Caritas-Affäre

Ermittler nehmen drei weitere Verdächtige in Nizza fest – Gesamtzahl steigt auf 19

Die Ermittlungen zur Caritas-Affäre erreichen eine neue Phase: Weltweit wurden inzwischen 19 Verdächtige auf Luxemburger Haftbefehle hin festgenommen. Erst kürzlich, am 17. Juni, kam es zu drei Verhaftungen in Nizza.

Verhaftung einer mutmaßlichen Schlüsselperson in Italien bei wichtigen Ermittlungen zur organisierten Kriminalität

Die Verhaftung einer mutmaßlichen Schlüsselperson in Italien leitete eine neue Phase der Ermittlungen ein Foto: Editpress/Julien Garroy

Die Spur des mutmaßlich veruntreuten Geldes führt längst weit über Luxemburg hinaus. Am Morgen des 17. Juni begleiteten Ermittler der FAME-Sektion („Formation, appui et méthodologie Eco/Fin“) der Luxemburger Kriminalpolizei Kollegen in Nizza bei der Vollstreckung von drei weiteren Europäischen Haftbefehlen. Das schreibt die Luxemburger Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung am Freitag.

Mutmaßliche Schlüsselfigur in Italien festgenommen

Eine weitere Festnahme in Rom habe einen neuen Moment in der Caritas-Affäre markiert: Die 41-jährige Frau soll eine zentrale Rolle bei der mutmaßlichen Geldwäsche gespielt haben. Sie wurde in Zusammenarbeit mit dem FAST-Dienst der großherzoglichen Polizei und FAST Italy (Fugitive Active Search Team) aufgegriffen. Das Tageblatt berichtete am 7. Juni davon.

Eine weitere Person wurde in Frankreich aufgrund eines luxemburgischen europäischen Haftbefehls festgenommen, bereits an Luxemburg überstellt und vom Untersuchungsrichter angeklagt.

Drei europäische Haftbefehle vollstreckt

Die Ermittlungen in der Caritas-Affäre seien inzwischen in eine vierte Phase eingetreten, wie die Luxemburger Staatsanwaltschaft schreibt. Zunächst hätten die Ermittler vor allem das Ausmaß des Schadens und die Vorgänge im Großherzogtum untersucht. Danach rückten Inhaber spanischer Konten in den Fokus, über die veruntreute Summen verteilt worden sein sollen. In diesem Zusammenhang wurden die Finanzdirektorin der Fondation Caritas sowie neun Personen festgenommen und beschuldigt, die als sogenannte „Money Mules“ agiert haben sollen. Die Festnahmen erfolgten auf Anordnung des Untersuchungsrichters.

Später kam es nach Angaben der Staatsanwaltschaft zu abgestimmten Aktionen in mehreren Ländern. Unter Leitung des luxemburgischen Untersuchungsrichters wurden in England, Bulgarien, Frankreich und Italien drei europäische Haftbefehle vollstreckt. Eine der festgenommenen Personen wurde inzwischen an Luxemburg übergeben. Bei zwei weiteren läuft das Übergabeverfahren noch.

Bereits in Haft

Insgesamt seien im Kontext der Affäre bislang weltweit 19 Personen auf Grundlage internationaler Haftbefehle festgenommen worden.

Zudem sitzen zwei weitere Verdächtige – die in den Caritas-Betrug verwickelt sein könnten – bereits in Spanien und Frankreich aus anderen Gründen in Haft.

17 Länder, 93 Berichte

Der Millionenbetrug bei der Luxemburger Caritas erschütterte im Jahr 2024 den sozialen Sektor des Landes. Von den Konten der gemeinnützigen Organisation waren über mehrere Hundert Überweisungen insgesamt 61 Millionen Euro verschwunden. Zahlreiche Mitarbeitende konnten nicht mehr bezahlt werden und bangten um ihren Arbeitsplatz.

Seit Beginn der gerichtlichen Untersuchung wurden 81 internationale Rechtshilfeersuchen beziehungsweise Rechtshilfekommissionen in 17 Ländern gestellt, schreibt die Staatsanwaltschaft. Dem Untersuchungsrichter liegen 93 Berichte der Kriminalpolizei vor.

Die Staatsanwaltschaft erinnert jedoch daran, dass für alle festgenommenen oder beschuldigten Personen bis zum Zeitpunkt einer möglichen Verurteilung das Prinzip der Unschuldsvermutung gilt. (WiR)

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