Covid-19

Wie sieht Luxemburgs aktuelle Corona-Lage aus? Ein Gespräch mit Virologe Dr. Claude Muller

Im Augenblick deutet offenbar nichts darauf hin, dass Corona wieder zu einem Problem für unser Gesundheitssystem werden könnte. Es ist wohl eher davon auszugehen, dass sich Covid-19, ähnlich wie die Grippe, zu einer saisonal wiederkehrenden Krankheit entwickelt. Das geht jedenfalls aus einem Tageblatt-Gespräch mit dem Luxemburger Virologen Dr. Claude Muller hervor.

Prof. Dr Claude Müller 

Prof. Dr Claude Müller  Foto: Editpress/Alain Rischard

„Die Pandemie als Überlastungsproblem für unser Gesundheitssystem ist seit mehr als einem Jahr vorüber“, sagt Virologe Dr. Claude Muller dem Tageblatt. Wie er es schon im September vorigen Jahres sagte, sei er auch heute weiterhin der Meinung, dass sich Corona wahrscheinlich zu einer saisonalen, wiederkehrenden Krankheit entwickeln wird. Dafür spreche, dass auch die harmlosen Erkältungs-Coronaviren sich saisonal verhalten.

Er kenne zwar nicht die aktuellen Zahlen der Infizierten, man könne aber davon ausgehen, dass sich viele Personen mit Erkältungssymptomen nicht mehr auf Corona testen ließen, und „deshalb gibt es ohnehin eine hohe Dunkelziffer, egal, wie hoch die offizielle Infiziertenzahl jetzt sein mag. Insofern wäre die Zahl wenig aussagekräftig.“

Das letzte vom Gesundheitsministerium veröffentlichte Bulletin zu Covid-19 stammt übrigens vom April dieses Jahres. „In der Woche vom 17. bis 23. April 2023 stieg die Zahl der Covid-19-positiven Personen auf 220 Fälle im Vergleich zu 217 Fällen in der Vorwoche“, hieß es darin. Auch damals ließen sich wahrscheinlich viele mit leichten Erkältungssymptomen nicht testen. Zum Vergleich: In der Woche vor Weihnachten 2022 waren es noch 1.656 Neuinfektionen.

Auf dem Höhepunkt der Epidemie war es vor allem die hohe Anzahl der Erkrankten, die in den Spitälern lagen, die das System an den Rand des Zusammenbruchs brachten. „Aktuell liegen keine Menschen wegen einer Corona-Infektion im Krankenhaus“, sagte kürzlich Dr. Thomas Dentzer, Virologe und Chief Operating Officer beim Laboratoire National de Santé (LNS), in einem Interview des Luxemburger Wort.

Für Herbst XBB-1.5-Impfstoff empfohlen

Bezüglich neuer Varianten des Virus sagt Dr. Muller: „Laut der Weltgesundheitsorganisation gibt es momentan keine neue sogenannte ‚variant of concern’ (VOC) auf der WHO-Webseite, also eine besorgniserregende Virus-Variante, von der man befürchten müsste, dass sie ernsthafte Probleme verursacht. Es gibt einige sogenannte ‚variants of interest’, das heißt auffällige Varianten, die weiter beobachtet werden, weil ihre klinischen, immunologischen und viralen Eigenschaften noch unbekannt sind oder sie sich zu einer ‚VOC’ weiterentwickeln könnten.“

„Was nun die Impfstoffe angeht, so hat die amerikanische FDA („Federal Drug Administration“) kürzlich bekannt gegeben, dass sie für den Herbst einen XBB-1.5-Impfstoff empfiehlt. Dieser schützt besonders gut gegen die zurzeit häufige XBB-Omikron-Untervariante, aber auch gegen andere Untervarianten.“

Insgesamt spiele Corona beim Luxembourg Institut of Health und auch für ihn selbst nicht mehr die herausragende Rolle, sagt Dr. Muller. Er selbst widmet sich wieder seiner „alten Arbeit“, zum Beispiel der Beratung der Weltgesundheitsorganisation in Ländern Nordafrikas und des Mittleren Ostens, um deren Gesundheitssysteme gegen aktuelle und zukünftige Epidemien zu wappnen. „In Ländern wie Laos und der Zentralafrikanischem Republik untersuchen wir zum Beispiel, welche respiratorischen Viren dort unterwegs sind.“

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