Editorial

Umstrittene Konzerte in der Philharmonie: Luxemburgs Kulturpolitik gerät unter Druck

Zwei Konzerte, zwei Proteste und eine Kulturpolitik ohne klare Linie: Die Debatten um die Auftritte des Israel Philharmonic Orchestra und der Sängerin Anna Netrebko offenbaren Luxemburgs Schwäche im Umgang mit politischen Konflikten.

Ungewöhnliches Bild vor der Philharmonie: Im November 2025 kam es zum Protest gegen das Israel Philharmonic Orchestra

Ungewöhnliches Bild vor der Philharmonie: Im November 2025 kam es zum Protest gegen das Israel Philharmonic Orchestra Foto: Editpress/Georges Noesen

Die Philharmonie erhitzt mit ihrem Programm 2025/2026 erneut die Gemüter. Im November 2025 demonstrierten pro-palästinensische Gruppen gegen den Auftritt des Israel Philharmonic Orchestra. Nun zeigt sich die ukrainische Botschaft in Luxemburg besorgt über die Show der russisch-österreichischen Opernsängerin Anna Netrebko.

Diese unterstützte unter anderem 2012 die Wiederwahl von Wladimir Putin durch eine Petition. Zwei Jahre später ließ sie sich mit dem pro-russischen Separatisten Oleh Zarjow ablichten. Zwar verurteilt sie inzwischen den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, doch überzeugt hat das kaum: Mehrere Opernhäuser im Ausland brachen die Zusammenarbeit mit Netrebko ab. In der Philharmonie trat sie am Montag vor vollen Rängen auf. Der eigentliche Skandal sind jedoch nicht (nur) die Auftritte, sondern der Umgang der Luxemburger Kulturpolitik mit den aktuellen Konflikten.

Das Kulturministerium sendet widersprüchliche Signale. Besonders, wenn es um Russland geht. Beim Luxembourg City Film Festival 2022 wurden russische Filme aus dem Programm gestrichen, in Absprache mit der damaligen Kulturministerin Sam Tanson („déi gréng“). Später unterzeichnete ihr Nachfolger Eric Thill (DP) mit 21 Amtskolleg*innen einen offenen Brief für den Ausschluss Russlands von der diesjährigen Kunstbiennale in Venedig.

Auf die umstrittenen Konzerte in der Philharmonie folgt von Thills Seite aber stets dasselbe Mantra: Das Ministerium mischt sich nicht ins Programm ein; Kunstfreiheit und Politik seien getrennt zu betrachten. Der Eindruck drängt sich auf – es wird willkürlich über Boykotte entschieden. Das betrifft die Präsenz russischer Kunst in Europa, aber auch den unterschiedlichen Umgang mit kriegsführenden Regierungen. Die USA konnten sich unbehelligt an der Kunstbiennale beteiligen, Luxemburg trat ohne erkennbare Skrupel beim Eurovision Song Contest gegen Israel an. Das Verhalten mag pragmatisch sein, stärkt aber kaum die Glaubwürdigkeit der Luxemburger Kulturpolitik.

Die Philharmonie lässt hingegen wenig Spielraum. Inkohärenz kann man dem Haus nicht vorwerfen. Es bleibt seiner Linie treu und scheut sich offenbar nicht, kontroverse Gäste einzuladen – worüber sich zweifelsfrei diskutieren lässt. Das passt zu einem Statement der Philharmonie, das RTL auszugsweise veröffentlichte: „Es ist unsere Mission, sicherzustellen, dass die Philharmonie ein Ort bleibt, der den Dialog sucht und bevorzugt. Auch in Krisenzeiten.“* Der Dialog findet statt, aber er verläuft momentan nur in eine Richtung. Das Publikum protestiert, die Kulturbranche reagiert. Oft unbeholfen. Die geopolitische Lage bleibt angespannt. Umso wichtiger ist es, klare Kante zu zeigen und konsequent zu sein.

Die EU-Außenbeauftragte und Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Kaja Kallas, machte am Montag vor, wie das aussehen kann. In der Pressekonferenz nach dem EU-Außenministerrat verurteilte sie Russlands jüngste Angriffe in der Ukraine scharf. „Wenn Russland Kathedralen bombardiert, sollte Europa russischen Künstlern, die den Krieg des Kremls unterstützen, nicht den roten Teppich ausrollen (...)“, sagte sie. Auf das Konzert von Netrebko in Luxemburg angesprochen, reagierte sie mit klaren Worten: „Es ist sehr bedauerlich, dass dieses Konzert stattfindet.“

*Die Zitate wurden aus dem Französischen und aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

2 Kommentare
Fraulein Smilla 16.06.202607:40 Uhr

Ob eine Konzertveranstaltung opportun ist , entscheidet sich an der Eintrittskasse .

JJ 16.06.202607:21 Uhr

Luxemburgs Hamas-Fans gehen auf die Straße. Geschichte : 6 setzen. Aspirin ist eine jüdische Erfindung.Von Palästina kam bisher recht wenig,außer Autobomben und Terror. Solange die Palästinenser ihre Terrorbande nicht ausliefert wird wohl weiter geschossen. Und was hat Anna N. mit Putin zu tun? Hören diese Narren auch keinen Tschaikowsky mehr? Wird Tolstoi öffentlich verbrannt?
Wie dumm sind wir doch geworden. K I ? Zu spät.

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