Der Wahlflüsterer
Morgen wird’s was geben … bei den Landeswahlen
Am Wahlsonntag am 8. Oktober kann es fast in alle Richtungen gehen Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Geschafft!, denkt der Wahlflüsterer. Also, fast geschafft. Noch einmal – unruhig – schlafen gehen, dann überqueren wir den Rubikon und die Würfel werden fallen. Das wird ein Gaudi. Na ja, wohl nicht für jeden. Denn wo Gewinner morgen, möglicherweise übereilt, die Korken knallen lassen, werden andere weinen.
Lieber eine Packung Taschentücher mehr einpacken. Wer weiß schon, wen man morgen weshalb trösten muss, wenn erste Resultate Trends erkennen lassen und besonders die Hochrechnungen bei RTL gegen 19 Uhr Hoffnungen wecken oder zerstören werden.
Der Wahlflüsterer wird oft nach Prognosen gefragt. Wer wird am Sonntag das Rennen machen? Mehr denn je ist das eine schwierige Frage. Morgen muss nicht viel passieren, damit es zu Verschiebungen tektonischer Platten kommt. Dreier oder Zweier? Es wird so was von spannend!
Blut, Schweiß und Tränen, aber „never surrender“, meinte Churchill einst. Quasi bis zur letzten Sekunde kämpfen auch die Parteien in Luxemburg. Selbst heute noch werden sie auf Märkten, in den Straßen und weiß der Geier wo, den Passanten auflauern und um jede Stimme kämpfen. Ja, denn beim Restsitz kommt es wirklich auf jeden Wähler an.
Was kostet eigentlich das Papier und die Verteilung der bunten Parteipropaganda-Blätter? Macht das alles irgendwie Sinn, überlegt der Wahlflüsterer, und denkt dabei an seinen vollen Briefkasten am Freitag und an die nächste Papiersammlung? Warum wird eigentlich ein Fahrradweg zwischen Düdelingen und Luxemburg-Stadt scheibchenweise, quasi im Metertakt, eingeweiht? Warum pochen Minister darauf, dass ihre Projekte unbedingt noch vor dem 8. Oktober eingeweiht werden, selbst wenn sie nicht wirklich fertig sind? Wahlen haben offensichtlich recht wenig mit Demokratie zu tun, eher mit Showtime.
Trotzdem werden morgen am Wahlsonntag nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen. Luxemburg wird weder aus der NATO noch aus der WHO austreten und niemand, warum auch immer, wird sich wegen des Benehmens während der Pandemie verantworten müssen.
Dem Wahlflüsterer ist wieder mal nach Musik. Nach etwas Erhabenem, das den morgigen Tag einläutet. Vivaldis „Frühling“, zum Beispiel. In dem Sinne: Gute Wahl! (Marco Goetz)