Editorial
Vor 250 Jahren warnten die Gründerväter der USA vor Typen wie Trump
US-Präsident Donald Trump hat mit seiner eigenwilligen Amtsführung die während 250 Jahren gewachsene Republik USA auf Abwege geführt, meint Guy Kemp im Leitartikel.
Donald Trump vor sechs Jahren am Mount Rushmore: Wird er es wagen, sein Bildnis neben die historischen Politgrößen des Landes in den Berg einmeißeln zu lassen? Ihm ist alles zuzutrauen. Foto: Saul Loeb/AFP
Im Nachhinein – sicherlich aber auch bereits jetzt – werden viele US-Amerikaner bedauern, dass ausgerechnet Donald Trump zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten Präsident war bzw. ist. Trump ist der Inbegriff des Partyschrecks, des Stimmungskillers, wenngleich seine Anhänger das nicht so sehen dürften. Doch auch sie könnten zur Erkenntnis gelangen, dass bei einer Feier über das 250-jährige Bestehen ihres Landes nicht unbedingt der gegenwärtige Präsident im Mittelpunkt stehen sollte.
Der US-Historiker Jason Steinhauer bedauert wiederum in einem Interview mit dem deutschen Nachrichtenmagazin Der Spiegel, dass mit dem Jahrestag die Gelegenheit zur Selbstreflexion verpasst worden sei, einer kritischen Auseinandersetzung etwa mit der Geschichte des Landes. Das jedoch ist nun wirklich nicht Trumps Sache. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Denn Trump hat längst das US-Innenministerium angewiesen, Denkmäler oder andere Einrichtungen der Erinnerungskultur, die sich mit der Sklaverei in den USA befassen, entfernen zu lassen. Das passt nämlich alles nicht in das Bild, das der US-Präsident von den Vereinigten Staaten hat, und wie es seiner hauptsächlich weißen Wählerbasis gefällt.
Doch aus derart „selbstreflexiven Formen des Gedenkens“ (Steinhauer) würde sehr schnell klar werden, dass Trump die USA auf jene Abwege bringt, vor denen die Gründerväter gewarnt haben. Als das Weiße Haus nach dem Besuch des britischen Königs ein Bild mit Charles III. und Trump mit „Zwei Könige“ überschrieb, bestätigte das die „No Kings“-Bewegung, die zuvor bereits mehrmals landesweite Proteste unter dem gleichen Motto abgehalten hatte, bei denen vor den demokratiefeindlichen und autoritären Tendenzen des US-Präsidenten gewarnt wurde. „Kein König! „Keine Tyrannei!“, hatte 1776 Thomas Paine in seinem Pamphlet „Gesunder Menschenverstand“ gefordert, einer der Gründerväter, der ein entschiedener Verfechter demokratischer Republiken war.
Doch auch dem Konzept der Republik, der „Res publica“, der „öffentlichen Angelegenheiten“, steht Trumps Verständnis seiner Präsidentschaft diametral entgegen. Nicht am Wohl der Allgemeinheit, sondern vielmehr an jenem seiner Unterstützer und besonders an seinem eigenen Wohl orientiert er seine politischen Entscheidungen. Erst diese Woche wurde bekannt, dass sich das Privatvermögen des US-Präsidenten zwischen den Jahren 2024 und 2026 fast verdreifacht hat, vor allem durch Geschäfte im Bereich der Kryptowährungen, in dem die US-Regierung deregulierend eingegriffen hat.
Die beiden Beispiele stehen für eine ganze Reihe von Eingriffen in das Staats- und Gesellschaftswesen, die unter Trumps zweiter Amtszeit in beschleunigter Weise stattgefunden haben und die Grundlagen des Rechtsstaates und der Demokratie im Land heftig erschüttert haben. Vielleicht lassen sich die während 250 Jahren von der Graswurzel-Demokratie geprägten USA und der weiterhin von der damaligen Revolution beseelte Charakter der amerikanischen Bevölkerung nicht so leicht aus der Bahn werfen. Doch die disruptive Art von Trumps Amtsführung in Kombination mit den technologischen Möglichkeiten KI-gestützter Verwaltung und Entscheidungsfindung seiner reichen Unterstützer aus dem Silicon Valley, sowie eine zu vielem bereite MAGA-Basis könnten einen Mix bilden, der zu einem gefährlichen politischen Beben führt. Es bleibt daher zu hoffen, dass in den kommenden Wochen und Monaten doch noch eine breite und tiefergehende Besinnung auf die republikanischen Werte der USA stattfindet.