Vor tödlichem Unfall

Akute Sicherheitsmängel im Militärdepot Waldhof waren seit Jahrzehnten bekannt

Seit Jahrzehnten war bekannt, dass das Militärlager Waldhof nicht mehr den nationalen Sicherheitsvorschriften entsprach, berichtet das Online-Magazin Reporter.lu. So kam es 2019 trotz zahlreicher Warnungen zu einem tödlichen Unfall. 2026 soll nun die lang ersehnte Sanierung des „Camp Jules Dominique“ starten.

Akute Sicherheitsmängel im Militärdepot Waldhof waren seit Jahrzehnten bekannt

Foto: Editpress/Alain Rischard

Fast sieben Jahre sind seit dem tragischen Unfall im Militärlager Waldhof vergangen. Wie das Online-Magazin Reporter.lu am Mittwoch berichtete, war den zuständigen Führungskräften seit mehr als drei Jahrzehnten bekannt, dass es schwere Missstände beziehungsweise (Sicherheits-)Mängel auf dem Gelände des „Camp Jules Dominique“ gibt.

Bereits im Februar 1999 habe sich „Chef d’Etat-major“ Guy Lentz mehrmals beim damals zuständigen Minister Alex Bodry (LSAP) über die desaströsen Zustände des Lagers beschwert. „Je tiens à préciser, Monsieur le Ministre, qu’il n’est plus possible de continuer sur cette voie et que les chefs hiérarchiques à l’Armée ne sauraient plus prendre leur responsabilité quant à la sécurité dans les installations militaires“, schrieb Lentz laut Reporter.lu in einem Brief an den Minister.

Das „Camp Major Jules Dominique“ dient seit 1964 als Stützpunkt für den Kampfmittelräumdienst der Armee. Die meisten Gebäude des Lagers sollen noch aus der Nachkriegszeit stammen. Den ersten Bericht über den schlechten Zustand der Infrastruktur verfolgt Reporter.lu in das Jahr 1991 zurück. Dass das Lager nicht mehr den NATO-Normen entspricht, müsse den zuständigen Ministerien spätestens 1999 bekannt gewesen sein.

Was war passiert?

Am 14. Februar 2019 kamen auf dem Gelände des „Camp Jules Dominique“ zwei Unteroffiziere des Kampfmittelräumdienstes Sedal ums Leben, zwei weitere Soldaten wurden schwer verletzt. Die Explosion geschah, als Sprengstoffexperten eine für den Transport angebrachte Öse mit einem Hammer von einer 48 Kilogramm schweren Granate aus dem Zweiten Weltkrieg entfernen wollten.

Problemquellen bekannt

Im Laufe der Jahre gab es weitere Warnungen – ohne dass sich jedoch etwas getan hätte: Aus einem Audit zur Arbeitssicherheit aus dem Jahr 2017 gehe hervor, dass die Armee die Sicherheit vor Ort nicht mehr gewährleisten könne, das Lager nicht mehr den nationalen Vorschriften entspreche und demnach auch keine gültige Betriebserlaubnis mehr habe. „Spätestens im Jahr 2017 hätten ‚Sofortmaßnahmen getroffen werden müssen‘“, zitiert Reporter.lu einen Ermittlungsbericht der Kriminalpolizei. Im darauffolgenden Jahr schickte der Leiter des „Service de déminage de l’Armée luxembourgeoise“ (Sedal) dem Generalstab der Armee eine dreiseitige Liste mit all den Missständen.

Im September 2025 hat die Luxemburger Staatsanwaltschaft den ehemaligen Verteidigungs- und Infrastrukturminister François Bausch („déi gréng“) und den früheren Armeechef Alain Duschène wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Ende November 2025 wurde jedoch entschieden, dass es nicht genügend belastende Beweise für einen Prozess gibt. Darüber hinaus hätte der Unfall laut einem Sachverständigengutachten wahrscheinlich auch nicht verhindert werden können, hätte sich das Militärlager in einem regelkonformen Zustand befunden. Die beiden Unteroffiziere hatten es unter anderem versäumt, einen Sicherheitsperimeter einzurichten.

Sanierung beschlossen

Ganz ohne Folgen blieb der Bericht jedoch nicht, wie Reporter.lu berichtet. Bis zum tödlichen Unfall habe es mehrere Arbeitstreffen gegeben – das letzte davon nur sieben Tage vor dem Unglück. Dabei seien dringende Arbeiten an dem Depot beschlossen sowie eine Grundsanierung in Betracht gezogen worden, was sich auch in dem Bericht des Gesetzentwurfs zur Finanzierung der Renovierung des Militärlagers widerspiegele. Demnach seien erste Maßnahmen im Jahr 2018 beschlossen worden.

Die Sanierungsarbeiten des Lagers sollen laut Reporter.lu nun dieses Jahr beginnen und bis 2032 abgeschlossen werden. Der entsprechende Gesetzesentwurf von François Bausch wurde im Mai 2024 vom Parlament verabschiedet. Kostenpunkt: 81,5 Millionen Euro. (WiR)

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