Der Politflüsterer

Geschichten aus der Gruft

Great, greater, greatest. Die Steigerung eines Christen ist für Trump nur Christus selbst. Der Politflüsterer über die Selbstinszenierung im Weißen Haus.

Donald J. Trump spricht verwirrt vor einer Glaubensgemeinschaft bei einer öffentlichen Veranstaltung

Donald J. Trump verwirrt die Glaubensgemeinschaft Foto: AFP/Brendan Smialowski

Bei mattem Kerzenlicht näherte sich der Politflüsterer gespenstisch und sprach leise ins Ohr: Trump ist der Anfang. Trump liegt bei Gott und Trump ist Gott selbst. Oder dessen Sohn. Donald Jesus Trump. Der Erlöser. Der Heiland. Das Oval Office wird zum gemeinsamen Gebetsstuhl, zum letzten Abendmahl. Eine Nation der Gläubigen liegt ihm zu Füßen. Mit ihr wolle er den Kreuzzug gegen Atheisten, Globalisten und Marxisten führen, sagt er.

Mit tadelndem Blick sieht Papst Leo XIV. nach Washington und der orangenhäutige Blondschopf stiert zurück. Die Katholiken sind entsetzt, die Christen irritiert. Tatsächlich ist Blondkäppchen nicht katholisch, sondern mit der presbyterianischen Kirche – kurz der Priesterkirche – aufgewachsen. Dort huldigt man nur Christus selbst. Der Pontifex: bedeutungslos. Vor den Wahlen wurde ein paar Mal auf die Bibel geklopft, um die Christen bei Laune zu halten, Vance entdeckte 2019 schlagartig, dass er Katholik sei und spätestens nach Trumps überlebtem Anschlag dämmerte es vielen Amerikanern: Er muss der Erlöser sein, der zu Unrecht Verurteilte.

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