Editorial
Es braucht mehr Einsatz für eine „Génération sans tabac“
Eigentlich müsste Luxemburg dem Vorbild Großbritanniens folgen und EU-Pionier in Sachen rauchfreier Generation werden – wenn nicht die Abhängigkeit von den Steuereinnahmen wäre.
Die letzte Kippe: In Großbritannien wird eines Tages niemand mehr alt genug sein, um noch Zigaretten kaufen zu dürfen Foto: Editpress/Julien Garroy
In der vergangenen Woche hat das britische Parlament ein historisches Gesetz verabschiedet: Ab 2027 wird das gesetzliche Mindestalter für den Verkauf von Tabakwaren im Vereinigten Königreich jedes Jahr um ein Jahr angehoben – ausgehend von der aktuellen Altersgrenze von 18 Jahren. In der Realität bedeutet das: Eine Person, die am oder nach dem 1. Januar 2009 geboren wurde, wird ihr gesamtes Leben lang in Großbritannien niemals legal Tabak kaufen können. Die Politik geht damit einen großen Schritt, um das zu schaffen, was viele zivilgesellschaftliche Organisationen schon lange fordern: eine rauchfreie Generation.
In Großbritannien gibt es also in Zukunft eine dauerhafte Trennlinie zwischen den Generationen: Alle, die vor 2009 geboren wurden, dürfen weiterhin Zigaretten kaufen. Alle anderen nicht. Das heißt, dass der Anteil der Menschen, die rauchen dürfen, auf natürliche Art und Weise mit jedem Jahr kleiner werden wird – bis eines fernen Tages kein einziger Brite mehr leben wird, der noch legal Zigaretten oder Tabak kaufen könnte.
Was recht kompliziert klingt, ist tatsächlich ein ziemlich geniales Gesetzesprojekt. Denn alle, die schon einmal versucht haben, mit dem Rauchen aufzuhören, wissen, wie schwer kalter Entzug ist. Statt eines sofortigen und allgemeinen Verbots, das sehr wahrscheinlich Konflikte und Proteste geschürt hätte, entscheidet man sich also für eine schleichende Entwöhnung. Rauchen wird langsam aber sicher aus der Öffentlichkeit verschwinden.
Nikotinpflaster für Steuereinnahmen gesucht
Auch Luxemburg hat sich zum Ziel gesetzt, die durch Tabakkonsum bedingte Sterblichkeitsrate bis 2040 langfristig zu reduzieren. Das ist bewusst vager formuliert als das konkrete Ziel der EU, bis 2040 eine „tabakfreie Generation“ heranziehen. Und auch das ist eigentlich eine Beschönigung, ist damit doch gemeint, dass bis 2040 weniger als fünf Prozent der EU-Bevölkerung Tabak konsumieren sollen. Kein britisches Modell also.
Aber genau diesem Vorbild sollten Luxemburg und die EU folgen, wenn sie das Ziel der „Génération sans tabac“ wirklich ernst nehmen. Noch könnte Luxemburg Pionier in Europa werden, womit man sich in anderen Bereichen doch so gerne schmückt. Vor allem weil die EU-Kommission schon sehr bald die nationalen Tabaksteuern vereinheitlichen könnte – und damit die Sonderstellung Luxemburgs als Tabakladen der Großregion sowieso bald zu Ende sein könnte. Noch stellt sich die CSV/DP-Regierung samt Finanzminister Roth gegen diese Pläne aus Brüssel. Es gibt eben kein schnelles Nikotinpflaster für Abhängigkeit aus Steuereinnahmen.
Sich von eben dieser Abhängigkeit die Politik diktieren zu lassen, ist jedoch fahrlässig. Denn die Bevölkerung tickt längst anders. Erste Reaktionen aus Großbritannien, aber auch Erfahrungen aus den von der Fondation-Cancer-Initiative „Génération sans tabac“ zur „Commune sans tabac“ gekürten Gemeinden in Luxemburg zeigen: Es gibt eine breite gesellschaftliche Basis für die rauchfreie Generation – und die besteht bei Weitem nicht nur aus überzeugten Nichtrauchern.
Für die Politik wird es also höchste Zeit zu handeln, denn neben dem klassischen Zigarettenkonsum zieht schon ein neues Generationen-Problem am Horizont auf, es ist der Dampf der Vapes und E-Zigaretten, die sich besonders unter Jugendlichen immer weiter verbreiten. Laut aktueller Zahlen der Fondation Cancer nutzen mehr als ein Viertel der 16- bis 24-Jährigen hierzulande E-Zigaretten.