Editorial

Die Sorgen junger Menschen um die eigenen vier Wände

Wo und wie werde ich wohnen, in meinen eigenen vier Wänden? Diese existenzielle Frage stellen sich viele junge Menschen.

Wo und wie werde ich wohnen, in meinen eigenen vier Wänden? Diese existenzielle Frage stellen sich viele junge Menschen. Foto: Fabian Sommer/dpa

Ferien. Endlich mal wieder die ganze Familie beisammen. Zeit für längere, tiefere Gespräche. Was ihre Wohnungsperspektiven anbelangt, zeigen sich unsere Töchter eher resigniert. Das ist erschreckend und stimmt traurig. Wo werden wir wohnen? Wie werden wir wohnen? Auf diese Fragen können Mutter und Vater keine vollumfängliche Antwort geben. Schuldgefühle kommen auf.

Der Urgroßvater der jungen Menschen hat Ziegel gebacken und sein Haus so wirklich fast selbst gebaut. Ihr Großvater hatte einen guten Job und konnte ein Haus kaufen. Bei Vater und Mutter war es schon nicht mehr ganz so einfach. Und dann steht beim Familienabend mit den Töchtern plötzlich der Elefant im Raum. Es geht nicht um Netflix- oder Handy-Abo oder um das eigene Auto, nein, es geht den Töchtern um die Wohnungsfrage. Ihre Zukunft außerhalb vom Hotel Mama und Papa. In der eigenen Wohnung.

Die Frage sei nicht neu, sagt Redaktionskollege Philip Michel zu Recht und verweist auf ein Zitat vom früheren Minister und Abgeordneten Ernest Mühlen (CSV): „Luxemburg geht durch eine schwere Wohnkrise, welche sich durch einen akuten Mangel an Wohnraum jeglicher Art manifestiert.“ Das war 1990. 33 Jahre später ist der Satz aktueller denn je.

Meine Töchter sind heute 21 und fast 23. Hat man sie und ihre Alterskollegen vergessen, beim Planen, Unterstützen ihrer Zukunft in eigenen vier Wänden – in Luxemburg? Beide erleben die Wohnungsfrage als große Belastung, als Stress. Was der Quadratmeter Lebensqualität kostet, erfahren sie und, ja, auch ihre Eltern zurzeit in ihren Unistädten Berlin und Brüssel.

Wenn dann die Töchter mit ihrem bescheidenen Taschengeld einen Bausparvertrag abschließen und ihn couragiert, aber homöopathisch speisen, dann können einem durchaus mal die Tränen kommen. Vor Bewunderung, ihres Optimismus wegen. Auch aus Trauer darüber, dass man sich nicht traut, ihnen zu sagen, dass ihr Bemühen, aus heutiger Sicht, unter Umständen weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein wert ist.

Unterm Strich loben wir natürlich die Ein- und Weitsicht unserer Töchter. In der Hoffnung, dass sich des, ihres, Themas politisch anders angenommen wird. Dass der Satz, den Kindern gehöre die Zukunft, auch bedeutet, dass sie gediegenen Raum haben, diese Zukunft lebenswert zu gestalten. In Luxemburg, nahe bei Mama und Papa.

Die „Assises du logement“, die gestern stattfanden, haben keine wirkliche Lösung für die Quadratur des Kreises in der Wohnungsfrage liefern können. Was junge Menschen anbelangt, gab es zwar die Beteuerung, mehr tun zu wollen (diese Angabe ist wie immer ohne Gewähr). Die Frage ist nur, was tun? In einer irrsinnigen Spirale von Angebot und Nachfrage treibt Spekulation Blüten, selbst bei Menschen, die so etwas nie im Sinn hatten.

Wie sagt ein bekannter Luxemburger Immobilienmakler: „Wer heute Geld hat, kann heute auf dem Wohnungsmarkt durchaus ein Schnäppchen machen.“ Das stimmt nicht beruhigend. Vor allem nicht für jene, die eben kein Geld haben. Das sagen auch meine Töchter. Sie sollen bei Kommunal- und Landeswahlen dieses Jahr daran denken. Das werden auch Mutter und Vater. Die Frage der Wohnungsnot ist nämlich vorrangig eine politische. Von der zukünftigen Regierung erwarten meine Töchter eine Antwort.

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