Forum von Terri Allington
Die halbherzige Umsetzung von „Ask for Angela“ beim LOA-Festival wirft Fragen auf
Warum die Schutzinitiative „Ask for Angela“ am LOA-Festival mehr als ein Marketingversprechen sein muss: Ein kritischer Blick auf Sicherheitsmaßnahmen, Verantwortlichkeiten der Veranstalter und den Umgang mit Betroffenen bei Großveranstaltungen in Luxemburg.
Foto: Vincent Lescaut/L'essentiel
Tageblatt-Journalistin Sandra Schmit äußerte bereits vor dem Festival Bedenken hinsichtlich der Zurückhaltung des LOA, „Ask for Angela“ vollständig umzusetzen. Diese Bedenken hätten ernst genommen werden müssen, insbesondere nach der Berichterstattung über zwei mutmaßliche Vergewaltigungen im Zusammenhang mit dem Festival 2024 – von denen ein Fall zu den Akten gelegt wurde, aber in einem weiteren Fall inzwischen ein Mann in Untersuchungshaft sitzt.
Nun, da das LOA vorbei ist, stellt sich eine wichtige Frage: Welche Verantwortung im Bereich Schutzmaßnahmen tragen Veranstalter großer Events in Luxemburg?
„Ask for Angela“ ist eine Schutzinitiative, die Menschen dabei helfen soll, unkompliziert Unterstützung zu erhalten, wenn sie sich unsicher oder belästigt fühlen – indem sie einfach fragen, ob Angela arbeitet. Die Initiative existiert, weil viele Betroffene sich nicht in der Lage fühlen, offen um Hilfe zu bitten. Es handelt sich nicht um einen Slogan oder ein Marketingkonzept, sondern um eine strukturierte Schutzmaßnahme.
Kein Festival kann absolute Sicherheit garantieren. Wenn die Organisatoren des LOA jedoch öffentlich auf Sicherheitsinitiativen wie „Ask for Angela“ oder den „Angel Shot“ Bezug nehmen, dürfen Besucherinnen und Besucher erwarten, dass dahinter auch konkret strukturierte Schutzmaßnahmen stehen: Schulungen, Eskalationsverfahren, Verantwortlichkeiten sowie klare Leitlinien für Mitarbeitende und Freiwillige.
Eine unserer Freiwilligen sprach beim LOA diskret drei verschiedene Bars unter Verwendung des Angela-Codeworts an. In zwei der drei Fälle erkannten die Mitarbeitenden nicht, dass unsere Freiwillige damit um Hilfe bat. Das sollte alle beunruhigen.
Das LOA hatte die Möglichkeit, als erste große Veranstaltung in Luxemburg, die öffentlich auf ,Ask for Angela‘ Bezug nahm, eine echte Vorreiterrolle im Bereich Festival-Schutzmaßnahmen einzunehmen
Ich fand es außerdem bedenklich, dass LOA meine LinkedIn-Kommentare entfernte (und mich einer der Organisatoren blockierte), nachdem ich öffentlich Bedenken bezüglich der Schutzmaßnahmen geäußert und Fragen zur praktischen Umsetzung der Initiative gestellt hatte. Meiner Ansicht nach sollten große Veranstaltungen über Schutzrichtlinien und entsprechende Verfahren verfügen. Ist dies der Fall, sollten Organisatoren in der Lage sein, auf Fragen und Bedenken souverän einzugehen, anstatt die Person zu blockieren, die sie anspricht.
Zur Person
Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Terri Allington ist Präsidentin der „Ask for Angela (Luxembourg) ASBL“.
Schutzmaßnahmen brauchen Struktur
Das LOA hatte die Möglichkeit, als erste große Veranstaltung in Luxemburg, die öffentlich auf „Ask for Angela“ Bezug nahm, eine echte Vorreiterrolle im Bereich Festival-Schutzmaßnahmen einzunehmen. Umso enttäuschender ist daher die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Kommunikation und der praktischen Umsetzung.
Die Veranstaltungsorte und Events, die sich derzeit „Ask for Angela Luxembourg“ anschließen, verstehen, dass Schutzmaßnahmen strukturell verankert sein müssen und nicht nur symbolischen Charakter haben dürfen. Niemand erwartet Perfektion. Wenn Probleme auftreten, arbeiten wir konstruktiv mit unseren Mitgliedern zusammen, um Systeme und Reaktionen zu verbessern und gewonnene Erkenntnisse an alle Mitglieder weiterzugeben. Wir sind überzeugt, dass wirksame Schutzmaßnahmen auf einer soliden Umsetzung, Transparenz, Ehrlichkeit und der Bereitschaft beruhen, sich ernsthaft mit Kritik und Nachfragen auseinanderzusetzen.
Anmerkung
Das Tageblatt schätzt den Austausch mit seinen Leserinnen und Lesern und bietet auf dieser Seite Raum für verschiedene Perspektiven. Die auf der Forum-Seite geäußerten Meinungen sollen die gesellschaftliche Diskussion anstoßen, spiegeln jedoch nicht zwangsläufig die Ansichten der Redaktion wider.