Editorial

Die Tücken der Elektromobilität

Die Tücken der Elektromobilität

Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Energieminister Claude Turmes und Mobilitätsminister François Bausch lassen sich gerne bei der Einweihung von neuen Super-Chargy-Ladestationen fotografieren, so wie zum Beispiel am 1. September in Hosingen. Zum einen ist es normal, dass Politiker im Wahlkampf jede Gelegenheit nutzen, um abgelichtet zu werden, zum anderen schmücken sie sich natürlich (auch das ist nur allzu menschlich) mit den Erfolgsnachrichten aus ihren Bereichen, besonders wenn es um ein so „gehyptes“ Thema wie die Elektromobilität geht.

Ein elektrisches Auto zu fahren, bringt in der Tat viele Vorteile mit sich. Das Fahren ist angenehmer als in einem Benziner oder Diesel: geräuschärmer, schadstofffrei und (bis jetzt noch) billiger. Leider birgt die Elektromobilität auch Tücken, die noch viele davor abschrecken, sich ein E-Auto zuzulegen. Erstens gibt es einen höheren Anschaffungspreis: Ein Verbrenner ist kurzfristig gesehen viel günstiger. Zweitens die Ladezeiten: Man fährt nun mal nicht kurz an die Tanke und lädt schnell seinen Wagen auf. Das kann unter Umständen einige Stunden dauern. Die erwähnten Super-Chargy-Ladestationen schaffen hier zwar Abhilfe, doch auch hierbei ist das Laden kein Vorgang von nur ein paar Minuten.

Und dann gibt es eine Kategorie von Problemen, die nicht nur aktuelle Besitzer von E-Autos vergraulen, sondern auch potenzielle Umsteiger dazu verleiten können, sich weiter dagegen zu entscheiden.

Wie wir am Donnerstag berichteten, hat die Chargy-Infrastruktur Netzwerkprobleme. Ein Beispiel dafür, dass Firmenübernahmen nicht immer ganz reibungslos verlaufen. Und falls die Probleme schon vorher existierten, ist die Sache umso fragwürdiger. So oder so könnte die mangelnde Transparenz der Chargy-Verantwortlichen für potenzielle Umsteiger eher ein Argument dafür sein, der Infrastruktur erst mal nicht zu vertrauen. Dass der Energieminister noch vor einem Monat behauptete, die Übernahme des Chargy-Dienstleisters durch eine Encevo-Tochtergesellschaft habe quasi keine Konsequenzen für den luxemburgischen Verbraucher, stimmt bedenklich. Wurde der Minister falsch informiert?

Doch damit nicht genug: E-Auto-Besitzer werden noch mancherorts damit vergrault, dass Chargy-Stationen auf kostenpflichtigen Parkplätzen installiert werden, wo sie also zusätzlich zum Aufladen noch ein Parkticket bezahlen müssen. In dem uns bekannten Fall in Differdingen wollten die Verantwortlichen damit vermeiden, dass die Ladestationen-Plätze länger besetzt sind als notwendig und als billige Stellplätze missbraucht werden. Anstatt nun die wenigen schwarzen Schafe durch verstärkte Kontrollen zu ahnden, werden damit alle Elektroautobesitzer bestraft. Das ist ungefähr so, als wenn man an einer normalen Tankstelle zuerst mal Eintritt bezahlen müsste, um tanken zu dürfen.

Die erwähnten Probleme haben nichts mit Elektroautos an sich zu tun, sondern mit den Dienstleistern rund um das System. Mangelnde Transparenz und mangelndes Verständnis für die Empfindlichkeiten der Benutzer spielen prinzipiellen Gegnern von alternativen Fortbewegungsmitteln in die Karten.

0 Kommentare
Das könnte Sie auch interessieren