Editorial
„Win-win-Situation“: Die Selbstüberschätzung des Serge Wilmes
Umweltminister Serge Wilmes verweigert Interviews ohne persönliche Vorteile und zeigt damit ein problematisches Medienverständnis.
Umweltminister Serge Wilmes legt ein problematisches Journalismusverständnis an den Tag Foto: Editpress/Julien Garroy
Umweltminister Serge Wilmes gibt Interviews offenbar nur dann, wenn für ihn eine „Win-win-Situation“ herausspringt. Mit dieser Begründung hat der CSV-Politiker Journalistenanfragen abgelehnt, wie das Land am vergangenen Freitag berichtete. Medien betrachtet er damit als Teil einer Geschäftsbeziehung. Als müssten sich Journalistinnen und Journalisten darüber freuen, wenn er sich gnädig zeigt und bereit ist, Auskunft zu erteilen. Das zeugt von erheblicher Selbstüberschätzung. Bisher ist Wilmes vor allem durch nichtssagende Pressekonferenzen und leere Floskeln aufgefallen. Für die Medien und damit für die Öffentlichkeit ist das keine „Win-win-Situation“.
Noch problematischer ist das Medienverständnis, das Wilmes als Regierungsmitglied zeigt. Die Journalistenvereinigung ALJP wies am Freitag darauf hin, dass Wilmes Journalismus mit PR verwechsle und dass er als Minister den Bürgerinnen und Bürgern gegenüber rechenschaftspflichtig sei. Gerade dann, wenn sich kritische Fragen aufdrängen. Genau diesen Rechtfertigungsdruck erzeugen Journalistinnen und Journalisten mit Recherchen, Analysen und Einordnungen, also mit ihrer täglichen Arbeit. Niemand im Journalismus sucht eine „Win-win-Situation“.