erläutert, welche Maßnahmen die Polizei zur Prävention ergreift.
Nur mit ausreichend Personal, modernem Material und geeigneten Infrastrukturen sein eine effiziente Polizeiarbeit möglich, sagt Innenminister Léon Gloden Symbolfoto: Freepik/Wirestock
Immer wieder kommt es in Luxemburg zu Angriffen mit Stichwaffen. Erst am 27. Januar starb eine Frau auf dem Limpertsberg nach einem Messerangriff, eine weitere wurde schwer verletzt. Der Täter konnte festgenommen werden. Einige Wochen zuvor wurden bei Vorfällen in Rodange und Rümelingen Menschen mit Messern verletzt. Auch hier konnte die Polizei Verdächtige verhaften. Vor diesem Hintergrund möchte der Piraten-Abgeordnete Sven Clement in einer parlamentarischen Anfrage wissen, wie viele solcher Angriffe es innerhalb der vergangenen zwölf Monate gab und wie diese auf die Gemeinden verteilt sind.
Innenminister Léon Gloden (CSV) weist in seiner Antwort vom Donnerstag darauf hin, dass eine automatisierte, speziell auf Messerangriffe bezogene Auswertung nicht möglich ist. Denn: Begeht eine Person in Luxemburg eine Straftat mit einer Stichwaffe, falle dies in den Polizeidatenbanken unter die Kategorien „Diebstahl“ und „Diebstahlversuche mit Gewalt und Waffen auf öffentlichen Straßen“. Im Jahr 2025 seien in diesem Zusammenhang 92 Fälle registriert worden – 80 vollendete Taten und zwölf Versuche. Diese Zahlen seien jedoch nicht endgültig. Die definitiven Statistiken liefere der Tätigkeitsbericht der Polizei im April.
Statistiken und Top-Gemeinden
Der Minister liefert in seiner Antwort jedoch auch Zahlen – die „Top 5 der Gemeinden für 2025 bei Diebstählen und versuchten Diebstählen mit Gewalt und Waffen auf öffentlichen Straßen“. Der Begriff „Waffen“ umfasse dabei auch Gegenstände wie Schraubenzieher. Aus den Daten geht hervor, dass in Luxemburg-Stadt im vergangenen Jahr 40 derartige Fälle registriert wurden (35 Diebstähle, fünf Versuche). In Esch waren es im gleichen Zeitraum neun Fälle (sieben Diebstähle, ein Versuch). Differdingen zählte sechs Übergriffe (vier Diebstähle, zwei Versuche), Düdelingen zwei (beides Diebstähle) und Petingen drei (zwei Diebstähle, ein Versuch).
Clement möchte außerdem wissen, welche Schritte die Regierung zur Reduzierung von Angriffen mit Stichwaffen plant. Minister Gloden verweist in seiner Antwort auf drei Schlüsselbereiche: Nur mit ausreichendem Personal, modernem Material und geeigneten Infrastrukturen sei eine effiziente Polizeiarbeit möglich. Daher werde weiterhin „massiv“ rekrutiert. Die Einrichtung der Lokalpolizei garantiere zudem eine stärkere Polizeipräsenz im öffentlichen Raum und mehr Nähe zwischen Beamten und Bevölkerung. Darüber hinaus habe die Regierung mehrere Gesetzesprojekte initiiert, die der Polizei mehr rechtliche Mittel verschaffen sollen, um die Sicherheit der Bürger zu erhöhen – etwa die Vereinfachung der Verfahren für Videokameras.
Maßnahmen der Regierung
Eine Reihe von Präventivmaßnahmen sei bereits jetzt in Kraft. Dazu gehören laut Minister eine verstärkte Präsenz der Polizei im öffentlichen Raum, gezielte Kontrollen, regelmäßige Patrouillen zu Fuß und mobil sowie der Einsatz des Visupol-Videosystems. Die Beamten führen in Lokalen Kontrollen zur Einhaltung der gesetzlichen Schließzeiten durch und patrouillieren in Zügen und Straßenbahnen, wobei sie mit ausländischen Einheiten kooperieren. Sensibilisierungsaktionen sollen sicheres Verhalten im öffentlichen Raum und öffentlichen Verkehr fördern.
Polizisten werden nach Angaben des Ministers systematisch auf Angriffe mit Stichwaffen vorbereitet. Die Ausbildung umfasse unter anderem taktisches Training, Selbstverteidigung, obligatorische Erste-Hilfe- und Notfallversorgungskurse sowie den Umgang mit beschlagnahmten Waffen und die Sicherung von Beweisen. Mit der Schaffung der „Groupe de support opérationnel“ sei außerdem der Taser eingeführt worden. Dieser könne lebensbedrohliche Situationen, auch bei Messerbedrohungen, sicherer kontrollierbar machen. Die Trainings würden regelmäßig überprüft und an die Anforderungen der operativen Praxis angepasst.