Editorial
Gefangen im Trichter: Die Verkehrsqual auf der N7 erlebt man auch im Sommer
Stau an dieser Stelle ist nicht nur gefährlich für die Nerven Foto: Roger Infalt/Editpress
Eigentlich heißt es im Sommer auf Luxemburgs Straßen: freie Fahrt voraus. Eine willkommene Erleichterung für die Autofahrer des Großherzogtums, denn Staus sind für viele längst zur täglichen Nervenprobe geworden. Laut der jüngsten Auswertung des Verkehrsdaten-Dienstleisters Inrix standen Luxemburgs Autofahrer im Jahr 2024 durchschnittlich rund 55 Stunden im Stau – das sind fast sieben Arbeitstage im Jahr, die im Verkehrschaos „verloren“ gehen.
Wer seinem Ärger darüber Luft macht, richtet den Blick meist auf die drei notorisch überlasteten Verkehrsachsen, die vor allem von Grenzgängern stark genutzt werden: die A4, die A3 und die A6. Doch auch in und aus Richtung Norden wächst das Problem. Fragen Sie nur jene, die im Norden Luxemburgs noch eine halbwegs erschwingliche Wohnung gefunden haben, aber täglich in die Hauptstadt pendeln müssen.
Besonders chaotisch ist die Lage rund um Ettelbrück. Kurz davor mündet die „Nordstrooss“, also die A7, in die Europastraße N7. Von einer vierspurigen Autobahn geht es hier auf eine zweispurige Nationalstraße mit Tempo 70 – inklusive einer Auffahrt direkt hinter dem Autobahnende. Wer hier am Feierabend durchrollen will, braucht Geduld. Auch morgens in Richtung Hauptstadt kommt es regelmäßig zu langen Rückstaus, die manchen Pendler an den Rand der Verzweiflung bringen.
Viele versuchen daher, die N7/A7 zu meiden, und weichen über Schleichwege durch die Gemeinden Schieren, Colmar-Berg und Ettelbrück aus. Das führt wiederum zu mehr Verkehr, Lärm und Abgasen in den betroffenen Dörfern – eine Belastung, die erst nach dem Bau der A7 so richtig in den Fokus rückte, von Kritikern aber schon früh befürchtet wurde.
Im Gespräch mit dem Tageblatt sagte der damalige Bürgermeister von Colmar-Berg, Christian Miny, bereits im Juni 2020: „Anfangs haben wir die Nordstraße begrüßt, doch vor allem in den letzten beiden Jahren hat sich gezeigt, dass der ‚Trichter’ zwischen Colmar-Berg und Schieren, die katastrophale Verkehrslage rund um Ettelbrück und in Richtung Feulen/Bastogne sowie das stetig wachsende Verkehrsaufkommen Tag für Tag Hunderte von Autofahrern dazu bewegen, die Nordstraße vor dem genannten ‚Trichter’ zu verlassen – und zwar auf Roost. Von dort aus schlängelt sich die Blechlawine durch unsere Ortschaften und über enge Landstraßen Richtung Norden. Was fehlt, ist der Ausbau der Nordstraße ab der Verengung sowie der seit Jahren dringend notwendige Bau einer Entlastungsstraße Ettelbrück-Feulen.“
Seit Jahren wird nun schon an Plänen für ein „Contournement de proximité“ (Ortsumfahrung) rund um Ettelbrück gearbeitet. Doch einen konkreten Zeitplan für den Bau gibt es bislang nicht. Droht nun das gleiche jahrzehntelange Gezerre wie beim Bau der A7 – begleitet von politischem Wegducken? Den betroffenen Anwohnern ist das kaum zuzumuten. Zumal die Situation sich während der Bauzeit wohl eher verschärfen als entspannen dürfte.
Einen ersten Vorgeschmack darauf gab es bereits am vergangenen Wochenende: Wegen Instandsetzungsarbeiten war die Strecke zwischen der N7-Abfahrt nach Erpeldingen und der Auffahrt auf die A7 bei Colmar-Berg komplett gesperrt. Der Umweg über Ettelbrück, Schieren und Colmar-Berg kostete fast 45 Minuten – und das an einem Sonntag mitten im verkehrsarmen Sommer. Was das erst im Alltagsverkehr bedeuten wird, davor kann einem jetzt schon grauen.