Inhalte an Schulen

Das hat die Politik im Jahr nach den LGBTIQ+-Petitionen unternommen

Yuriko Backes und Claude Meisch präsentierten in einer Kommissionssitzung Fortschritte in Sachen LGBTIQ+ Politik, vor allem im Bildungsbereich – von genderneutralen Toiletten bis hin zu einem Guide fürs Personal.

Abgeordnetenkammer in Regenbogenfarben als Symbol der Solidarität mit LGBTIQ+ Gemeinschaft und Gleichberechtigung

Symbolbild: Die Abgeordnetenkammer in Regenbogenfarben, in Solidarität mit LGBTIQ+ Menschen Foto: Editpress Archiv

2024 sorgten zwei Petitionen für Aufsehen in Luxemburg: Die eine forderte das Verbot von LGBTIQ+-Inhalten an Schulen; die andere – eine Gegenreaktion – ihre erhöhte Sichtbarkeit. Im Januar 2025 kam es zur Debatte in der Abgeordnetenkammer, in der sich fast die gesamte Regierung klar zu LGBTIQ+-Communitys bekannte. Doch folgten auf die Worte Taten? Das Ministerium für Gleichstellung und Diversität (MEGA) und das Ministerium für Bildung ziehen eine Bilanz.

Rückblick auf Polemik

Yuriko Backes (DP), MEGA-Ministerin, eröffnete die Sitzung mit einem Rückblick auf die Polemik von 2024. „LGBTIQ+ ist eine Realität in unserer Gesellschaft und deshalb ist sie es auch an unseren Schulen“, so Backes. „Für uns ist es keine Option, queeres Leben an unseren Schulen oder in anderen Lebensbereichen unsichtbar zu machen. Es geht um fundamentale Werte – und zu denen stehen wir.“

Es folgte eine Zusammenfassung der Arbeit des MEGA sowie des interministeriellen LGBTIQ+-Komitees der Regierung. In dem Zusammenhang sprach Backes sowohl über den aktualisierten PAN LGBTIQ+ (2025) als auch über Personalaufstockungen im Ministerium und in den subventionierten LGBTIQ+-Organisationen.

Des Weiteren verwies sie auf ein neues Abkommen mit Respect.lu: Sie führen gemeinsam das Pilotprojekt „Zivilcourage im Netz“ gegen Hassrede in den sozialen Medien durch. Die habe sich, laut Backes, im Zuge der Anti-LGBTIQ+-Petition verschärft. Die Zielgruppe des Projekts seien vor allem junge Menschen (16–30 Jahre). Es sind unter anderem Kampagnen und Workshops geplant.

Neues im Schulbetrieb

Bildungsminister Claude Meisch (DP) resümierte hingegen die für ihn wichtigsten Aktionen im Bildungsbereich. „Die Schule war Hauptgegenstand der Petitionen“, leitete er seinen Redebeitrag ein. „In dem Kontext war es wichtig, mit Gerüchten aufzuräumen und klarzustellen, wie und mit was wir an den Schulen arbeiten.“ Anschließend übergab er das Wort an vier Regierungsmitarbeitende, die sich mit folgenden Dossiers befassen: Infrastruktur, Weiterbildungen, Richtlinien und Lehrplänen.

Toiletten, Guide und neuer Lehrplan

So berichtete Christian Ginter (Regierungsberater, Direktor der „Direction générale des infrastructures“) von den laufenden Arbeiten an einem Gesetzesprojekt zur Ausstattung der Bildungseinrichtungen. Schulen sollten künftig beispielsweise – je nach Möglichkeit – genderneutrale Toiletten mit abschließbaren Kabinen und individuelle Duschmöglichkeiten in Umkleiden bereitstellen.

Nathalie Keipes (Direktorin „Cepas“) präsentierte derweil den Guide zu Gender-Diversität für das Personal an Luxemburgs Gymnasien. Die 1.000 Exemplare werden an 40 Schulen verteilt. „Das Ziel ist es, das Zusammenleben in der Schule zu verbessern“, sagte Keipes. Das Handbuch helfe im Umgang mit LGBTIQ+-Themen, etwa wenn Schüler*innen ihren Namen anpassen. Der Guide enthält konkrete Anweisungen, wie Dokumente entsprechend geändert werden können.

Der Guide sieht zudem vor: Schüler*innen, die ihren Zivilstand anpassen, erhalten bei Bedarf seit 2025 ein neues Diplom. „Bisher wurde ihnen nur ein Zertifikat mit dem neuen Namen ausgestellt“, erklärte Keipes. „Jetzt können sie ein Original-Diplom beantragen.“ Die enge Zusammenarbeit mit den Eltern minderjähriger Schüler*innen bilde einen weiteren Themenschwerpunkt des Guides.

Am Ende stellte Luc Weis (Direktor „Script“) bestehende, altersgerechte Lernmaterialien zu sexueller und affektiver Bildung vor, die teils in Zusammenarbeit mit LGBTIQ+-Organisationen entstanden sind – und kündigte einen neuen Lehrplan für Luxemburgs Grundschulen an. Die Publikation erfolge kommende Woche, verriet Weis. LGBTIQ+-Themen sollen darin transversal behandelt werden.

Auf Nachfrage der Abgeordneten Joëlle Welfring (déi Gréng) zur Evaluierung der ergriffenen Maßnahmen, meinte Bildungsminister Claude Meisch: „Der Effekt lässt sich nur mittel- bis langfristig messen, deswegen braucht es auch kontinuierliche Bemühungen. ‚One Shot‘-Aktionen sind bedeutungslos.“

Die gesamte Kommissionssitzung ist auf chd.lu einsehbar.

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