Editorial
Die Chance ihres Lebens – Geld im College-Sport
Im College-Sport wird mittlerweile sehr viel Geld verdient. Davon profitieren auch ein paar Luxemburgerinnen, schreibt Dan Elvinger in seinem Editorial.
Ehis Etute läuft derzeit für die University of Oregon auf Foto: University of Oregon
Seit Montag spielt die Basketball-College-Welt in den USA verrückt. Das Transfer-Portal hat begonnen. Spieler und Spielerinnen können jetzt offiziell von einem College zum anderen wechseln und lebensverändernde Erträge erzielen.
Die drei Luxemburgerinnnen, die kommende Saison in der NCAA (National Collegiate Athletic Association) für Spitzen-Universitäten auflaufen werden, sind davon derzeit nicht betroffen. Laut aktuellem Stand der Informationen planen Ehis Etute (University of Oregon), Isi Etute (University of Texas) und Isa Hämäläinen (University of Colorado) keinen Wechsel mehr.
Doch auch sie profitieren von einer Revolution, die 2021 gestartet wurde. In diesem Jahr kam es zu einem historischen Wendepunkt. Seitdem ist es Sportlern nämlich erlaubt, am College Geld zu verdienen. Die romantisierte Bühne des Amateurismus wurde in jenem Jahr zu einem milliardenschweren System.
Möglich macht dies das sogenannte NIL („Name, Image, Likeness“). Athleten können seitdem am eigenen Namen, ihrem Bild und ihrer Marke mitverdienen. Die Konsequenz ist, dass die Zahlungen an die Spieler seitdem in die Höhe schießen. Topverdiener bei den Basketball-Männern ist in diesem Jahr AJ Dybantsa von der Brigham Young University, der rund 4,2 Millionen US Dollar pro Jahr erhalten soll. Bei den Frauen liegen die Spitzenverdiener bei rund 1,5 Millionen US-Dollar für eine Saison.
Und auch die Luxemburgerinnen profitieren von diesem System. Besonders wichtige Spielerinnen verdienen an den Spitzen-Colleges, an denen das Trio aktiv ist, mehrere Hunderttausend Euro pro Jahr. Wenn man sich also besonders geschickt anlegt, kann man nach College-Abschluss bereits Besitzer einer Immobilie im Großherzogtum sein.
Für die Athleten hat diese Reform eigentlich nur Vorteile. Sie können endlich von den Einnahmen profitieren, welche die Universitäten durch ihre sportlichen Leistungen erzielen. Und diese sind teilweise in einer fast unvorstellbaren Größenordnung.
Der College-Sport selbst sieht das teilweise anders. Für Kritiker ist es der Anfang vom Ende. Die Kader der Teams verändern sich fast jedes Jahr, weil die Spieler nach dem bestmöglichen Deal Ausschau halten. Die Identität kann verloren gehen und damit auch langjährige Traditionen, die an den US-amerikanischen Bildungseinrichtungen hochgehalten werden.
Sogar Donald Trump mischt sich jetzt ein. Vor einer Woche unterschrieb der US-Präsident eine sogenannte „executive order“, die den College-Sport regulieren soll. Unter anderem sollen NIL-Zahlungen begrenzt und die Zahl der Transfers eingeschränkt werden. Wahrscheinlich wird dieser Präsidialerlass jedoch durch ein Gericht geblockt werden, da es sich bei der NCAA um eine private Organisation handelt – wie die NBA oder die NFL.
Wie und ob dieser Markt in Zukunft reguliert werden kann, ist derzeit noch nicht bekannt. Vor allem für die Frauen bietet er jedoch eine sehr willkommene Gelegenheit, noch vor dem Start der Profikarriere finanziell vorzusorgen. Denn wer es nicht in die Belle Etage des Profibereichs schafft, muss sich mit eher kleineren Gehältern herumplagen. Das ist auch heute noch immer die Realität vieler Frauen im Sport.