Forum von Franz Fayot und Olivier Bichel

Heiße Luft statt grüner Ideen

Heiße Luft statt grüner Ideen

Foto: Editpress/Julien Garroy

Die Aussage der Bürgermeisterin der Stadt Luxemburg, es wäre nicht nötig, die Stadt weiter zu begrünen, war ein Offenbarungseid, auch wenn Frau Polfer ein paar Tage später, infolge des öffentlichen Aufschreis, versuchte zurückzurudern, indem sie die Presse beschuldigte, sie falsch zitiert zu haben. Frau Polfer macht nämlich Politik wie in den 1980er Jahren, als Klimawandel für Leute ihrer Zunft noch zur „Science-Fiction“ gehörte.

Zur Person

Heiße Luft statt grüner Ideen

Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Franz Fayot ist LSAP-Abgeordneter und Einwohner der Gare.

Gäbe man den Platz den Einwohnern zurück, wäre damit besser aufgeräumt als mit allen Platzverweisen

Seit Jahren ist jedoch hinlänglich bekannt, dass der Klimawandel Städte vor besonders große Herausforderungen stellen wird: Es wird zum einen immer wärmer, zum anderen wird es häufiger zu Starkregenereignissen kommen. Wie schlecht die Stadt Luxemburg mit ihren zubetonierten Plätzen, auch solchen, welche sehr rezent gebaut wurden, wie der Knuedler, der Pariser Platz oder noch der Thorn-Platz in Merl, auf diesen Wandel vorbereitet ist, wurde mit der Hitzewelle von Juni eindrucksvoll bewiesen: In vielen Orten der Stadt konnte man sich schlichtweg nicht mehr aufhalten, an erster Stelle in besagten Betonwüsten.

Leider wurden unsere öffentlichen Plätze konzipiert, um rund ums Jahr Rummelplätze und Christmas Markets dort aufbauen zu können, zur Belustigung der Touristen und der Besucher der Stadt. Insofern sind sie ein Sinnbild für eine Politik, die sich nicht um die Anliegen der Bewohner der Stadt schert, insbesondere jener, die keinen Garten haben, in dem sie sich unter einem Baum abkühlen können, sondern primär und konsequent deren Disneylandisierung weitertreibt.

Hauptsache, wir amüsieren das Volk!

Die Reaktion des Schöffenrats der Stadt Luxemburg bestand dann auch darin, letzte Woche ein Begrünungskonzept aus der Schublade zu ziehen, welches seit ein paar Jahren in der Mache war und in dem 37 Standorte identifiziert wurden, bei welchen „erhöhter Handlungsbedarf für eine Begrünung besteht“, wie es die Journalistin Sarah Pepin im Land vom 10.7.2026 schreibt. Die angedachten Begrünungslösungen sind jedoch allesamt eher provisorisches Gebastel: Man arbeitet mit Bäumen- und Pflanzenkübeln, beispielsweise an der place de France auf Belair, oder mit einem „Selfie-Spot“ und einem Open Air Foodcourt auf dem Platz Léon XIII in Bonneweg – welchen Zusammenhang es da mit der Adaptation an den Klimawandel gibt, bleibt rätselhaft. Aber: Hauptsache, wir amüsieren das Volk!

Zwei Denkanstöße

In der Folge geben wir zwei Denkanstöße, um unsere Stadt auch in der Klimakrise lebenswert zu gestalten: Erstens sollte man den Bürgern zuhören, wenn sie sich in die Planung eines öffentlichen Platzes oder eines Viertels einbringen, und nicht bloß Scheinpartizipationen organisieren, wie dies die Gemeindeverantwortlichen schon seit Jahrzehnten tun. Einer der Autoren war vor einer Reihe von Jahren anwesend, als die Bürger des Garer Viertels in einer „Bürgerversammlung“ zur Planung des Pariser Platzes geladen wurden, mit den unvermeidlichen „Post-its“ und aufmerksam zuhörenden Beamten. Sehr schnell wurde einem jedoch klar, als eben gerade von den Menschen des Viertels mehr Begrünung und mehr Bäume verlangt wurden, dass die Betonwüste schon vor der Veranstaltung längst geplant war und das Ganze nur zum Vorwand abgehalten wurde. Wahre Bürgerbeteiligung sieht anders aus.

