Editorial

Cannabislegalisierung: Der Berg kreißte und gebar eine Maus

 

  Foto: Editpress/Alain Rischard

Seit einer Woche darf Hanf zu Hause angebaut werden. Die Cannabislegalisierung war eines der großen Gambia-Projekte, doch heraus kam eine herbe Enttäuschung. Legale Schwierigkeiten bei der Umsetzung gäbe es, hieß es immer wieder, schließlich existieren internationale Konventionen, die das Rauschmittel verbieten. Fragt sich nur, wie es 23 US-Staaten geschafft haben, Marihuana für den Freizeitgebrauch zu legalisieren, in einem Land, das den Krieg gegen die Drogen erfand.

Bei uns darf nun jeder, der volljährig ist, zu Hause Marihuana konsumieren, vorausgesetzt, er hat es selbst angebaut. Also nur wer einen grünen Daumen hat, kann sich eine Tüte genehmigen. Im Grunde ist die Lösung genauso schlecht wie die oft kritisierte niederländische. Gegner einer Legalisierung zeigen oft mit dem Finger auf die Niederlande, mit dem Argument, dort habe die Kriminalität dadurch noch zugenommen. Das Problem dort ist allerdings, dass zwar jeder Cannabis kaufen und konsumieren darf, die Produktion aber nicht legalisiert wurde. So dürfen die Coffee-Shops den Stoff zwar legal verkaufen, müssen ihn aber auf dem Schwarzmarkt einkaufen.

In Luxemburg droht ein ähnliches Fiasko. Nicht jeder Kiffer wird Mühe und Zeit investieren, seine Pflanzen selbst zu Hause anzubauen, viele werden wohl weiterhin zum Dealer ihres Vertrauens gehen – und auch unter denjenigen, deren Gärtnerseele nun geweckt wurde, werden etliche nach den ersten misslungenen Versuchen aufgeben. Außer, man entdeckt ein neues Hobby für sich, werden wohl die wenigsten Menschen Zeit und Geld in eine lokale Miniproduktion investieren.

Mit der halbherzigen Vier-Pflanzen-Maßnahme lassen sich der illegale Markt und die damit verbundene Kriminalität nicht eindämmen. Hinzu kommt, dass es fast unmöglich wird, die Bestimmung überhaupt zu überwachen, es sei denn, der Polizei wird gestattet, in Privatwohnungen Pflanzenzählungen durchzuführen.

Offensichtlich geistert noch immer in den Köpfen der meisten Politiker die Meinung herum, dass man die Kontrolle darüber behalten muss, was die Menschen in ihrem Privatleben tun. Der Staat soll entscheiden, was gut und was schlecht ist. Einige Politiker zeigen sich sogar besorgt um die Gesundheit der Bevölkerung. Wenn sie das wirklich sind, müssten eigentlich viel mehr Maßnahmen gegen den öffentlichen Konsum der Volksdroge Nummer eins, Alkohol, ergriffen werden. Das „Centre national de prévention des addictions“ sagt klar und deutlich: „Cannabis verursacht keine Überdosierungen mit Todesfolge.“ Alkohol hingegen kann das sehr wohl.

Aber auch wenn man Drogen nicht gleich legalisieren möchte, gibt es einen Weg, die Kriminalität einzudämmen, wie Portugal es seit langem zeigt. Rauschmittel, ob Cannabis oder LSD, aber auch härtere Sachen wie Heroin wurden entkriminalisiert. Nutzer werden nicht mehr als Kriminelle behandelt, sondern müssen lediglich ein Bußgeld bezahlen. Das war vor 22 Jahren. Erfahrungen liegen vor, die Ausrede „erst mal abwarten und schauen, was es bringt“ gilt also nicht. Deshalb, um es à la John Lennon zu sagen: „Give weed a chance!“

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