Kommentar
Wie das Familienministerium echte Vielfalt durch KI-Gesichter ersetzt
Immer mehr Gemeinden setzen in ihrer Kommunikation auf künstlich erzeugte Bilder – und jetzt auch die Regierung. Doch wer echte Menschen durch ihre digitale Simulation ersetzt, spart vielleicht Aufwand, verliert aber Glaubwürdigkeit.
Künstlich erzeugte Menschen sollen beim neuen „Biergerpakt“ die Vielfalt Luxemburgs repräsentieren Bild: Familienministerium
Zuerst waren es einzelne Gemeinden, nun greift auch die Regierung zu KI-Bildern. Das ist eine bequeme Lösung, hat allerdings einen Preis: Künstliche Motive verbrauchen Ressourcen, verdrängen kreative Arbeit und schaden der Glaubwürdigkeit. Für das Familienministerium scheint das allerdings kein Problem zu sein. Der am Donnerstag vorgestellte „Biergerpakt“ setzt auf KI-generierte Bilder statt auf Fotografien. Auf Nachfrage des Tageblatt erklärte Familienminister Max Hahn (DP), die künstlich erzeugten Motive sollen die Vielfalt Luxemburgs in einem einzigen Bild vereinen.
Wenn die Regierung wirklich die Vielfalt Luxemburgs feiern will, wie wäre es dann, wenn sie diese vielfältigen Menschen tatsächlich in den Mittelpunkt stellt? Also Menschen, die sich vielleicht üblicherweise als Außenseiter empfinden. Die Probleme haben, aus ihrer Bubble auszubrechen. Die sich durch diese Wertschätzung wirklich als Teil der Luxemburger Gesellschaft fühlen würden.
Für viele Luxemburger Gemeinden sind die Fake-Fotos schon lange Standard. Vor allem, wenn es darum geht, Vielfalt zu signalisieren. Betzdorf warb vergangenen September mit künstlich grinsenden Menschen für ihr „Budget participatif“. Auf dem Facebook-Account von Petingen tanzten vergangenen Oktober ältere Menschen auf der Straße – inklusive unheimlich glatter KI‑Gesichter. Auf der Internetseite von Solar.Esch sitzen menschenähnliche Figuren auf ihren Balkonen. Das sind nur ein paar von vielen Beispielen.
Dabei geht es auch anders. Das hat die Stadt Düdelingen vergangenen Oktober gezeigt. In einem Werbespot haben echte Düdelinger mit allen möglichen Hintergründen über die Stadt geredet. Passende Fotos für die Werbekampagne gab es auch. Und das Beste: 280 Bewohner und Bewohnerinnen haben sich freiwillig dafür gemeldet. Die Gemeinde musste nach ihrem Aufruf tatsächlich eine Auswahl treffen.
Es fehlt also weder an Gesichtern noch an Bereitschaft. Öffentliche Institutionen müssen sich nur entscheiden, ob sie Vielfalt wirklich zeigen wollen – oder lieber ihre künstliche Simulation davon.