Editorial
„Todo lleva a la plata“: Der Super Bowl, Trump und Infantino
Während der Super Bowl Vielfalt feiert, biedert sich die FIFA dem US-Präsidenten an. Berechnend sind beide Strategien, nur eine wirkt humaner.
Bad Bunny erreicht die Massen Foto: Getty Images via AFP
Nationalhymne, militärisches Zeremoniell, Düsenjets, „Stars and Stripes“, so weit das Auge reicht. „Amerikanischer“ als American Football kann eine Sportart nicht sein. Politisch gesehen stehen viele Entscheider in der NFL („National Football League“) den Republikanern nahe. Und trotzdem war die Halbzeit-Show des Super Bowl „ein Affront gegen amerikanische Werte“, wie Präsident Donald Trump es formulierte.
„Schuld“ daran sind die NFL selbst und ihr Haupt-Act: Bad Bunny. Der puerto-ricanische Superstar performte als erster Künstler überhaupt ausschließlich auf Spanisch. Das hatten in den Jahren zuvor weder Enrique Iglesias noch Gloria Estefan gemacht. Sein Auftritt war durchsetzt von Botschaften und Symbolik – politischer war der Super Bowl wohl nie. Trump zeigte sich verärgert über die Zurschaustellung des „anderen Amerika“. Ein Amerika der Vielfalt, das seine MAGA-Brut nicht will.
Es ist jedoch keinesfalls so, dass sich die NFL besonders für die Rechte von Ausländern oder Einwanderern starkmacht. Vielmehr ging es der Vereinigung darum, mit der Halbzeitshow die größtmögliche Reichweite zu bekommen. Bad Bunny war 2025 nicht weniger als der meistgestreamte Künstler der Welt. Seine Show brach Social-Media-Rekorde rund um das NFL-Event und brachte den Super Bowl einem anderen Markt näher – den Amerikanern aus dem südlichen Teil des Kontinents.
Der NFL kann es egal sein, was Trump davon hält. Sie ist nicht auf die Gunst des US-Präsidenten angewiesen, um aus dem Super Bowl ein Riesenevent zu machen. Vor allem nicht in San Francisco, wo er und die Republikaner traditionell fast keine Stimmen bekommen. Vor allem nicht, wenn sie selbst in der Lage sind, Hunderte Millionen selbst einzunehmen und neue Märkte zu erschaffen. Es ist also reines Kalkül, Bad Bunny als Act zu nehmen. Und trotzdem ist den Organisatoren durch diese Wahl ein weltweiter Imagegewinn gelungen.
In eine ganz andere Richtung gehen der Weltfußballverband FIFA und sein umstrittener Präsident Gianni Infantino im Zuge der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko. Der Schweizer biedert sich Trump derzeit an. Er erfand sogar einen FIFA-Friedenspreis, nur um hoch in der Gunst des US-Präsidenten zu stehen. Damit verletzte Infantino sogar die Neutralitätspflicht der FIFA.
Es ist wohl richtig, dass wegen der Visa bei der Einreise und der Infrastruktur eine gewisse Diplomatie gefragt ist, doch bei Infantino hat man eher den Eindruck, dass er die Nähe zu Trump für eigene Interessen nutzen will.
Fakt ist, dass der uramerikanische Sport American Football zurzeit in den USA mehr für Diversität und Akzeptanz tut als der Sport, der so rein gar nicht amerikanisch ist. „Soccer“, wie Fußball in den USA genannt wird, ist derzeit nur die fünftpopulärste Sportart in den Vereinigten Staaten. Die WM soll dies ändern und diesem wichtigen Markt einen Schub verleihen.
Eigentlich müsste man meinen, dass sich Infantino aktuell sein eigenes Grab schaufelt. Er gehört zu den unpopulärsten Präsidenten der FIFA-Geschichte und für seine Nähe zu Trump wird er stark kritisiert. Doch am Ende werden die Zahlen wohlen stimmen und Infantino wird sich durch diese an der Macht halten können.
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