Hoher NATO-General zu Besuch in Luxemburg

„Ich sehe keinerlei Anzeichen dafür, dass die USA sich zurückziehen“

Der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa, General Alexus G. Grynkewich, lobt in Luxemburg die Verteidigungsbemühungen des Großherzogtums – und spricht von einer neuen Grönland-Mission der NATO.

Verteidigungsministerin Yuriko Backes im Gespräch mit NATO-Oberbefehlshaber Alexus G. Grynkewich bei Treffen zu Sicherheitsthemen

Haben „sehr gute Gespräche“ geführt: Verteidigungsministerin Yuriko Backes (l.) und Alexus G. Grynkewich, NATO-Oberbefehlshaber in Europa Foto: Editpress/Julien Garroy

Luxemburg sei ein kleines Land, sagt General Alexus G. Grynkewich, es „boxe aber weit über seiner Gewichtsklasse“. Mit diesem englischen Sprachbild drückt der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte bei seinem Besuch in Luxemburg am Montag seine Bewunderung für die Verteidigungsbemühungen des Großherzogtums aus. Die Fähigkeiten und Ressourcen, die Luxemburg mitbringe, seien extrem wichtig für das Nordatlantikbündnis, so der General.

Grynkewich findet auch lobende Worte für die luxemburgischen Soldaten im Auslandseinsatz, die sogenannten „boots on the ground“, sei es im Kosovo, in Litauen oder Rumänien. Gerade dort zeige die Zusammenarbeit unterschiedlicher NATO-Länder in einem multinationalen Korps den „Herzschlag der Allianz“. Der Einsatz in Rumänien sei „ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie wir gemeinsam für dieselben Ziele arbeiten, insbesondere an der Ostflanke“.

Mit der Gemeinsamkeit ist es jedoch heute nicht immer so einfach. US-Präsident Trump hat durch sein Verhalten und seine Forderungen, insbesondere im Hinblick auf Grönland, das Verteidigungsbündnis an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. In Europa fragt man sich nun mehr denn je, ob die USA noch immer ein zuverlässiger Partner sind. General Grynkewich bezeichnet an diesem Montag die Verpflichtungen der USA in Europa als „eisern“: „Ich sehe keinerlei Anzeichen dafür, dass die USA sich zurückziehen.“

Überwachungsmission „Arctic Sentry“ steht kurz bevor

Grynkewich wurde am 1. Juli 2025 vom US-Präsidenten zum Supreme Allied Commander Europe ernannt, oder: SACEUR, wie das militärische Kürzel lautet. Es ist ein Posten mit Geschichte. Der erste Oberbefehlshaber in Europa war kein Geringerer als der spätere US-Präsident Dwight D. Eisenhower, der das Amt einst 1951 antrat.

Heute herrschen angespanntere Zeiten für das transatlantische Verhältnis. Verteidigungsministerin Yuriko Backes (DP), die Grynkewich zusammen mit dem luxemburgischen Armee-Chef Steve Thull auf Schloss Senningen empfängt, spricht dennoch von „sehr guten“ Gesprächen. Die Atmosphäre bei der nachfolgenden Pressekonferenz ist freundschaftlich. Backes rekapituliert die bisherigen Leistungen ihres Ministeriums und Grynkewich lobt ihre Anstrengungen. Besonders positives Feedback gibt es für die andauernde Ukraine-Unterstützung, die „Defence Bonds“ sowie für das Maßnahmenpaket, mit dessen Hilfe die luxemburgische Armee wachsen und ein attraktiverer Arbeitgeber werden soll. Neben der Soldanpassung geht es dabei auch darum, die Armee für nicht-luxemburgische EU-Bürger zu öffnen, die nicht im Großherzogtum leben.

„Wir wissen, dass Europa einen Gang zulegen muss“, sagt Backes am Montag. Teil der Gespräche zwischen der Verteidigungsministerin und dem NATO-General war auch die integrierte Luft- und Raketenabwehr. Das sei eines der Felder, in denen Luxemburg seine Fähigkeiten noch ausbauen werde, so Backes. Auch die Situation in Grönland stand auf der Tagesordnung in Senningen. Auf Nachfrage erklärt Grynkewich, die USA würden angesichts „der fortdauernden russischen Präsenz und der zunehmenden chinesischen Aktivitäten“ in Kürze die neue NATO-Überwachungsmission „Arctic Sentry“ lancieren. Die Planungen seien bereits weit fortgeschritten, so der General. Als Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa kann Grynkewich solch eine Mission auch ohne einstimmigen Beschluss aller Bündnisstaaten anordnen. Experten gehen jedoch davon aus, dass die europäischen Arktisanrainer den Großteil der militärischen Anstrengungen bei dieser Mission tragen werden – und nicht die USA.

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