Editorial
Die Maske als Zeichen von Respekt
Viele Mundschutze werden achtlos irgendwo entsorgt – dabei sind sie ein Zeichen der Solidarität Foto: privat
Seit einem Monat herrscht in Luxemburg Mundschutzpflicht: Die viereckigen Überzüge für Nase und Mund gehören fast schon zum Alltag. Vergessen scheint die wechselhafte Einschätzung der Autoritäten von „Sie helfen nicht“ zu „Ein Mundschutz ist durchaus sinnvoll und wichtig für die Exit-Strategie“. Ähnlich sah die Situation bei der Anzahl der Masken aus: Zuerst waren gar keine vorhanden, dann erhielt jeder fünf Stück und mittlerweile ist das Angebot größer als die Nachfrage: In den nächsten Tagen erhält jeder Bürger 50 Exemplare. Es deutet alles darauf hin, dass der Mundschutz in den nächsten Monaten zu einem ständigen Begleiter für uns wird.
Lokale Initiativen bieten in den sozialen Medien selbst genähte Masken in allen möglichen Farbtönen und Mustern an. Wer möchte, kann die Masken wie ein Accessoire auf die Farbe der Kleidung abstimmen. Denn wenn der Mundschutz schon sein muss, dann soll er wenigstens gefallen. Nicht zu vergessen ist, dass auch Schals und Schlauchtücher erlaubt sind. Hier muss jeder für sich entscheiden, welche Möglichkeit am besten passt. Das Wichtigste ist, sich mit dem Tragen auseinanderzusetzen: Wie muss die Maske sitzen oder wann soll ich sie wechseln?
Wie viel Schutz die jeweiligen Masken tatsächlich bieten, hat für viel Diskussionsstoff gesorgt. Eine hundertprozentige Garantie gibt es nicht und oft wurde gemahnt, weiterhin den nötigen Abstand zu seinem Gegenüber zu wahren. Masken können auch ein falsches Sicherheitsgefühl geben. Dies ist oft in den Supermärkten zu beobachten: Die Kunden drängen sich – trotz Einlasskontrollen – bei denselben Lebensmitteln und vergessen die Barriere-Gesten.
Sicher, das Tragen einer Maske ist nicht sehr bequem: Es wird schnell heiß und nach spätestens einer Stunde sind wir froh, wenn wir sie wieder ablegen können. Wie unangenehm dies im Sommer wird, lässt sich nur erahnen. Zusätzlich sind beim Gesprächspartner keinerlei Emotionen im Gesicht erkennbar, das Reden und das Verstehen fallen schwerer.
Eine negative Auswirkung des Maskentragens ist, dass an vielen Stellen zu sehen ist, wie die Einwegexemplare achtlos auf den Boden oder in die Natur geworfen werden. Dabei sind die Mundschutze ein Zeichen des Respektes: Wir tragen sie aus Solidarität zu unseren Mitmenschen – so wie wir auch für gefährdete Personen Besorgungen erledigen. Vielleicht ist es manchen egal, wenn sie selbst an dem Virus erkranken. Doch es darf niemandem egal sein, jemand anderen dem Risiko einer Ansteckung auszusetzen.
Es ist wie beim Autofahren: Die bestehenden Verkehrsregeln sind nicht nur dazu da, uns selbst zu schützen, sondern auch die anderen Verkehrsteilnehmer. Es ist niemandem anzusehen, ob er das Virus in sich trägt oder nicht. Deswegen ist es wichtig, stets im Hinterkopf zu behalten, dass jeder den anderen anstecken kann. Auch ohne Symptome.