In einer Zeit, wo das Regietheater gerne als das Nonplusultra der Inszenierungskunst angesehen wird, scheint sich nun auch wieder eine Gegenrichtung zu entwickeln, wie wir in diesem Jahr beim Tristan und beim Parsifal erkennen konnten. Regietheater, das wissen wir, bedient sich moderner Bilder und Handlungselemente, wobei sich der Regisseur oft gerne erlaubt, die Geschichte und sogar die Psychologie der Personen zu verändern. Er benutzt somit das ursprüngliche Stück und erzählt nicht mehr die Geschichte des Komponisten, sondern seine eigene. Das ist natürlich ein zweischneidiges Schwert, denn man weiß, dass Wagner genau das Gleiche getan hat. Er hat ja keine eigenen Figuren erfunden, sondern er hat sich einfach in der Literatur bedient und die Personen für seine eigenen Zwecke und Ideen benutzt.
24.08.2023