Sehr krank bis todkrank

Der Zustand des Waldes hat sich weiter verschlechtert

Im Wald ist der Klimawandel für jeden sichtbar: 55 Prozent des luxemburgischen Bestandes sind mittlerweile krank oder gar sehr krank, rund zwölf Prozent sind bereits abgestorben oder „liegen“ im Sterben. Der Anteil der noch gesunden Bäume sank innerhalb eines Jahres um ein Prozent. Am Mittwoch stellte Umweltministerin Joëlle Welfring das diesjährige phytosanitarische Inventar unserer Wälder vor.

Tote und kranke Fichten im Ellergronn

Tote und kranke Fichten im Ellergronn Foto: MECDD

Dass der Wald krank ist, ist seit Jahren bekannt, doch sein Zustand hat sich noch weiter verschlechtert. Das ergibt die neueste phytosanitarische Untersuchung des luxemburgischen Waldbestandes, die am Mittwoch vorgestellt wurde. 12,3 Prozent der beobachteten Bäume befinden sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Verkümmerung oder sind bereits ganz abgestorben. Über die Hälfte der Bäume (55 Prozent) weisen mittlere bis schwere Schäden auf. Als leicht geschädigt stufen die Experten 18,2 Prozent der Bäume ein.

Der Prozentsatz der gesunden Bäume hat seit 1984 dramatisch abgenommen

Der Prozentsatz der gesunden Bäume hat seit 1984 dramatisch abgenommen Administration de la nature et des forêts

Nur 14,5 Prozent unseres Waldbestandes ist demnach noch gesund. Seit 1984 führt die Natur- und Forstverwaltung regelmäßig diese Untersuchungen durch; damals galten noch 79 Prozent der Bäume als gesund, die schwer geschädigten und toten Bäume machten nur 2,9 Prozent des untersuchten Bestandes aus.

Besorgniserregend ist die Situation bei den Buchen. Mittlerweile gebe es keine vollkommen gesunden Buchen mehr im Land. 85 Prozent sind klar beschädigt, heißt es in dem gestern veröffentlichten Bericht. Verschlechtert hat sich auch die Lage der Eichen und anderer Laubbäume. Der Anteil an gesunden Bäumen sank innerhalb eines Jahres von 14 auf 10,7 Prozent; der Anteil von deutlich beschädigten Bäumen von 64 auf 75 Prozent. Etwas besser steht es um die Nadelbäume: Der Anteil der gesunden Bäume hat sich von 28,5 auf 34,6 Prozent gesteigert, der Anteil der erkrankten und beschädigten sank um rund vier Punkte auf 37 Prozent.

Gesundung möglich

Es gibt allerdings auch eine gute Nachricht. Unter den richtigen Voraussetzungen können sich die geschädigten Bäume noch erholen. Das hängt aber zum großen Teil vom Wetter ab, erklärte Philippe Schmitz von der Umwelt- und Forstverwaltung. Rein theoretisch müsste man bei zu trockenem Wetter die einzelnen Bäume gießen, was natürlich nicht machbar ist.

Heiße Sommer machen vielen Bäumen zu schaffen

Heiße Sommer machen vielen Bäumen zu schaffen Foto: Editpress/Alain Rischard

Neben den klimatischen Bedingungen – die immer heißer werdenden Sommer und der Regenmangel – ist noch die Vermehrung von Schädlingen für einen großen Teil der Baumschäden verantwortlich, wie z.B. der Borkenkäfer bei den Fichten. Die Qualität des Bodens spielt ebenfalls eine Rolle. Nährstoffarme Böden in Verbindung mit einer hohen Luftverschmutzung verhindern, dass die Bäume ausreichend versorgt werden.

Hinzu kommt, dass manchmal Baumarten an für sie ungeeignete Orte gepflanzt werden, was ihre Überlebenschancen natürlich mindert. Bäume können sich (indirekt) auch selbst schwächen, wenn sie eine zu große Quantität an Früchten und Samen produzieren. Bei einigen Baumarten ist dies eine Reaktion auf Stress durch Wassermangel.

Waldbesitzern, die ihren Wald aufforsten wollen, rät die Forstverwaltung auch ab, wieder Fichten anzupflanzen; diese seien sehr empfindlich gegenüber dem Klimawandel und seinen Folgen, und zudem sehr durch Schädlinge wie den Borkenkäfer gefährdet. Fichten stellen als Erzeugnis des Waldes zwar einen wirtschaftlichen Faktor dar, doch es sei an der Wirtschaft, sich an die neuen Begebenheiten des Waldes anzupassen, und nicht umgekehrt.

Da tote und schwer erkrankte Bäume eine Gefahr für Spaziergänger darstellen können, werden diese systematisch entlang allen Wegen und Straßen sowie auf allen Parkplätzen im Land entfernt.

Die Resultate der jüngsten Untersuchung zeigten, dass der Wald unsere Hilfe braucht, vor allem in Zeiten des Klimawandels, sagte Umweltministerin Joëlle Welfring am Mittwoch bei der Vorstellung des Berichts im Escher Naturreservat Ellergronn. Der Wald spielt eine herausragende Rolle im Gleichgewicht der Natur. Nicht nur ist er Lebensraum für zahlreiche Tierarten, er ist auch Kohlenstoffspeicher und Sauerstofflieferant, er dient als Erholungsgebiet, zudem hat er eine wirtschaftliche Funktion. Soll er diese Rollen noch weiter erfüllen, müssen Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehört neben regelmäßigen Aufforstungen u.a. auch die Prämie „Klimabonusbësch“ für die privaten Waldbesitzer.

Methode

Zwischen dem 20. Juli und 15. August untersuchten die Experten der Forstverwaltung 1.176 Bäume. Für jeden Baum wurde das Blattdefizit in der Krone geschätzt, d.h. der Mangel an Blättern im Vergleich zum normalen Kronenzustand eines vitalen Baumes. Das Blattdefizit umfasst sowohl die allgemeine Vitalität des Baumes als auch zufällige Blattverluste, z.B. durch einen einmaligen Raupenbefall. So werden der Belaubungszustand bestimmt, die Färbung der Blätter und Nadeln in der Baumkrone beobachtet, das Vorhandensein von Schädlingen wie Insekten und Pilzen dokumentiert.
Auf der Grundlage dieser Analysen werden die Schadensklassen der jeweiligen Bäume definiert: Schadklasse 0: keine Schäden;
Schadklasse 1: leichte Schäden;
Schadklasse 2: mittelmäßig bis schwer beschädigt;
Schadklasse 3 und 4: sterbend oder abgestorben.

Der Gesundheitszustand je nach Baumart

Der Gesundheitszustand je nach Baumart Administration de la nature et des forêts

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