Entlang des Boulevard Dr Charles Marx, unweit der Garer Péitruss, gibt es nämlich schon eine Baumallee, welche man durch einen grünen Gürtel mit Gärten, Bäumen usw. bis auf Höhe der Straßburger Straße verlängern könnte

Zweitens gibt es Lösungen, diese erfordern allerdings einen Bruch mit der seit Jahrzehnten vorhandenen altbackenen DP-Politik, wenn es um das Stadtbild geht: Die Hauptlösung hieße nämlich, Leben zuzulassen! In Städten wie Stuttgart oder Wien werden urbane Gärten eingerichtet, werden sogenannte „Cooling-Spots“, also kleine begrünte Squares, entwickelt, wo Menschen sich aufhalten können. Luxemburg hat eine Tradition im Gartenbau, die Stadt ist umgeben von „cités jardinières“ und von Schrebergärten, im Péitruss-Tal, in Bonneweg, im Rollingergrund, in der Millebaach, in Beggen usw. Auf dieses Wissen und diese Tradition könnte man aufbauen, um auch in den dichteren Vierteln der Stadt, Orte, welche im Besitz der Gemeinde oder des Staats sind, der Nachbarschaft wieder grüne Orte zur Verfügung zu stellen. Und außerdem den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken, wie die Journalistin Sarah Pepin richtigerweise bemerkt.

Ein ganz konkretes Beispiel, wie man dies angehen könnte, befindet sich im Garer Viertel. Dort leiden dessen Einwohner jetzt seit mehr als einem Jahr (!) unter der komplett unsinnigen Schließung ihres Naherholungsgebiets im unteren Teil des Péitrusstals. Zeitgleich mit dem Anfang der LUGA im Mai 2025 wurde nämlich unverständlicherweise der Sportplatz an der Péitruss, der Weg mit den beiden Baumalleen, bis zur Neuen Brücke, komplett abgeriegelt, so dass die Bewohner der Gare keinen Zugang zu ihrer Péitruss mehr haben, in welcher viele Menschen ihren Hund spazieren führten, joggen gingen, Sport machten oder sich einfach erholten. Davon wird im Rahmen der „Renaturierung“ der Péitruss und des „Begrünungskonzepts“ der Stadt Luxemburg überhaupt nicht geredet. Abschluss der Arbeiten nicht in Sicht, sicherlich nicht mehr in diesem Sommer.

Mit etwas Kreativität könnte man diesem Verlust an Lebensqualität der Garer jedoch ziemlich einfach und kurzfristig begegnen: Entlang des Boulevard Dr Charles Marx, unweit der Garer Péitruss, gibt es nämlich schon eine Baumallee, welche man durch einen grünen Gürtel mit Gärten, Bäumen usw. bis auf Höhe der Straßburger Straße verlängern könnte. Denn die Parzellen entlang des Boulevard Dr Charles Marx gehören alle, mit einer Ausnahme, der Gemeinde Luxemburg und dem Staat – und alle liegen sie derzeit brach. Außerdem würde man damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, da sich an diesem Ort zurzeit in der Hauptsache Drogendealer und ein paar Prostituierte aufhalten.

Gäbe man den Platz den Einwohnern zurück, wäre damit besser aufgeräumt als mit allen Platzverweisen.

Anmerkung

Das Tageblatt schätzt den Austausch mit seinen Leserinnen und Lesern und bietet auf dieser Seite Raum für verschiedene Perspektiven. Die auf der Forum-Seite geäußerten Meinungen sollen die gesellschaftliche Diskussion anstoßen, spiegeln jedoch nicht zwangsläufig die Ansichten der Redaktion wider.

1 Kommentare
Nando 16.07.202619:59 Uhr

Es ist so mühsam, die mangelnde Voraussicht der Politiker mitzuerleben, die Zeichen einer Erwärmung in Europa sind seit vielen Jahren erkannt. Wenn man jetzt eine jahrelang verstaubte Studie aus der Schublade zieht, die dies ein Affront gegenüber der Bürger der Stadt. DP und CSV passen ja gut zusammen, bewegen in Richtung Klimakrise sind sie erbärmlich.

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