Affäre Wilmes
25 Patienten melden sich nach Wilmes-Operationen bei der „Patientevertriedung“
Der Fall Dr. Wilmes zieht weitere Kreise: 25 Betroffene haben sich inzwischen an die „Patientevertriedung“ gewandt. Mehrere medizinische Zweitmeinungen stellen die Notwendigkeit der Eingriffe infrage.
Insgesamt 25 betroffene Patienten haben sich bislang an die „Patientevertriedung“ gewandt Foto: Editpress/Julien Garroy
Im Fall des suspendierten Chirurgen Philippe Wilmes haben sich bislang 25 Patienten an die „Patientevertriedung“ gewandt. Nach Angaben der Organisation berichten die Betroffenen nach operativen Eingriffen von gesundheitlichen Einschränkungen oder dauerhaften Veränderungen in ihrem Alltag.
In mehreren Fällen liege bereits eine zweite medizinische Beurteilung vor, die die Notwendigkeit der vorgenommenen Operationen kritisch hinterfrage. Die weiterführende Aufarbeitung müsse von unabhängigen Gremien, der Justiz sowie medizinischen Experten durchgeführt werden.
Die „Patientevertriedung“ hat die gemeldeten Fälle in einem formellen Schreiben an Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) sowie an das „Collège médical“ übermittelt. Ziel sei es, die zuständigen Stellen über den aktuellen Stand zu informieren und eine koordinierte Weiterbearbeitung zu ermöglichen, sofern die betroffenen Patienten ihre Einwilligung erteilen.
Worum es geht
Dem Orthopäden Philippe Wilmes wird vorgeworfen, bei Kreuzbandoperationen am Knie Eingriffe zur Rekonstruktion des vorderen Kreuzbandes vorgenommen zu haben, die medizinisch nicht indiziert gewesen sein sollen. Ärzte aus dem CHL sprechen von auffälligen Abweichungen zwischen Anamnese, klinischer Untersuchung, Bildgebung und der gewählten OP-Methode. Aus dem Brief des „Collège médical“ an Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) geht hervor, dass Wilmes auch nachträglich die Änderung eines Bildgebungsberichtes eingefordert haben soll, um eine Operation zu rechtfertigen. Mehrere Patienten, mit denen das Tageblatt sprechen konnte, bekräftigten die Vorwürfe. (siw)
Die Organisation bezeichnet sich zudem als Anlaufstelle für Betroffene. Sie unterstützt die Patienten beratend bei Fragen zur medizinischen Versorgung, zur Nachsorge und zu möglichen Folgen der Eingriffe. In Bezug auf die öffentliche Debatte mahnt die Patientenvertretung zur Zurückhaltung: „Die öffentliche Diskussion kann die Beurteilung nicht ersetzen und sollte die Arbeit dieser Institutionen nicht beeinflussen.“
Zugleich erneuert die „Patientevertriedung“ ihre Forderung nach der Einrichtung einer unabhängigen Qualitätskontrolle im Gesundheitswesen. Die aktuellen Kontrollmechanismen reichten aus Sicht der Organisation nicht aus, um die Patientensicherheit dauerhaft zu gewährleisten und ähnliche Fälle künftig zu verhindern. Man sei bereit, die nächsten Schritte in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden zu begleiten. (DJ)