Gesundheitssektor

AMMD kündigt Konvention mit CNS und stellt Luxemburgs Versorgung zur Disposition

Die liberale Ärzteschaft hat ihre Verträge mit der CNS gekündigt. Und es geht längst nicht mehr um ein paar Prozente bei der „Valeur lettre-clé“.

Chris Roller, Präsident der AMMD, bestätigt die Kündigung der Konvention

Chris Roller, Präsident der AMMD, bestätigt die Kündigung der Konvention Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Die Ärztevereinigung AMMD hat ihre Verträge mit der nationalen Gesundheitskasse CNS offiziell beendet. Präsident Chris Roller bestätigte, dass das Kündigungsdokument am 30. Oktober per Einschreiben verschickt wurde. Damit setzt die AMMD ihre zuvor angekündigte Drohung um. Die Kündigung gilt seit diesem Freitag.

Die AMMD sprach in ihrer Pressemitteilung vom Freitag von einem „historischen Schritt“. Nach ihrer Darstellung passen die bisherigen Konventionen nicht mehr zur modernen Medizin. Sie kritisiert, dass die CNS die Tarife einseitig festlegt, Ärzte automatisch bindet und politische Hürden den Ausbau ambulanter Angebote bremsen. Die AMMD fordert einen neuen gesetzlichen Rahmen für die liberale Medizin mit selektiver Konventionierung, Tarifautonomie sowie mehr Freiheit bei Praxisausstattung und Gesellschaftsgründungen.

Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) versuchte zuletzt, auf die AMMD zuzugehen. Sie kündigte Gesetzesänderungen an, die ambulante Eingriffe außerhalb von Spitälern erlauben und Ärzten Zusammenschlüsse zu Gesellschaften ermöglichen sollen. Doch die AMMD blieb unbeeindruckt und ignorierte die Angebote der Ministerin.

AMMD-Vize sprach von „Zuhälterei“

Der Streit betrifft mehr als nur Strukturreformen. AMMD-Vizepräsident Carlo Ahlborn warf der CNS in einem Interview „Zuhälterei“ vor und löste damit auch in der Ärzteschaft Kritik aus. Viele Ärztinnen und Ärzte lehnen den konfrontativen Kurs der AMMD ab. Besonders der Cercle der Allgemeinmediziner fordert, Arztgesellschaften geschlossen zu halten und Investoren auszuschließen.

Der Konflikt trifft das Gesundheitssystem in einer Phase finanzieller Belastung. Prognosen zufolge steigt das Defizit der CNS bis 2027 auf über 200 Millionen Euro, während die Reserve unter die gesetzliche Mindestgrenze fällt. Gleichzeitig verhandelt die Regierung über Einsparungen von bis zu 140 Millionen Euro im Gesundheitssystem. Die AMMD droht nun, dem gesamten System die Grundlage zu entziehen.

Wie es weitergeht, ist offen. Die AMMD betont zwar ihren Willen zum Dialog, doch es geht längst um mehr als Tariffragen. Die Kündigung markiert den bisherigen Höhepunkt eines Machtkampfs um die Zukunft des Luxemburger Gesundheitssystems – zwischen öffentlicher Finanzierung und privaten Interessen. (hat)

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