„Gesondheetsapp“
AMMD hat dank 5 Millionen Euro der CNS ihre Schulden und Verluste größtenteils gedeckt
2019 hatte die Ärztevereinigung AMMD die Firma DHN gegründet, um die „Gesondheetsapp“ zu entwickeln. Nachdem DHN jahrelang Verluste verzeichnet und hohe Schulden angehäuft hatte, kaufte die CNS ihr die Anwendung vergangenes Jahr für rund 5 Millionen Euro ab.
Die von der AMMD gegründete Firma DHN hat 2024 erstmals einen Gewinn erwirtschaftet Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Die Firma Digital Health Network s.à r.l. (DHN) hat im vergangenen Jahr erstmals seit ihrer Gründung ein positives Geschäftsresultat erzielt. Laut der Ende Juli beim Handels- und Firmenregister hinterlegten Bilanz beläuft der Gewinn sich auf 1,166 Millionen Euro. In den Vorjahren hatte DHN stets Verluste zu verzeichnen, die sich vergangenes Jahr auf über 1,3 Millionen Euro („résultats réportés“) angehäuft hatten.
DHN war 2019 von der AMMD und dem inzwischen umbenannten Unternehmen Have-a-Portfolio gegründet worden, um die „Gesondheetsapp“ (und das für deren Betrieb notwendige digitale Umfeld) zu entwickeln, mit der die Ärztevereinigung die Digitalisierung des Gesundheitswesens vorantreiben wollte. Die Hauptfunktion dieser App, die 2021 offiziell gelauncht wurde, war die beschleunigte Rückerstattung von Arztrechnungen durch die CNS („remboursement accéléré“). Mittelfristig wollte die AMMD damit zusätzlich den digitalen Austausch von anderen Dokumenten wie Krankenscheine und Medikamentenverordnungen ermöglichen. Weil die CNS jedoch parallel eine eigene App entwickelte und vor zwei Jahren das „paiement immédiat direct“ (PID) einführte, blieb der Erfolg der „Gesondheetsapp“ aus. Ihre Hauptfunktion ist inzwischen weitgehend hinfällig geworden.
Hohe Schulden
Das Startkapital von DHN hatten die damaligen Vorstandsmitglieder der AMMD aus ihrem privaten Vermögen bezahlt, Ende 2023 beliefen sich die Schulden der Firma auf rund 4,6 Millionen Euro. Nachdem sie monatelang behauptet hatte, das Gesundheitsministerium hätte ihr Exklusivrechte beim „remboursement accéléré“ versprochen, verließ die AMMD vor drei Jahren aus Protest den Verwaltungsrat der Agentur E-Santé und drohte damit, das elektronische Patientendossier DSP sowie das PID zu boykottieren. Ein Angebot der früheren Gesundheitsministerin Paulette Lenert und des ehemaligen Sozialministers Claude Haagen (beide LSAP), ihr die Gesondheetsapp abzukaufen, lehnte die AMMD vor zwei Jahren ab.
Nach dem Regierungswechsel entschied die AMMD, die Anwendung dann doch zu verkaufen. Ende Oktober 2024 unterzeichnete sie ein Abkommen mit der CNS, die die „Gesondheetsapp“ einschließlich der von Have-a-Portfolio entwickelten digitalen Zertifikate für 4,8 Millionen Euro erwarb. Das ermöglichte es der Firma, den größten Teil ihrer Schulden zurückzuzahlen, die laut Geschäftsbilanz Ende 2024 auf 800.000 Euro schrumpften. Mit dem Gewinn des vergangenen Jahres wurden die Verluste der Vorjahre fast ausgeglichen. 1,3 Millionen Euro hatte DHN Ende 2024 noch auf dem Konto. Ob die CNS die Anwendung tatsächlich brauchte, ist fraglich.
Da die AMMD als gemeinnützige Vereinigung keinen Gewinn machen darf, wurde bei der Transaktion mit der CNS auf die im Gesetz über die „marchés publics“ vorgesehene Verhandlungsprozedur der „occasion particulièrement avantageuse" zurückgegriffen. Sie ist insbesondere für Fälle bestimmt, in denen der Staat zu günstigen Bedingungen Material bei Firmen kauft, die ihr Geschäft aufgelöst oder Konkurs angemeldet haben. Wer für die restlichen Schulden von DHN aufkommt, ob das Geld der CNS schon aufgebraucht ist, ob am Ende vielleicht sogar noch etwas übrig bleibt und wann die Firma offiziell aufgelöst wird (was laut Handels- und Firmenregister bisher nicht geschah), ist nicht bekannt. Chris Roller, der im Januar Alain Schmit als Präsident der AMMD ablöste, antwortete auf Tageblatt-Nachfrage, die AMMD kommentiere die Affäre um DHN nicht.