Editorial

Warum XXL Gianni Infantino noch nicht reicht

Marktschrei oder Strategie des FIFA-Präsidenten: Warum Gianni Infantino das XXL-Format vor den Präsidentschaftswahlen noch immer nicht reicht.

Ausverkaufte Trikotmodelle und volle Stadien: Die Kritik an Infantino hat den Einnahmen rund um die WM nicht geschadet

Ausverkaufte Trikotmodelle und volle Stadien: Die Kritik an Infantino hat den Einnahmen rund um die WM nicht geschadet Foto: AFP

Wie springt man von einem Fettnäpfchen ins nächste, ohne professionelle Konsequenzen in der Funktionärskarriere davonzutragen? Wenn einer die Antwort auf diese Frage kennt, dann wohl der FIFA-Präsident Gianni Infantino. Seit seinem Amtsantritt hat der Schweizer zahlreiche Kontroversen überstanden – vom Umgang mit Katar bis zur Aufblähung der Weltmeisterschaft: Paradebeispiele für Entscheidungen, die zwar für internationales Aufsehen sorgten, den 56-Jährigen aber nie vom eigentlichen Kurs abbrachten.

Dessen nächstes Ziel sind die Präsidentschaftswahlen 2027. Dafür braucht es scheinbar nicht nur die visuelle Präsenz während fast aller WM-Spiele, sondern in erster Linie die großflächige Unterstützung der 211 Verbände. Vieles spricht dafür, dass die Idee der Ausweitung auf 64 Teams also weniger ein sportliches Projekt ist, sondern schlicht und einfach ein machtpolitisches Instrument im Vorfeld der nächsten FIFA-Wahlen. „Die ganze Welt“ müsse von der Turnierteilnahme träumen dürfen, so Infantino in einem Interview mit dem Schweizer Portal „blue Sport“.

Aber muss sie das wirklich?

Mehrere internationale Medien haben bereits berechnet, dass es mit dieser Aufstockung 24 Spiele mehr als 2026 geben würde, es aber bei maximal acht Terminen, Endspiel inklusive, pro Teilnehmer bleiben würde. Das Argument, man würde die Akteure auf dem Platz im Hochsommer zu sehr belasten, gilt dementsprechend nur bedingt.

Stattdessen würde sich das Turnier noch deutlicher verwässern. Schon diese WM mit 48 Teams zeigt, dass Gruppenphasen mit deutlichen Leistungsunterschieden wahrscheinlicher werden. Das streitet Infantino allerdings immer wieder ab. Etwas anderes dürfte man vom Erfinder der „besten WM aller Zeiten“ auch kaum erwarten. Zeitverschiebungen, unattraktive Duelle während der Gruppenphase oder Debütanten, die chancen- und punktlos wieder abreisen: Nimmt der FIFA-Präsident auf seinem Weg zur letzten Amtszeit in Kauf.

Sein System funktioniert, da ihm die Stimmen für seine Pläne sicher sind. Kleinere und mittlere Verbände mögen Infantinos Prinzipien wohl nicht alle nachvollziehen oder unterstützen, sehen in seiner Initiative aber Vorteile für sich selbst. Und die FIFA? Die erreicht durch diesen Vorgang neue Märkte. Das bedeutet: mehr TV-Rechte, mehr Zuschauer, mehr Einnahmen.

Dass die Zeiten der überschaubaren Panini-Hefte endgültig vorbei sind, daran besteht kein Zweifel. 1982 ging es von 16 auf 24 Mannschaften, 1998 wurde die erste WM mit 32 Nationen ausgetragen. Eine XXXL-WM wäre kein Fortschritt für den Fußball. Sie wäre eher ein weiterer Erfolg für das Infantino-System.

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