Editorial
Das Luxemburger System der privaten Zusatzrenten ist durchgehend unattraktiv
Die private Zusatzrente gilt laut der Regierung als wichtiger Teil der Antworten auf die Krise des Rentensystems. Doch das Luxemburger Modell, so wie es aktuell aufgebaut ist, ist intransparent, unattraktiv und ungerecht, schreibt Christian Muller in seinem Editorial. Selbst die Bezeichnung „Zusatzrente“ ist irreführend.
Ohne grundlegende Reformen wird die private Zusatzrente hierzulande ein Thema bleiben, für das sich kaum jemand interessiert Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Aktuell fordert eine beim Parlament eingereichte Petition gedeckelte Gebühren bei den privaten Zusatzpensionen. Das Anliegen ist berechtigt und notwendig. Es erhält jedoch kaum Aufmerksamkeit. Dabei geht es um ein Produkt, das die Regierung als Lösung für das Rentenproblem anpreist und mit staatlichen Millionen fördert.
Während tausende Menschen gegen unattraktive Reformen im staatlichen System demonstrieren, fühlt sich beim Thema der privaten Zusatzrenten niemand angesprochen. Seit dem 26. März haben gerade einmal 23 Menschen (Standc 09.04.2026) die Petition unterzeichnet. 5.500 wären für eine öffentliche Debatte im Parlament nötig.
Die Mängel sind bekannt und gravierend. Je nach Vertrag und Anbieter können bis zu vier Prozent der monatlich eingezahlten Summe sofort als Gebühr einbehalten werden – dazu kommt ein jährlicher Prozentsatz auf das gesamte angesparte Kapital. Wer aus einem schlechten Vertrag aussteigen will, dem drohen Strafzahlungen.
Staatliche Regelungen? Kaum vorhanden. Transparenz? Fehlanzeige. Geworben wird fast ausschließlich mit dem Steuerspareffekt, nicht mit der Qualität der Produkte – das sagt alles.
Dieser Steuervorteil ist zudem alles andere als gerecht. Er nützt nur denen, die genügend Steuern zahlen. Alle anderen gehen leer aus. Zudem fällt am Ende, beim Auszahlen, auf das angesparte Kapital eine Steuer an. Eine schwer verständliche Logik. Hinzu kommt, dass die „Zusatzrente“ nicht bis ans Lebensende auszahlt, sondern nur bis der Topf leer ist. Die Bezeichnung „Zusatzrente“ ist irreführend – es ist lediglich ein einfaches Sparprodukt.
Das Anliegen der Petition N°3998 ist bescheiden: Die Einstiegsgebühren bei privaten Pensionsplänen sollen gesetzlich gedeckelt und die jährlichen Verwaltungskosten begrenzt werden. Eine ausgewogene Regulierung, wie sie in jedem anderen Bereich der Finanzwirtschaft selbstverständlich wäre, erscheine notwendig, so der Petitionär. Die hohen Kosten schmälern die Renditen der eigentlich Begünstigten.
Deutliche Kritik kommt auch aus der Finanzbranche selbst: „Unser Luxemburger System ist nicht gut“, so Serge Weyland vom Investmentfondsverband ALFI. Es gebe kaum Wettbewerb, nur wenige Anbieter, niedrige Renditen und hohe Preise für die Menschen. Das System müsse nicht nur gestärkt, sondern grundlegend neu gestaltet werden, so sein unverblümtes Urteil.
Dass nun nur 23 Bürger unterzeichnet haben, ist keine Niederlage der Petition. Es sagt jedoch viel aus über das Verhältnis der Bürger zum System der privaten Zusatzrente hierzulande und zur diesbezüglichen politischen Debatte, die nicht stattfindet.
Dies ist gefährlich. Während die Öffentlichkeit wegschaut, profitiert eine Branche von Millionen an Steuergeldern, ohne im Gegenzug ein seriöses Vorsorgeprodukt zu liefern.
Andere Länder zeigen, dass es anders geht. In Schweden wurde in den vergangenen Jahrzehnten ein System aufgebaut, das funktioniert: klare staatliche Rahmenbedingungen, breite Produktauswahl, gedeckelte Gebühren - ein System, das dem Bürger dient.
Solange Luxemburg nicht einen ähnlichen Weg einschlägt, bleibt die Schlussfolgerung unausweichlich: Die private Zusatzrente ist für den Großteil der Bürger hierzulande kein Thema. Somit ist die Petition mit 23 Unterschriften keine Randnotiz, sondern ein Warnsignal. Es geht um nichts Geringeres als die finanzielle Sicherheit im Alter.