Editorial
Einzelhandel: Wenn Träume platzen
Das diesjährige Weihnachtsgeschäft ist vorbei: Der Luxemburger Einzelhandel steht auch in den nächsten Monaten vor großen Herausforderungen. Foto: Editpress/Julien Garroy
Der Traum von einem eigenen Geschäft beginnt stets mit einer Idee. Dieser Traum birgt auch die Hoffnung in sich, nach einer gewissen Zeit von seiner Selbstständigkeit leben zu können. Doch der Einzelhandel hat es zurzeit nicht leicht und viele Unternehmer müssen dabei zusehen, wie ihr Traum langsam, aber sicher zu einem Luftschloss wird.
Bereits seit Jahren kaufen viele Verbraucher lieber online bei einem Internetriesen ein als beim „Buttek“ um die Ecke. Sicher, die Auswahl mag bei Ersterem größer sein als bei den inhabergeführten Läden. Vielleicht sind dort auch mehr Sonderangebote zu finden. Die kleinen Geschäfte müssen sich zudem gegen die Filialen bekannter Ketten durchsetzen. Große Einkaufszentren bedeuten zusätzliche Konkurrenz. Die Pandemie hat vielleicht die Wichtigkeit des lokalen Handels aufgezeigt, doch auch die bereits bestehenden Probleme noch vergrößert. Die Krisen der letzten Monate haben einiges zur Verschlechterung der Situation beigetragen.
Die selbstständig geführten Geschäfte haben dennoch etwas, womit weder große Marken noch die unzähligen Online-Anbieter aufwarten können: Sie besitzen Charme. Ihr Sortiment besteht nicht aus dem typischen Einheitsbrei, dort finden sich noch interessante Fundstücke mit dem gewissen Etwas. In den Innenstädten sorgen die sorgsam dekorierten Schaufenster für ein abwechslungsreiches Stadtbild.
Dennoch fragen sich gerade diese kleinen Läden momentan, wie es in Zukunft weitergehen soll. Laure Cales, Inhaberin des Secondhand-Ladens „Pilea“, hat sich in den letzten Wochen dazu entschieden, aufzuhören. Die hohen Mietkosten für das Geschäft, hohe Lebenshaltungskosten und immer weniger Menschen, die überhaupt die Zeit für einen Einkaufsbummel haben, sorgten schlussendlich dafür, dass sich die junge Frau beruflich neu orientieren wird. Damit ist sie nicht die Einzige, die in diesem Jahr das Handtuch werfen muss: Die Unverpacktläden „Ouni“ in Düdelingen und Luxemburg-Stadt haben im Oktober ihre Türen geschlossen. Ein weiteres wird folgen: Die Inhaberinnen des Modegeschäftes „Blossom“ haben beschlossen, dass nach vier Jahren harter Arbeit Schluss sein soll.
Die genannten Geschäfte gehören zu einer Reihe von Initiativen, die sich in den letzten Jahren einem nachhaltigeren Konsummodell verschrieben haben. Laut einer Studie hat sich in der Pandemie bei einem Drittel der Einwohner Luxemburgs das Konsumverhalten verändert. Diese Anzahl ist wohl nicht ausreichend genug, um solche neue Geschäftskonzepte am Leben zu erhalten.
Fest steht, dass in letzter Zeit eine Ansammlung von äußerst ungünstigen Faktoren dazu beigetragen hat, dass sich die Situation für die Geschäftsinhaber dermaßen zuspitzt und sie einen Schlussstrich ziehen müssen. Dabei tragen gerade solche selbstständig geführten Geschäfte dazu bei, dass unsere Innenstädte lebendig bleiben. Deswegen ist es gerade jetzt an der Zeit, dass die Kunden ihre Lieblingsgeschäfte weiter unterstützen – damit nicht noch weitere Träume platzen müssen.