Der Politflüsterer

Lenert wechselt, Frieden strebt weiter – und andere Geschichten zwischen Lametta und Lamento

Mosel als Europäische Kulturhauptstadt, Paulette Lenert im Maschinenraum der Macht, ein Schöffe in Warteschleife, die seltsame ESC-Logik und ein erstaunlich fitter Innenminister: der Wochenrückblick.

Paulette Lenert freut sich und zeigt entschlossenen Ausdruck bei ihrer Entscheidung für einen neuen Weg

Grund zur Freude für Paulette Lenert: Sie wählt einen anderen Weg Foto: Editpress/Julien Garroy

Natürlich freut es den Politflüsterer, wenn seine Ideen auf fruchtbaren Boden fallen. Etwa bei der Sache mit der Mosellandschaft als Europäische Kulturhauptstadt. Inzwischen haben mit Georges Engel und Paulette Lenert zwei LSAP-Politiker eine parlamentarische Frage dazu gestellt. Sie berufen sich dabei auf einen Leserbrief im Tageblatt.

Der Leserbrief wiederum berief sich auf die Idee des Politflüsterers. So entstehen bisweilen politische Debatten: erst in der Zeitung, dann als Leserbrief und schließlich als parlamentarische Frage an Kulturminister Thill.

Der Politflüsterer nimmt das gelassen. Wer Politik länger beobachtet, lernt irgendwann: Es geht selten darum, wer eine Idee zuerst hatte. Entscheidend ist meist, wer später danebensteht, wenn die Fotos gemacht werden.

Paulette Lenert wechselt also wie angekündigt in den Staatsrat. Es sei ihr gegönnt. Die Frau scheint durch einige politische Höllenkreise gegangen zu sein. Ihr Lametta klang jedenfalls oft nach Lamento. Vielleicht auch deshalb, weil Lenert stets den Eindruck vermittelte, noch nicht vollständig von der Politik verschluckt worden zu sein. Eher eigensinnig. Manchmal fast zu sensibel für den Maschinenraum der Macht.

Nicht ganz richtig lag der Politflüsterer in Remich. Ja, an einem Wechsel auf dem Bürgermeisterstuhl ist tatsächlich etwas dran. Nur eben nicht jetzt, sondern erst 2028. Also gerade noch rechtzeitig vor den Wahlen soll Schöffe Jean-Paul Kieffer übernehmen, lässt Jacques Sitz durchblicken.

Was haben wir noch? Ach ja. Der Politflüsterer hat tatsächlich unterschlagen, dass Innenminister Léon Gloden am vergangenen Samstag den Halbmarathon mitgelaufen ist. Gut, der Lauf fand erst am Abend statt. Und man sollte den Läufer bekanntlich nicht vor dem Abend loben. Politiker sind schließlich auch nur Menschen. Manche laufen Halbmarathon. Andere knicken auf halber Strecke ein.

Und es irrt der Mensch, solang er strebt. Luc Frieden jedenfalls scheint weiterstreben zu wollen. Als CEO sowieso. Aber offenbar auch mit dem Song Contest. Dabei hätte man durchaus einen eleganten Abgang finden können. Denn Hand aufs Herz: Dieses System bleibt merkwürdig. Fünf Länder sitzen automatisch im Finale, weil sie mehr zahlen als andere. Wettbewerb nennt man das. Anderswo vielleicht Interessenvertretung mit Glitzerbeleuchtung.

Der Politflüsterer wird darüber nachdenken. Über Macht, Eitelkeit und den seltsamen Lauf der Dinge.

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