Editorial
Shop local! Wieso man die Weihnachtseinkäufe nicht bei Amazon und Co. erledigen sollte
Foto: Editpress/Julien Garroy
Mit dem Black Friday ist sie offiziell eingeläutet: die kommerzielle Hochsaison der Weihnachtsfeiertage. Ob zum „Kleeschen“, Weihnachten oder bei nicht-christlichen Familienfeiern – im Dezember sitzt bei vielen der Geldbeutel recht locker. Schließlich sollen die Liebsten sich beim Geschenke-Auspacken so richtig freuen.
Der Handel tut sein Bestes, die Kunden zum Shoppen zu bewegen. In die echten und die digitalen Briefkästen flattert Werbung über Werbung und ein tolles „Jetzt-kaufen-nur-für-Sie-der-beste-Preis-überhaupt“-Angebot jagt das nächste. Wer sich vor der Werbeflut in Sicherheit bringen will, kann eigentlich nur entscheiden, im Dezember einfach zu Hause im Bett zu bleiben – und dabei die Finger vom Handy lassen.
Doch ehe das nächste Schnäppchen im Warenkorb landet, ist vielleicht ein Moment des Innehaltens der richtige Schritt. Denn mit der simplen Entscheidung, wo man die Objekte der Wunschliste besorgt, sollte man sorgsam umgehen.
Amazon und andere Internetplattformen sind zwar äußerst praktisch und gehören mittlerweile zu unser aller Alltag. Doch wer sich hier mit Geschenken eindeckt, billigt mit seinem Einkauf auch die Tricks, die diese Riesen gegen die eigenen Mitarbeiter, die Kunden und die Händler schamlos einsetzen. In einem aktuellen Bericht des ARD-Wirtschaftsmagazins „Plusminus“ werden Praktiken von Amazon aufgedeckt, die darauf abzielen, möglichst viel Druck auf Händler auszuüben – damit diese ihre Produkte auf keinen anderen Plattformen zu einem billigeren Preis anbieten und gleichzeitig akzeptieren müssen, dass sich Amazon einen immer größeren Anteil des Preises sichert, den der Kunde zahlen muss. Um also überhaupt den eigenen Gewinn zu sichern, müssen die Händler die Preise entweder höher setzen (und damit die Mehrkosten auf den Kunden abwälzen) oder ihre Produkte billiger produzieren (wieder zum Schaden des Endkunden). Die Ausnutzung der eigenen Mitarbeiter mit Mindestlöhnen und gewerkschaftsfeindlichen Firmenpraktiken von Amazon sind bereits altbekannt – und werden so lange nicht verschwinden, wie es die Kunden dulden.
Statt beim Internetgiganten durch die Warenregale zu klicken, kann man auf lokale Plattformen wie „Letzshop“ zurückgreifen oder auf den Webseiten der Firmen nachsehen, ob es möglich ist, die Produkte direkt bei ihnen zu bestellen. Oder man verzichtet ganz auf das Online-Shopping und wagt sich in die Einkaufsstraßen in den Innenstädten. Hier landet das ausgegebene Geld nicht nur direkt in den Taschen der lokalen Händler, sondern man trägt gleichzeitig auch dazu bei, dass eben diese Geschäfte mit ihrer wichtigen Rolle in der luxemburgischen Wirtschaft nicht von der Bildfläche verschwinden.
Zudem hat das „Live-Shopping“ den praktischen Nebeneffekt, dass man sich von der Qualität und der tatsächlichen Größe des Produkts selbst überzeugen kann. Videos von Erfahrungen à la „Das habe ich bei Temu bestellt – und das habe ich bekommen“ können zwar für Zuschauer lustig sein, doch wer auf solche Betrugsmaschen und Falschprodukte hereinfällt, ärgert sich völlig zu Recht. Gleichzeitig muss man ja nicht einsam und alleine auf Geschenkejagd gehen, sondern kann einen lustigen Nachmittag mit Freunden oder Familie verbringen. Und wer weiß, vielleicht haben Shopping-Begleitung oder Verkäufer auch weitere Ideen, was der zu beschenkenden Person gefallen könnte.