CSV-Spitzenkandidat
„Aus dem Hut gezaubert“: So reagieren die anderen Parteien auf die Nominierung von Luc Frieden
Nun ist es offiziell. Der frühere Finanz- und Justizminister Luc Frieden geht für die CSV als nationaler Spitzenkandidat in die Wahlen. Das Tageblatt hat bei den anderen Parteien nachgefragt, wie sie diese Nominierung einschätzen.
Am Mittwochabend wurde Luc Frieden offiziell zum CSV-Spitzenkandidaten designiert Foto: Editpress/Julien Garroy
Ich habe gehört, dass Luc Frieden die Unterstützung der jungen Leute in der Partei hat
Gilles Baum
DP
Gilles Baum (DP) nannte die Ernennung Luc Friedens zum Spitzenkandidaten eine parteiinterne Prozedur, in der die CSV sich ihren Kandidaten gebe. „Ich sehe mich jetzt schlecht darin, etwas darüber zu kommentieren“, sagte Baum auf Tageblatt-Nachfrage. Es sei die Entscheidung der CSV, welchen Spitzenkandidaten sie ins Rennen schicke. „Ich habe gehört, dass Luc Frieden die Unterstützung der jungen Leute in der Partei hat.“ Zudem sei er überzeugt, dass Frieden auch die Unterstützung vieler CSV-ler an diesem Abend hatte.
Wir als Grüne respektieren die CSV und erwarten im Gegenzug den gleichen Respekt zurück
Josée Lorsché
„déi gréng“
Auch Yves Cruchten (LSAP) hielt sich gegenüber dem Tageblatt sehr zurück. Er sagte, dass es ihm nicht zustehe, über Kandidaten anderer Parteien zu urteilen. Nur so viel wollte er sagen: „Ich wünsche allen einen guten und fairen Wahlkampf“. Josée Lorsché („déi gréng“) antwortete, dass jeder machen sollte, was er für richtig hält. „Sie nehmen ihre Entscheidungen und wir unsere. Wir als Grüne respektieren die CSV und erwarten im Gegenzug den gleichen Respekt zurück.“ Die Wahl Luc Friedens als Spitzenkandidat scheine demnach die beste Lösung für die CSV zu sein. Lorsché wies auf das abgeschlossene Abkommen zum fairen Wahlkampf zwischen mehreren Parteien hin. Über die Person Luc Frieden wolle sie kein Urteil fällen.
Das ist kein Zeichen für Stärke und auch keins für übermäßiges Vertrauen untereinander
Fernand Kartheiser
ADR
Fernand Kartheiser (ADR) sagte: „Mit Luc Frieden hat die CSV einen kompetenten Kandidaten gefunden.“ Allerdings zeige es auch offensichtlich, dass die CSV sich nicht unter jenen Mitgliedern einig zu sein schien, die in den vergangenen Jahren eine wichtige Rolle in der CSV gespielt haben, um dort einen Spitzenkandidaten herauszukristallisieren. „Das ist kein Zeichen für Stärke und auch keins für übermäßiges Vertrauen untereinander“, so Kartheiser. Als Frieden damals in die Opposition musste, habe er den Weg in die Privatwirtschaft gewählt. „Ich glaube, man sollte jetzt von ihm erwarten, dass er diesmal ein festes Engagement eingeht, und seine Rolle auch in der Opposition wahrnehmen sollte.“ Die Leute würden Frieden nicht als Minister oder Nicht-Minister wählen, sondern für seine Kompetenzen. Und diese sollte er dann auch in einer möglichen Opposition einbringen, meinte der ADR-Abgeordnete.
„Keine kohärente Kandidatenwahl“
Ich bin allerdings aus allen Wolken gefallen, als ich erfuhr, dass die CSV Luc Frieden irgendwie wieder aus dem Hut gezaubert hat
Nathalie Oberweis
„déi Lénk“
Nathalie Oberweis erklärte, dass „déi Lénk“ keine offizielle Position über Nominierungen anderer Parteien haben. „Das ist nicht unser Anliegen“, sagte sie. „Ich bin allerdings aus allen Wolken gefallen, als ich erfuhr, dass die CSV Luc Frieden irgendwie wieder aus dem Hut gezaubert hat.“ Diese Nominierung zeige ihrer Ansicht nach, dass sich die Leute bei der CSV gegenseitig ein wenig im Weg ständen und niemand dem anderen etwas gönnen wolle. Deshalb habe man nach zehn Jahren Luc Frieden von auswärts geholt, so ihre Einschätzung. Andererseits spreche die CSV von Neuanfang. Das passe nicht zusammen. Oberweis nennt es einen Akt der Verzweiflung, der zeige, wie uneins die CSV im Inneren sei. Die Abgeordnete schätzt Luc Frieden als ziemlich rechts ein.
Ich stelle nur fest, dass eine ganze Reihe an Maßnahmen, die die CSV in den vergangenen Monaten gefordert hat, damals von Luc Frieden abgeschafft wurden
Sven Clement
Piraten
„Es ist jeder Partei freigestellt, die für sie geeigneten Kandidaten aufzustellen“, sagte Sven Clement (Piraten). „Ich stelle nur fest, dass eine ganze Reihe an Maßnahmen, die die CSV in den vergangenen Monaten gefordert hat, damals von Luc Frieden abgeschafft wurden.“ Das deute nicht gerade auf eine kohärente Wahl des Kandidaten in Bezug auf die Politik, die gefordert wurde. Clement erinnert an Luc Friedens Geringschätzung gegenüber dem Parlament und schließt daraus, dass das nicht unbedingt zeigt, dass die CSV gelernt habe, wie man Oppositionsarbeit leistet. Es zeige eher, dass die CSV mit der Brechstange in die Regierung will. Clement schätzt ein, dass es für das „S“ im Namen der CSV unter einem Luc Frieden schwierig werde, sich wiederzufinden.