Editorial

Wenn zwei sich treffen, leidet der Dritte? Xi, Trump und was ihr Treffen für Europa bedeutet

Das Gipfeltreffen zwischen Xi und Trump verlief unspektakulär. Für Europa bleiben die Absichten der beiden mächtigsten Männer der Welt unklar. Damit wird der alte Kontinent vorerst klarkommen müssen.

USA und China Präsidenten im Gespräch, politische Gespräche zwischen Supermächten, Fragen zu Europas Rolle und Zukunft

Immerhin reden die Präsidenten der Supermächte USA und China miteinander – Europa drängen sich trotzdem einige Fragen auf Foto: AFP/Evan Vucci

Donald Trump hat seinen Besuch bei Xi Jinping hinter sich. Das Gute daran: Immerhin reden die Präsidenten der Supermächte USA und China miteinander. In einer Welt, die einem das ungute Gefühl gibt, sie bräuchte nicht mehr allzu viele Funken, um sie restlos in Brand zu stecken, sind das zweifellos erfreuliche Nachrichten.

Auffällig blieb die Rollenverteilung bei dem Treffen – Trump reiste mit einem Rucksack voller eigener Probleme nach Peking. Der desaströse amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran mit all seinen Folgen ist nur das drängendste darunter. Von US-Zöllen, die vor wenigen Monaten noch mehr als 140 Prozent betrugen, war jedenfalls keine Rede mehr.

Was die beiden, jeder für sich oder gar zusammen, im Schilde führen, bleibt jedoch Spekulation. Alles im Anschluss an den Staatsbesuch öffentlich Kommunizierte liest sich angesichts der Weltlage als recht nichtssagend.

Bekannt ist, dass nach Trumps Abschied eiligst Wladimir Putin nach China einbestellt ist. Russlands Präsident soll noch im Laufe dieser Woche bei Xi vorstellig werden. Washington und Peking sind den russischen Krieg gegen die Ukraine leid. Die „Spezialoperation“, für die Putin einst drei Tage veranschlagte, dauert inzwischen länger als Russlands „Großer Vaterländischer Krieg“ an der Ostfront im Zweiten Weltkrieg. Die Ukraine gewinnt zurzeit immer mehr die Oberhand und drängt Putin offenbar derart mit dem Rücken zur Wand, dass Xi und Trump, wollen sie den endgültigen Niedergang Russlands verhindern, ihm irgendwie aus der Patsche helfen müssen.

Damit zu uns, nach Europa und auch nach Luxemburg. Das Gipfeltreffen in Peking hat wieder mal die europäische Zuschauerrolle auf dem Parkett der Weltpolitik verdeutlicht. Doch die Zusammenkunft der beiden mächtigsten Männer der Welt wirft darüber hinaus Fragen auf, die nicht leicht zu beantworten sind: Was sind Xi und Trump für Europa? Konkurrenten, Partner, Freunde, Gegner? Gar unsere Feinde?

Anders als Trump beschimpft Xi niemanden in Großbuchstaben auf seinem eigenen sozialen Netzwerk. Xi demütigt auch seine ausländischen Besucher nicht, wie Trump es unter anderem mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bei einem seiner Besuche in Washington tat. Der chinesische Präsident wurde auch anders als der amerikanische nicht wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt und ist darüber hinaus nicht bekannt dafür, Journalistinnen zum Beispiel als „Schweinchen“ zu beschimpfen. Auch hat Xi anders als Trump im Falle Irans keinem Land die „zivilisatorische Auslöschung“ angedroht. Das rüpelhafte Unvermögen Trumps lässt das autoritäre China als vertrauenswürdiger erscheinen. Das ist einerseits ein ernüchterndes Zeugnis für eine US-Administration – andererseits ein sehr schiefes Bild, von dem man sich nicht täuschen lassen sollte.

Die von China ausgehende wirtschaftliche Bedrohung für Europa ist enorm und die Beziehungen haben sich zuletzt verschlechtert. Das Handelsdefizit zwischen der EU und China belief sich im vergangenen Jahr auf rund 360 Milliarden Euro – das macht fast eine Minusmilliarde pro Tag und bedroht Industrie und Arbeitsplätze in Europa. Billigimporte, die wir täglich in Abermillionen Paketen zu uns bestellen, sind ein Teil des Problems. Ein anderes sind die aus EU-Sicht unfair subventionierten chinesischen Unternehmen und die Überkapazitäten des Riesenreiches.

Viel Wahl bleibt den Europäern nicht. Sie werden sowohl mit Xis China als auch mit Trumps Amerika auskommen müssen. Leicht wird das nicht. Doch Europa geht es damit nicht anders als dem Rest der Welt.

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