Editorial

Rassismus gegen Luxemburger?

Rassismus gegen Luxemburger gibt es nicht. Es sei denn, diese Luxemburger werden aufgrund ihrer Hautfarbe, ethnischer Herkunft oder anderer Eigenschaften diskriminiert oder als minderwertig angesehen.

Zion Suzuki, Japans Nationaltorwart. Nationalität, Herkunft und Sprache sind unterschiedliche Aspekte, individuelle Personen und Geschichten ebenfalls. Auch diese Akzeptanz gehört zur „Diversity“.

Zion Suzuki, Japans Nationaltorwart. Nationalität, Herkunft und Sprache sind unterschiedliche Aspekte, individuelle Personen und Geschichten ebenfalls. Auch diese Akzeptanz gehört zur „Diversity“. Foto: Alex Slitz/Getty Images via AFP

Das Familienministerium hat neulich mehrere Initiativen im Rahmen des „Plan national anti-racisme“ angekündigt. Nicht lange dauerte es, bis ein mittlerweile beliebter Einwand zu hören war: „A wat ass mam Rassismus géint Lëtzebuerger?“ Wird der „indigene“ Luxemburger sang- und klanglos verdrängt, ausgetauscht, ausgelöscht, und blickt das Marien-Abendland wortwörtlich seinem Abend entgegen? Wenn es nach den Verfechtern dieses Arguments geht: Ja, ganz klar! Als Gründe werden genannt: die hohe Präsenz von Ausländern – die als Arbeitskräfte, um es „happen zu lëtzen“, willkommen sind, aber nicht zu zahlreich oder „aus bestimmten Kulturkreisen“ sein dürfen –, der angebliche Rückgang der luxemburgischen Sprache oder dass der unterdrückte Luxemburger Brötchen auf Französisch bestellen muss.

Rassistisch ist jedoch nichts davon, es sei denn, man ordnet „die“ Luxemburger in eine ethnische Kategorie ein, die sich völlig von beispielsweise „der“ französischen unterscheidet und deswegen strukturell benachteiligt, angegriffen oder ausgeschlossen wird. Man könnte noch hinzufügen: verspottet, objektifiziert, ausgebeutet, kolonialisiert, von ICE-Agenten niedergeschossen, ertrinken gelassen. Genauso ist es prinzipiell nicht rassistisch, wenn sich jemand für den Erhalt der luxemburgischen Sprache starkmacht oder der Ansicht ist, es sollte mehr Luxemburgisch gesprochen werden.

Rassismus ist kein Hass gegenüber Ausländern, sondern kann ebenfalls „Inländer“ betreffen, die seit Jahrzehnten in Luxemburg leben, hier geboren wurden und alle Landessprachen – zu denen übrigens auch die französische gehört – fließend beherrschen. Die Professorin Philomena Johanna Maria Essed spricht von einer „Ideologie, Struktur und Prozess, mittels derer bestimmte Gruppierungen auf der Grundlage tatsächlicher oder zugeschriebener biologischer oder kultureller Eigenschaften als wesensmäßig andersgeartete und minderwertige ‚Rassen‘ oder ‚ethnische Gruppen‘ angesehen werden“. Auf gut Luxemburgisch: „Et geet ëm d’Binnett, mat där een op d’Welt komm ass.“ Und dafür kann grundsätzlich kein Mensch etwas.

Xenophobie, also Fremdenhass, bezieht sich auf die Nationalität oder Herkunft, welche als fremd oder andersartig eingeordnet wird. Auch weiße Menschen können diskriminiert und beispielsweise Opfer von Xenophobie werden. Rassistische Angriffe sind oft zugleich xenophob – doch im Grunde handelt es sich um unterschiedliche Diskriminierungsformen, die beide bekämpft werden müssen. Das ist keine semantische Rosinenpickerei, sondern die Basis, wenn man sich gegen Faschistoide jeglicher Couleur engagieren möchte. Sie richtig zu benennen und sich entsprechend damit zu befassen, verhindert, dass individuelle Fälle verwässert und verharmlost werden.

Niemand bestreitet auch, dass es unrühmliche Stereotypen gegen luxemburgische Staatsbürger oder Menschen, die in Luxemburg leben, gibt. Aber: „En français, s’il vous plaît“ oder die Präsenz anderer Kulturen als „Rassismus gegenüber Luxemburgern“ zu bezeichnen, ist ein Schlag ins Gesicht von Menschen, die tatsächlich betroffen sind. Genau wie die Bezeichnung von Luxemburgern, die weiß sind und besonders lange im Land leben, als „Indigene“, ein dreister Versuch ist, das Leiden von verfolgten, oft fast ausgerotteten Völkern in der Welt zur Selbstdarstellung zu nutzen. Ja, Leiden ist individuell und kein olympisches Rennen um Medaillen für den, der die größte Misere durchlebt. Und auch People of color können rassistisch sein: Offener Rassismus gegenüber Schwarzen und südostasiatischen Menschen ist in ostasiatischen Ländern wie Südkorea und Japan normalisiert. Ein rezentes Beispiel liefert auch die paraguayische Senatorin Celeste Amarilla mit ihren widerwärtigen Aussagen gegenüber dem Fußballspieler Kylian Mbappé – laut etlichen europäischen Medien schlichtweg ein „Eklat“.

Unter jenen, die das Argument der „rassistisch diskriminierten Luxemburger“ in diesem Kontext verwenden, sind die wenigsten betroffen. Der nächste wichtige Schritt wäre, sich der Frage zu widmen, warum sich diese Menschen unwohl im Land fühlen oder mit bestimmten Entwicklungen schwer tun. Dieses Empfinden ist legitim und ein Thema, das auch Politiker aus der Mitte und aus dem linken Spektrum angehen sollten, statt das Feld den Rechten zu überlassen.

1 Kommentare
Macpin 14.07.202607:43 Uhr

Egal waat vun Artikel....mee ech si frou wann ech hei fort sin, Letzebuerg ged grujeleg fir als Letzebuerger a sengem eegenen Land ze iewen.......traureg mee esou ass ed.

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