Editorial
Eine Kandidatur, die Sinn macht: Der Luxemburger Basketball darf größer denken
Was vor zwei Wochen in Bartringen im Kleinen funktioniert hat, könnte 2029 in der Coque im ganz großen Rahmen wiederholt werden. Die U16-Europameisterschaft der Mädchen war nicht nur sportlich ein Erfolg, sondern auch ein überzeugender Test für eine mögliche Bewerbung Luxemburgs um die Austragung einer Vorrundengruppe der Frauen-EM.
Die Tribünen im Centre Atert in Bartringen waren während der U16-EM im August gut gefüllt Foto: Fern Konnen
Eine Europameisterschaft im eigenen Land – einige luxemburgische Verbände haben diese Herausforderung bereits erfolgreich gemeistert, so auch die FLGym. Im September 2022 organisierte der Turnverband in der Coque die EM im TeamGym, einer jungen, dynamischen Disziplin, die immer mehr an Beliebtheit gewinnt. Drei Jahre später folgten an gleicher Stelle die kontinentalen Meisterschaften in der Akrobatik. Beide Veranstaltungen stießen beim Publikum auf großes Interesse. Die Ränge in der Arena waren gut gefüllt, zahlreiche ausländische Fans waren ins Großherzogtum gereist. Auch organisatorisch hinterließ Luxemburg einen bleibenden Eindruck. Anders lässt sich kaum erklären, dass die FLGym vom europäischen Verband „European Gymnastics“ bereits den Zuschlag für eine weitere TeamGym-EM in zwei Jahren erhalten hat.
Und nur ein Jahr später, im Sommer 2029, könnte die Coque Schauplatz einer weiteren großen internationalen Meisterschaft werden. Längst ist es kein Geheimnis mehr, dass der Basketballverband FLBB eine Kandidatur für die Austragung einer Vorrundengruppe der Frauen-Europameisterschaft plant. Es wäre die erste Senioren-EM in einer der großen Mannschaftssportarten, die in Luxemburg ausgetragen würde.
Ein solches Event ist allerdings mit erheblichen Kosten verbunden. Entsprechend stellt sich die Frage, ob sich der Aufwand überhaupt lohnt. Würde eine EM genügend Zuschauer in die Coque locken? Und welchen Mehrwert hätte ein solches Turnier für Luxemburg und den Basketballverband? Einen Vorgeschmack darauf gab es vor zwei Wochen in Bartringen. Voraussetzung für eine EM-Kandidatur ist die vorherige Organisation einer Jugend-Europameisterschaft. Im August war das Centre Atert deshalb Austragungsort einer Gruppe der U16-EM (Division B) der Mädchen. Ein Turnier mit sechs Mannschaften, das die Erwartungen deutlich übertraf: Mehr als 2.200 Zuschauer fanden im Laufe der Woche den Weg nach Bartringen, im Schnitt rund 250 pro Spiel. Eine bemerkenswerte Zahl, wenn man bedenkt, dass Jugendturniere dieser Größenordnung andernorts nicht selten vor einer Minimalkulisse stattfinden. Auch bei den Verantwortlichen von „FIBA Europe“ dürfte diese Resonanz Eindruck hinterlassen haben.
Das U16-Turnier war damit nicht nur Werbung für den luxemburgischen Basketball, sondern auch für eine mögliche EM-Kandidatur. Dass die Zuschauer für Europameisterschaftsspiele in die Coque kommen würden, darf durchaus angenommen werden – zumal attraktive Gegner wie Belgien oder Frankreich warten könnten. Sportlich wäre das luxemburgische Team als Gastgeber automatisch qualifiziert. Und diesen Platz hätte es mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre durchaus verdient. In drei Jahren könnten Spielerinnen wie die Etute-Schwestern Ehis und Isi oder Dionne Madjo mit reichlich College-Erfahrung zum Kader gehören. Dazu käme eine dann 29-jährige Anne Simon, die sich im besten Basketballalter befinden dürfte.
Deshalb sollte man auch nicht zu viel Gewicht auf die kommenden Duelle mit dem Weltklasseteam Frankreich legen, die Luxemburg im November und Februar mit einem reduzierten Kader bestreiten wird. Für die weitere Entwicklung des luxemburgischen Frauenbasketballs wäre die Austragung einer EM-Vorrundengruppe jedenfalls Gold wert und jeden Cent wert.