Kundgebung am Samstag

Die Wohnungsnot in Luxemburg zieht sich durch alle soziale Schichten

Die Wohnungsnot trifft in Luxemburg immer mehr auf den Widerstand der Bevölkerung. Um politischen Druck aufzubauen und die Regierung zum Handeln aufzufordern, rufen mehr als 15 Organisationen für Samstag, 14 Uhr, zu einer nationalen Kundgebung für das Recht auf Wohnen auf. Im Vorfeld der Protestaktion auf den hauptstädtischen Glacis erklären Nathalie Reuland, Gary Diderich und Max Leners von Mieterschutz Lëtzebuerg, wie das Wohnungsproblem sich durch die ganze Gesellschaft zieht. 

Vor zwei Wochen fand bereits eine Kundgebung in Esch gegen die WG-Politik der Gemeinde statt. Bei der Protestaktion am Samstag steht die Wohnungsnot in ganz Luxemburg im Mittelpunkt. 

Vor zwei Wochen fand bereits eine Kundgebung in Esch gegen die WG-Politik der Gemeinde statt. Bei der Protestaktion am Samstag steht die Wohnungsnot in ganz Luxemburg im Mittelpunkt.  Foto: Editpress/Julien Garroy

Zur Illustrierung der Lage auf dem Luxemburger Wohnungsmarkt zieht der Co-Sprecher von „déi Lénk“ und Differdinger Gemeinderat Gary Diderich die Lehnspyramide heran. An der Spitze stehen wenige Großeigentümer. Je mehr sie besitzen, desto mehr nehmen sie ein. Fürs Wohnen müssen sie nicht bezahlen, sondern machen Gewinne, indem sie Land und Wohnungen an andere verkaufen und vermieten. Es handelt sich hauptsächlich um Familien und Gesellschaften, die Grundstücke und Immobilien horten. Der Liser-Forscher Antoine Pacoud hatte 2019 herausgefunden, dass in der Stadt Luxemburg elf Familien und elf Gesellschaften 63% der Grundstücke mit einem Gesamtwert von 3,8 Milliarden Euro besitzen. Laut einer anderen Liser-Studie sind es auch in Düdelingen nur wenige Familien, denen der Großteil des Bodens gehört. Meist seien es die Nachfahren von Landwirten oder lokalen Industriellen, erklärte Pacoud Ende 2019 in einem Interview im Lëtzebuerger Land. In anderen Städten und Gemeinden ist die Situation ähnlich, wobei es je nach Region und Gemeinde große Unterschiede bei den Besitzverhältnissen gibt. Indem sie ihre Grundstücke seit Generationen weitervererben und sie nur nach und nach abgeben, tragen die Großbesitzer maßgeblich zur Preissteigerung des Baulands und folglich auch der darauf errichteten Immobilien bei.

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