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Medien berichten von suspendiertem Chirurg, Ärztevertreter sprechen von Hetzjagd. Das ist die falsche Debatte

Ein Chirurg wird suspendiert, Medien berichten, Ärztevertreter sprechen von Hetzjagd. Das ist die falsche Debatte.

Konferenz im Hôpital Kirchberg Luxemburg mit François Pauly und Experten zu Fortschritten der Robert Schuman Krankenhausprojekte

Die AMMD will erst „Klarheit in das Dossier bringen“ – das wünschen sich viele Patientinnen und Patienten auch für ihre Dossiers Symbolbild: Freepik

Es kommt nicht alle Tage vor, dass in Luxemburg ein Chirurg suspendiert wird. Vergangene Woche war dies der Fall. Der Orthopäde wurde erst und vorläufig von seinem Arbeitgeber, den Hôpitaux Robert Schuman (HRS), freigestellt. Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) sprach in der Folge ein vorläufiges Berufsverbot für den Arzt aus. Der Chirurg, für den die Unschuldsvermutung gilt, bestreitet über seinen Anwalt alle Vorwürfe und will vor dem Verwaltungsgericht gegen diese Entscheidung vorgehen.

RTL berichtete zuerst, die anderen Medien, auch das Tageblatt, nahmen die Berichterstattung daraufhin auf – unter anderem mit Aussagen von Geschädigten. Einigen schmeckte das gar nicht. Die Ärztelobby AMMD sowie ein halbes Dutzend Ärztinnen und Ärzte aus den HRS sprangen ihrem Kollegen zur Seite. Die einen öffentlich mit einem RTL-Interview von AMMD-Präsident Chris Roller, die anderen per anonymem Schreiben an die Chefredaktionen des Landes. Beide beschwerten sich bitterlich über die Medien.

Roller sprach von einem „Confrère vun eis, deen ëffentlech higeriicht gëtt, ouni d’Méiglechkeet ze hunn, sech ëffentlech ze rechtfertegen“. Und zeigt sich „schockéiert, wéi d’Medien, awer och d’Gesondheetsministesch an de Collège médical de Fall traitéieren“. Der Brief ist schon mit den Worten „Médecin face au tribunal médiatique“ überschrieben. Und geht gleich los mit: „Nous assistons à un véritable lynchage médiatique, alors même que le médecin concerné n’a pas encore pu entièrement exposer sa version des faits.“ Aha, denkt man sich da bei „den Medien “, wie soll das denn gehen?

Zumindest haben wir uns beim Tageblatt die Frage gestellt: Wie lässt sich jemand „öffentlich hinrichten“ oder wahlweise gegen jemanden eine „mediale Hetzjagd“ betreiben, dessen Name nicht genannt wird? Der Brief geht weiter mit: „Avant de rendre des reproches de mauvaise pratique clinique sur la place publique, ne faudrait-il pas, avant tout, s’enquérir des faits?“ Oder wie Roller bei RTL sagte: Man müsse Klarheit in das Dossier bekommen. Etwas anderes hat auch kein Medium des Landes versucht: Klarheit in das Dossier bringen, den Vorwürfen nachgehen, die Öffentlichkeit informieren. Alles im Sinne der Patientinnen und Patienten. Der beschuldigte Arzt ließ eine Tageblatt-Anfrage am Sonntag unbeantwortet.

Diese aggressive Offensive (oder eher Defensive) der Ärzte, um einen Imageschaden abzuwenden, kommt für die Ärzteschaft zu einem wichtigen Zeitpunkt. Die AMMD verhandelt gerade mit der CNS über eine neue Konvention, nachdem sie die alte im vergangenen Oktober gekündigt hatte. Am 19. Februar soll der „Conseil supérieur de la sécurité sociale“ ein Urteil über die Streitfälle bei der sogenannten „Lettre clé“ treffen – also entscheiden, was Ärzten und Ärztinnen in Zukunft für ihre jeweilige Arbeit von der Gesundheitskasse vergütet werden soll. Blinde Attacken auf die Medien bringen jedoch niemanden näher ans Ziel.

Medien berichten von suspendiertem Chirurg, Ärztevertreter sprechen von Hetzjagd. Das ist die falsch
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20241024, Hôpital, Kirchberg, Les hôpitaux Robert Schuman, Hôpitaux (couloirs, soignants, salle d’attente, lits...)

© Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Medien berichten von suspendiertem Chirurg, Ärztevertreter sprechen von Hetzjagd. Das ist die falsch
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