Editorial

Trumps Zollchaos geht auf Kosten der Bürger, die ohnehin schon unter den hohen Preisen ächzen

Trump argumentierte, die neuen hohen Zölle sollen die Produktionen zurück ins Land holen

Trump argumentierte, die neuen hohen Zölle sollen die Produktionen zurück ins Land holen Foto: AFP

„Es ist mir völlig egal“, antwortete Trump in den vergangenen Wochen auf eine Frage eines US-Journalisten, ob er sich sorge, dass Autos durch die damals noch angedrohten und nun eingeführten Zölle teurer werden würden. Besser hätte er seine Einstellung gegenüber der großen Masse seiner Bürger und der Weltbevölkerung nicht resümieren können.

Das unterstreichen auch die nun erlassenen Rekordzölle. Seine Maßnahmen sollen ihn als „Strongman“ darstellen und es ihm ermöglichen, andere Länder zu schikanieren. Aber das ist ein großes Risiko. Der Großteil der Welt bereitet bereits Vergeltungszölle vor – ein globaler Handelskrieg zeichnet sich ab. Und die Verlierer werden weltweit die Durchschnittsverbraucher sein, die einfach nur ein komfortables Leben finanzieren wollen.

Während des Wahlkampfs hieß es noch, „Zölle erhöhen keine Preise in den USA“ und „die anderen Länder zahlen die Zölle“. Mit den Mehreinnahmen könnten die USA wieder in sich investieren. Ein verlockendes Versprechen für alle, die durch die Inflation der letzten Jahre unter die Räder geraten sind. 

Nun aber rudern Trump und seine Unterstützer – nach abzusehender Empörung aus dem In- und Ausland – zurück. Die neuen Zölle würden, „wie bei einer Wohnungsrenovierung“, kurzfristig für „Unannehmlichkeit“ sorgen. Aber das würden die Bürger absolut verstehen und unterstützen. Und: Langfristig wären die Zölle absolut notwendig für die amerikanische Wirtschaft. Versprochen. Garantiert. Hand aufs Herz. 

Und vor allem kein Wort davon, dass mit den Mehreinnahmen für den Staat durch die Zölle die Steuererleichterung für Trumps Milliardär-Buddys finanziert werden soll. 

Während Trumps Kabinett mit den Republikanern im Kongress also fleißig daran arbeitet, möglichst alle Sozialleistungen abzuschaffen, werden Trumps Zölle nun den Preis von Alltagsgütern weiter in die Höhe treiben. Denn die von den Zöllen betroffenen Firmen können Mehrkosten – vor allem in dieser Höhe – nicht alleine stemmen und werden sie an ihre Kunden weitergeben. Die Lebenshaltungskosten, die für viele in der jüngsten Inflation ohnehin schon untragbar hoch waren, werden so noch einmal steigen.

Trump argumentierte am Mittwoch, die neuen hohen Zölle sollen die Produktionen zurück ins Land holen, weil es zu teuer wird, im Ausland zu produzieren. Seine Rechnung: Mehr Produktion = mehr Jobs = bessere Wirtschaft. Doch das Argument hält einer Analyse nicht stand: Erstens werden Produktionsstätten nicht von heute auf morgen aus dem Boden gestampft – die Infrastruktur ist schlicht nicht da. Das heißt Produkte, die nicht in den USA produziert werden, werden teurer, ohne dass es sofort billigere nationale Alternativen gibt. Positive Effekte würden sich so, wenn überhaupt, erst in mehreren Jahren abzeichnen.

Zweitens ist nicht garantiert, dass die Zölle wirklich ein Umdenken der Firmen bewirken. In die Entscheidung, wo ein Unternehmen sich niederlässt und seine Produkte herstellt, fließt mehr als nur Zölle ein. Rechnet es sich wirklich für ein Unternehmen, seine komplette Produktion zu verlagern – oder kann man weitermachen wie bisher, wenn man einfach die Zölle auf die Konsumenten abwälzt? 

Drittens treffen Zölle vor allem die Unternehmen hart, die grundlegende Dienstleistungen, Zwischenteile oder Materialien aus dem Ausland brauchen, um zu funktionieren. Wenn diese an einem weltweiten Zollkrieg zugrunde gehen, wird das Jobs kosten. 

Statt seine politischen Ziele – wenn er wirklich das erreichen möchte, was er behauptet – mit geschickten Manövern und internationaler Diplomatie durchzusetzen, greift Trump zum Schlaghammer. Das daraus folgende Zollchaos wird nur eines bewirken: Es wird das Leben – und Überleben – der ganz normalen Bürger noch schwieriger machen als bisher. Denn wer am meisten unter Zöllen leiden wird, sind diejenigen, die jetzt schon kaum oder nicht mehr über die Runden kommen. 

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