Editorial

Investoren im Fußball: das Spiel mit dem Feuer

Die nationalen Fußballklubs brauchen Geld. Warum Investoren sich für Luxemburg interessieren, erklärt Dan Elvinger in seinem Editorial.

Investoren im Fußball: das Spiel mit dem Feuer

Foto: Editpress/Gerry Schmit

Petingen hat einen, Düdelingen will einen, Jeunesse ist froh, seinen los zu sein und Hesperingen musste unter seinem leiden. Die Rede ist von Investoren im luxemburgischen Fußball.

Die BGL Ligue wirkt auf den ersten Blick wie ein Markt, in den es eigentlich keinen Sinn macht, zu investieren. Geringe Zuschauerzahlen, keine TV-Einnahmen, kleine Stadien, kein Merchandising und Vereine die juristisch als ASBL organisiert sind und deshalb keinen Gewinnzweck haben. Trotzdem haben sich in den vergangenen Jahren gleich mehrere Investoren im hiesigen Fußball niedergelassen. Aber warum?

Bei Flavio Becca, der zunächst in Düdelingen und danach in Hesperingen sein Geld ausgab, könnte man noch sagen, dass er es aus Leidenschaft getan hat. Oder weil er auch in einer anderen Branche erfolgreich sein wollte. Es war also mehr ein Ego-Ding. Was bringt jedoch Menschen aus Griechenland, Deutschland oder Brasilien dazu, hierzulande in einen Verein zu investieren?

Es gibt mehrere Antworten auf diese eine Frage. Da wären zum einen die Investoren, die direkt mit dem Verein verdienen wollen. Zunächst wird genügend Geld in die Mannschaft gesteckt, um sich für einen europäischen Wettbewerb zu qualifizieren. In kaum einem Land in Europa ist es so einfach, sich mit gezielten Investitionen für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. Ist dieses Ziel erreicht, kann der Investor einen Teil der Europapokaleinnahmen einstecken. Auch an Spielerverkäufen kann verdient werden – wenn auch wenig und über Umwege.

Es gibt aber noch einen anderen wirtschaftlichen Anreiz. Die andere Sorte der Investoren kauft Zugang zu Netzwerken in denen sich Entscheidungsträger bewegen. Gerade in Luxemburg, wo das Land klein und die Wege kurz sind, kann ein Fußballverein zu einer strategisch wertvollen Plattform werden.

Bislang hat es aber noch kein Investor länger als zwei Jahre in Luxemburg ausgehalten. Zuletzt brachten die griechischen Investoren der Jeunesse Esch den Verein an die Grenzen des Bankrotts. In Petingen weiß man noch nicht genau wohin die Reise mit den Geldgebern aus Deutschland hinführen wird. Fakt ist, bisher blieb nie viel übrig, nachdem die Investoren den Verein verließen.

Erstaunlicherweise zeigen mehr internationale Geldgeber Interesse an dem luxemburgischen Markt, als man meinen könnte. Die Seriosität scheint aber oft zu wünschen zu lassen, wie die aktuelle Suche des F91 Düdelingen zeigt. Seit Monaten wird nach einem Finanzier gesucht. Trotz mehrerer Interessenten, wurde noch kein Deal gefunden.

Die Suche nach neuem Geld ist aber vor allem ein Spiel mit dem Feuer. Aktuell durchlebt der nationale Fußball eine schwierige Phase. Das Niveau ist schlechter als noch vor fünf Jahren, die meisten Vereine kämpfen mit ihren Budgets und die Identität ist teilweise verloren gegangen. Durch solche neuen Investitionsmodelle kann das ganze Konstrukt noch fragiler werden und dem nationalen Vereinsfußball mittelfristig einen großen Schaden zufügen.

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