Editorial

Ausländerregelung im Basketball: Neue Regel, alte Diskussionen

Der Luxemburger Basketball hat eine neue Ausländerregelung. Die Hoffnung dahinter: mehr Chancen für luxemburgische Talente. Doch der Schuss könnte nach hinten losgehen – und lenkt den Blick auf eine grundsätzlichere Frage.

Nationalspieler Clancy Rugg enttäuscht von neuer Regelung im Fußball, die seine Chancen beeinträchtigt

Nationalspieler Clancy Rugg ist einer der Verlierer der neuen Regelung Foto: Editpress/Gerry Schmit

Die außerordentliche Generalversammlung des nationalen Basketballverbandes FLBB führte vor zwei Wochen zu einer großen Überraschung. Mit knapper Mehrheit von 53 Prozent entschieden sich die luxemburgischen Basketballvereine für eine neue Ausländerregelung – eine Entscheidung, die sowohl bei vielen Klubs als auch bei den Verantwortlichen der FLBB für erstaunte Gesichter sorgte.

Wenn im luxemburgischen Basketball von „Ausländern“ gesprochen wird, geht es um die sogenannten Non-JICL-Spieler. Gemeint sind damit Spieler, die nicht vor ihrem 16. Lebensjahr bei der FLBB oder einem anerkannten Sportverband lizenziert waren oder zwischen dem 16. und 21. Lebensjahr nicht während mindestens drei Spielzeiten im Besitz einer Lizenz eines FLBB-Klubs waren. Seit 2012 wird zwischen JICL („Joueur inscrit dans un club luxembourgeois“) und Non-JICL-Spielern unterschieden. Besonders betroffen waren Spieler, die erst später – etwa aus beruflichen Gründen – nach Luxemburg kamen und dadurch kaum die Möglichkeit hatten, ihren Sport auf höchstem Niveau auszuüben.

In den Anfangsjahren einigten sich die Vereine im Rahmen eines sogenannten „Gentlemen’s Agreement“ auf maximal drei Non-JICL-Spieler, von denen nur zwei Profis sein sollten. Diese Absprache funktionierte lange Zeit, wurde im Laufe der Jahre jedoch immer weiter ausgereizt, bis schließlich regelmäßig drei Profis gleichzeitig auf dem Spielfeld standen. Vor zwei Jahren wurde deshalb der Profi-Status offiziell eingeführt. Fortan gab es zwei Kategorien von Non-JICL-Spielern: Profis und Nicht-Profis. Von jeder Gruppe durften seither zwei eingesetzt werden. Grundsätzlich galt diese Reform als sinnvoll, weil sie der Realität der luxemburgischen Gesellschaft mit ihrem hohen Ausländeranteil besser entsprach.

In den vergangenen Monaten nahm die Kritik an diesem System allerdings zu. Viele Vereine hatten inzwischen regelmäßig vier Non-JICL-Spieler gleichzeitig auf dem Feld stehen. Sorgen bereitete einigen Klubs, dass die Kriterien eines Nicht-Profis nicht klar genug definiert waren und „Schummeln“ somit zu einfach sei. Andere bemängelten, dass der luxemburgische Basketball so zunehmend junge einheimische Spieler verliert. Zahlreiche Meisterschaftsspiele würden deswegen nur noch vor einer Minimalkulisse stattfinden.

Somit kam es vor zwei Wochen dann zur radikalen Kursänderung. Der Profi-Status wurde abgeschafft, ab der kommenden Saison dürfen nur noch zwei Non-JICL-Spieler gleichzeitig eingesetzt werden – insgesamt vier auf dem Spielerbogen. Viele sehen darin eine neue Chance für den luxemburgischen Basketball und insbesondere für junge lokale Talente.

JICL-Spieler werden in Zukunft auf jeden Fall heiß begehrt sein. Für sie dürfte so mancher „große Verein“ dann auch den Geldbeutel öffnen. Ob es jedoch jedem Klub entgegenkommen wird, wenn junge luxemburgische Talente künftig mit hohen Summen bezahlt werden, bleibt abzuwarten. Denn bereits in dieser Saison wurde deutlich, dass viele Vereine mit kleinen Kadern antreten mussten, weil es schlicht zu wenige JICL-Spieler für zwölf Erstligamannschaften gibt. Stellt sich also nicht vielmehr die Frage, ob die für ein Land wie Luxemburg doch sehr hohe Anzahl an Erstligisten selbst ein Problem darstellt?

Eines dürfte schon jetzt sicher sein: Die Diskussionen werden auch in der kommenden Saison weitergehen.

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