Editorial
Zuschauer in der BGL Ligue: Mehr Geschichten, mehr Hoffnung?
Zu den Fußballspielen strömen wieder mehr Zuschauer. Das hat viel mit Relevanz zu tun, wie Dan Elvinger in seinem Editorial schreibt.
Foto: Editpress/Gerry Schmit
Es gibt Meldungen, die man im luxemburgischen Fußball mit einer gewissen Skepsis wahrnimmt. „Die Stadien sind wieder voller“ gehört dazu.
Oft wurde in den vergangenen Jahren über leere Tribünen, fehlende Atmosphäre und die angebliche Lustlosigkeit des einheimischen Publikums geklagt. Und doch sind die Zahlen dieses Mal bemerkenswert: Nach vier Spieltagen wurden in der BGL Ligue rund 4.000 Zuschauer mehr gezählt als im vergangenen Sommer.
Ist das also der Beginn einer Trendwende? – Noch nicht. Aber es wäre ein Fehler, diese Tendenz kleinzureden.
Denn so einiges deutet darauf hin, dass sich im Luxemburger Fußball gerade etwas verschiebt. Den Anfang machte vor Jahren die Nationalmannschaft. Es gibt kaum mehr Spiele der „Roten Löwen“, die nicht ausverkauft sind. Sei es gegen Malta oder gegen Portugal. Diese Zahlen zeigen, dass Luxemburg ein Fußballland ist.
In der BGL Ligue spielte ausgerechnet ein Aufsteiger eine entscheidende Rolle. Bissen wurde Meister – eine Geschichte, die weit über das sportliche Ergebnis hinausging. Sie zeigte, dass Fußball gerade dann Aufmerksamkeit erzeugen kann, wenn nicht die üblichen Verdächtigen gewinnen. Ein Underdog, der das „Establishment“ sprengt, ist für die Öffentlichkeit schlicht interessanter als der erwartbare nächste Titel von Differdingen.
Und genau darin liegt vielleicht die wichtigste Erkenntnis: Die Menschen kommen nicht immer wegen des höheren fußballerischen Niveaus ins Stadion. Sie kommen wegen einer Geschichte.
In dieser Saison gibt es davon gleich mehrere. Differdingen ist nicht mehr unangreifbar, Strassen, Mondorf und Bissen mischen vorne mit. Jeunesse führt die Zuschauertabelle an, obwohl der Klub sportlich längst nicht mehr so erfolgreich wie früher ist. Dazu kommen neue oder modernisierte Stadien, die zeigen, dass ein Stadion eben mehr sein kann als eine Tribüne und ein paar Stehplätze rund um einen Rasen. Nach vier Spieltagen ist das alles nur ein Trend, aber einer, der Hoffnung machen kann.
Die Rechnung, wie man das Zuschauerproblem lösen kann, ist sehr kompliziert. Und nicht für jeden Verein ist die Lösung die gleiche. In unseren Gefilden geht es vor allem um Relevanz. Ein Aufsteiger, der um Europa kämpft, ist relevant. Ein Verein, der eine ganze Region bewegt, ist relevant. Ein Abstiegskampf am letzten Spieltag ist relevant. Ein Derby ist relevant. Und ein Stadion, in dem man mit Freunden und Familie einen Nachmittag verbringen kann, ist ebenfalls relevant.
Fakt ist jedoch auch, dass vor allem die sportlichen Voraussetzungen nicht in jedem Jahr stimmen können. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Zuschauerzahlen wieder in den Keller fallen können und etwas gemacht werden muss.
In Luxemburg werden nie Zuschauerrekorde gebrochen, aber es könnte gelingen, aus einem BGL-Ligue-Spiel wieder ein lokales Ereignis zu machen. Dazu gehören dann auch wieder der Faktor Identifikation und die ewige Frage nach den Ehrenamtlern.
Aber auch die Liga muss wieder mutiger oder logischer werden. Am kommenden Sonntag ist das Spitzenspiel zwischen Strassen und Bissen für 18.00 Uhr angesetzt. Es ist stark zu bezweifeln, dass auch nur eine Handvoll Menschen, die bei einem 16.00-Uhr-Spiel waren, sich danach auch noch diese Partie ansehen werden. Dafür ist der Zeitunterschied einfach zu knapp. Montagsspiele gab es in dieser Saison noch überhaupt nicht, obwohl sie in der Vergangenheit immer wieder viele Zuschauer anzogen.
Der eigentliche Test kommt im Herbst und Winter, wenn das Wetter schlechter wird, die Überraschung über Bissen nachlässt und der Alltag einkehrt. Genau dann wird sich zeigen, ob die BGL Ligue tatsächlich aus dem Zuschauerloch herausgefunden hat.