Bildungsministerium
Budget wegen Ukraine-Krieg aufgebraucht: Externe Lehrkräfte werden frühestens im Oktober bezahlt
Experten, die dem Bildungsministerium als externe Lehrkräfte dienen, warten seit längerem auf ihre Bezahlung – und werden diese wahrscheinlich auch nicht vor Oktober erhalten. Der Grund: Das entsprechende Budget im Bildungsministerium ist aufgebraucht.
Externe Lehrkräfte im Luxemburger Bildungswesen müssen sich für ihre Gehaltszahlungen noch etwas gedulden Symbolbild: Hans Punz/APA/dpa
Die Ferien haben für einige Lehrkräfte mit leerem Portemonnaie begonnen. Zahlreiche externe Lehrkräfte, sogenannte „collaborateurs externes“, warten nämlich weiterhin auf die Auszahlung ihres Gehaltes vom zweiten und dritten Trimester des vergangenen Schuljahres. Das hat das Bildungsministerium gegenüber dem Tageblatt bestätigt. „Das erste Trimester wurde noch komplett ausgezahlt“, sagt ein Sprecher des Bildungsministeriums. Es handelt sich demnach um Probleme bei der Auszahlung der Stunden für das zweite und dritte Trimester. Demnach warten nach Angaben des Bildungsministeriums 35 Lehrkräfte auf die Auszahlung von insgesamt 155.000 Euro.
Ende Juli sei festgestellt worden, dass die eine Million Euro für den Budgetposten mit der Kennnummer 11.1.12.000 des Bildungsministeriums nicht reichen würde. „Am zweiten August haben wir beim Finanzministerium ein „dépassement de budget“ für den Posten der „Indemnités pour services de tiers“ in der Sektion „Enseignement secondaire classique et Enseignement secondaire général“ beantragt“, sagt der Beamte des Ministeriums. Die Budgetüberschreitung könne aber erst nach der politischen Rentrée durchgewunken werden. „Die Auszahlung der ausstehenden Gehälter kann dann im Oktober stattfinden.“ Die Summerschool, die dieses Jahr vom 29. August bis zum 9. September laufen wird, sei jedoch nicht von diesem Budgetproblem betroffen, beteuert das Ministerium.
Geplantes Budget für externe Lehrkräfte im Bildungsministerium im Jahr 2022 Screenshot: Budget 2022
Ukraine-Krieg
Die Probleme begründet das Bildungsministerium mit dem Krieg in der Ukraine und der daraus resultierenden Flüchtlingswelle nach ganz Europa und nach Luxemburg. „Durch den Ukraine-Krieg wurden in Luxemburg mehr Lehrkräfte eingestellt als vorhergesehen“, sagt der Sprecher. Das habe im Juli dann zum entsprechenden Engpass geführt. Ob die Budgetüberschreitung nicht hätte bereits im Frühjahr antizipiert werden können? „Eine Budgetüberschreitung kann immer erst dann angefragt werden, wenn das Budget aufgebraucht ist“, lautet die Antwort aus dem Bildungsministerium. Das sei normale Praxis beim Staat. „Für das Budget 2022 konnte die Ukraine-Krise ja nicht vorhergesehen werden.“
Tageblatt-Informationen zufolge sollen auch externe Lehrkräfte, die für das BTS-Diplom („brevet de technicien supérieur“) als „conférenciers spécialisés“ einen fürs vergangene Schuljahr abgeschlossenen Vertrag mit dem Ministerium für höhere Bildung und Forschung haben, von diesem Problem betroffen sein. In der entsprechenden Verwaltung war jedoch auch auf mehrfache Tageblatt-Anfrage niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Im Budget 2022 ist für den Posten „Organisation du brevet de technicien supérieur: indemnités pour services de tiers“ ebenfalls eine Million Euro vorgesehen.
Geplantes Budget für externe Lehrkräfte im Ministerium für höhere Bildung und Forschung im Jahr 2022 Screenshot: Budget 2022
BTS-Fachdiplom
Das höhere Fachdiplom BTS („brevet de technicien supérieur“) ist eine berufsvorbereitende Hochschulausbildung, die im Prinzip zwei bis drei Jahre dauert und 120 ECTS-Punkte umfasst. Luxemburg bietet derzeit 34 BTS in den Bereichen Handel, Gesundheit, Industrie, Kunstgewerbe, Handwerk und Dienstleistung an. In Luxemburg ist aufgrund einer Petition zudem eine Diskussion darum entbrannt, einen BTS-Abschluss als eigene Gehälterklasse beim Staat anerkennen zu lassen.