Kommentar
Bei einer Messerattacke werden zwei Frauen angegriffen, eine stirbt – trotzdem schweigen die Behörden
Nach der tödlichen Messerattacke auf zwei Frauen in Luxemburg blieb die offizielle Kommunikation auffallend dürftig. Dabei hätten die Menschen Anspruch auf klare und verlässliche Informationen.
Limpertsberg, kurz nach der Tat am Dienstagnachmittag – auch am Mittwochmorgen ist kaum etwas über den Hergang bekannt Foto: Tageblatt
Messerattacke auf zwei Frauen am helllichten Tag auf dem Limpertsberg. Eine Frau ist tot, die andere schwer verletzt. Danach eine Großfahndung der Polizei, eine Verfolgungsjagd bis nach Bridel, wo der mutmaßliche Täter gestoppt und festgenommen wird.
Luxemburg erlebt selten ein derart brutales Verbrechen. Zum Glück. Geschieht doch eines, ist der Schock umso größer. Die Reaktion von offizieller Seite? Außer Communiqués der Polizei: nichts. Keine Informationen, keine spontane Anteilnahme nach der tödlichen Attacke auf zwei Frauen, keine Beruhigung der Anrainer. Im Gegenteil: Bis Dienstagabend gab es nicht einmal konkrete Angaben dazu, ob es weitere Täter geben könnte. Um dies auszuschließen, habe die Polizei ihre Fahndung vorerst nicht beendet, hieß es kurz vor 18.00 Uhr im routinemäßig an die Medien verschickten „Police-Bulletin“. Ab da: Funkstille. Dasselbe am Mittwochmorgen. Keine offizielle Stellungnahme.
Wo blieb die Pressekonferenz? Warum sagte Innenminister Léon Gloden (CSV) nichts? Wo waren die Polizeidirektion, die Staatsanwaltschaft? Weshalb gab es keine Kommunikation seitens der Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP) oder der Stadt? Nicht um die Presse zufriedenzustellen. Sondern um die Menschen im Land zu informieren, ihnen Rede und Antwort zu stehen. Um klarzumachen, was bekannt ist – und was nicht. Und um vielleicht das Entsetzen über die Schwere einer solchen Tat auszudrücken. Auch das wäre nicht verkehrt gewesen.
So kam es anders, wie so oft bei solchen Fällen in Luxemburg. Wer sich am Dienstag und Mittwochmorgen online bei den Medien des Landes informieren wollte, was in der Hauptstadt geschehen war, musste häufig Formulierungen lesen wie „unseren Informationen zufolge“. Weil eben nicht anders an Informationen zu kommen war. Das ist Teil journalistischer Arbeit, ganz klar. Doch so war anfangs von einem möglichen Überfall die Rede. Später soll ein Wohnhaus der Tatort gewesen sein. Oder geschah die Tat doch auf offener Straße? Am Mittwoch meldete RTL, das Todesopfer sei eine Immobilienmaklerin gewesen. Das Gerücht zirkulierte bereits am Dienstagabend. Ein Durcheinander, das diesem Drama nicht angemessen ist.
Deshalb gilt: In einem solchen Fall verdienen die Menschen in Luxemburg – und vor allem jene, die unweit des Tatorts leben oder arbeiten – möglichst zeitnah möglichst konkrete Informationen. Wie es in den Nachbarstaaten üblich ist. In solchen Momenten müssen Verantwortungsträger erklären, was Sache ist und was nicht.
Von offizieller Seite kam am Dienstag stattdessen zunächst nur ein knapper Appell: im Raum Bridel und Biergerkräiz keine Anhalter mitzunehmen und verdächtige Personen umgehend unter der Notrufnummer 113 zu melden. Dazu Verkehrshinweise. Welche Straßen gesperrt waren. Wegen der tödlichen Messerattacke auf zwei Frauen.